Prerow/Stralsund

Traum vom Durchstich ausgeträumt?

Blick auf die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst: Eine schiffbare Verbindung zwischen Ostsee (links) und Bodden ist Zielstellung des Zweckverbands.

Blick auf die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst: Eine schiffbare Verbindung zwischen Ostsee (links) und Bodden ist Zielstellung des Zweckverbands.

Prerow/Stralsund. Der Traum vom Durchstich ist wohl ausgeträumt. Die Gemeindevertretung Prerows hat am Donnerstagabend gegen die neue Satzung des Zweckverbands Maritimer Lückenschluss Warnemünde-Stralsund gestimmt. Offiziell möchte Landrat Ralf Drescher (CDU), Vorsitzender des Zweckverbands, zwar nicht das Ende des Verbund verkünden. Nachdem vor wenigen Wochen aber bereits die Gemeinden Pruchten und Kenz-Küstrow ihren Austritt beschlossen hatten, hatte Drescher erklärt, dass bei weiteren Austritten der Zweckverband keinen Sinn mehr mache. „Ich werde mit den verbliebenen Mitgliedern darüber sprechen, ob und wie es mit dem Zweckverband weitergeht“, sagte der Landrat gestern.

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2015 gegründet

Der Zweckverband „Maritimer Lückenschluss Warnemünde-Stralsund“ ist ein Zusammenschluss der Gemeinden auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und er Boddengemeinden. Er wurde Anfang September 2015 gegründet mit dem Ziel, durch den Durchstich die Boddenregion zu beleben. Auch der Landkreis Vorpommern-Rügen ist Verbandsmitglied. 

Es sollte eines der größten Infrastrukturprojekte in der Region werden, eine schiffbare Verbindung zwischen Ostsee und Bodden über die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst – bekannt als sogenannter Durchstich. Mit gleichzeitiger Boddensanierung sollte das Gebiet zwischen Halbinsel und Boddenküste zum Seglerparadies werden. „Die Boddensanierung und der Durchstich können nur gemeinsam in einer Allianz vorangetrieben werden. Offensichtlich gibt es immer wieder einzelne, die nicht bereit sind, etwas für die Allgemeinheit zu tun, zumal von den ablehnenden Personen in Prerow keinerlei konstruktive Kritik vorgetragen wurde. Vielleicht sind diese Kräfte aber auch mit dem Status Quo zufrieden“, so Drescher.

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Zu hohe Kosten?

Zwei Jahre lang diskutierten die Mitgliedsgemeinden, wo dieser Durchstich denn gebaut werden sollte. Weil sich der Zweckverband in diesem Punkt aber nicht einigen konnte, sollten neue Aufgaben hinzu kommen. Lobby-Arbeit für die Tourismusregion und die Erarbeitung eines sogenannten Mobilitätskonzepts gehörten dazu. Damit sollte der Zweckverband überhaupt erst arbeitsfähig gemacht werden. Ein Geschäftsführer, eine Geschäftsstelle und ein Dienstwagen sollten zur Ausstattung gehören.

Der Mehrheit der Prerower Gemeindevertretung war dies am Ende vor allem zu teuer. Rund 64000 Euro hätte die Darßgemeinde in den Jahren 2018 bis 2021 für die Mitgliedschaft zahlen müssen. Von einem Gesamtvolumen von rund 600000 Euro ist die Rede, das alle Mitgliedsgemeinden hätten tragen müssen. „Das ist viel Geld für eine Geschichte, die anders gekommen ist, als geplant“, sagte Roman Grzonka (Fraktion Handwerker). Letztlich stimmten die sieben Vertreter der Fraktionen Handwerker und Gewerbeverein gegen die Zweckverbandssatzung. „Damit ist Prerow raus“, stellte Bürgermeister René Roloff fest.

Deutliche Kritik

Zuletzt hatte es auch andernorts Zweifel an dem Verbund gegeben. Die Ahrenshooper Gemeindevertretung verwies die Satzung am Donnerstag in die Ausschüsse. Auch in der Ribnitzer-Damgartener Stadtvertretung mehrten sich zuletzt die kritischen Stimmen. Aus der Stadtverwaltung kommt allerdings deutliche Kritik an der Entscheidung der Prerower Politik. „Ich bin erschüttert. Es wurde die Chance vertan, mit einer Stimme zu sprechen. Da wurde zu kurz gedacht“, sagte Bürgermeister Frank Ilchmann. Über den Durchstich oder die Boddensanierung brauche man jetzt nicht mehr zu diskutieren. „Da wird sich niemand mehr drum kümmern“, so Ilchmann.

„Ich bedauere die Entscheidung sehr“, sagt auch Gerd Scharmberg, Bürgermeister von Born. Die Frage nach dem bisher Erreichten sei zu kurz gedacht, da der Zweckverband erst mit dem Beschluss der Satzung seine Arbeit hätte aufnehmen können. „Für unsere gemeinsamen Interessen müssen die Gemeinden über den Tellerrand gucken“, so Scharmberg.

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Robert Niemeyer

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