Redaktionsporträt

Hart am Wind: Rügener Reporter gehen auf Tuchfühlung mit Störtebeker

Uwe Driest (v.l.), Gerit Herold, Leiterin Anne Ziebarth, Mathias Otto und Maik Trettin berichten von Rügen.

Uwe Driest (v.l.), Gerit Herold, Leiterin Anne Ziebarth, Mathias Otto und Maik Trettin berichten von Rügen.

Rügen. Eigentlich zog es Anne Ziebarth (45) zunächst nicht auf Deutschlands größte Insel: „Die Insel war in meinen Vorstellungen kalt und windig, ihre Menschen stur.“ Inzwischen sieht die Leiterin der OZ-Lokalredaktion das anders: „Das stimmt zwar alles. Aber ich will hier nicht mehr weg. Denn die Insel ist unglaublich liebenswert und es ist ein Privileg, hier mit diesem großartigen Team arbeiten zu dürfen. Und: Mit Hiddensee haben wir sogar auch noch eine zweite Sehnsuchtsinsel im Redaktionsgebiet.“

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Sie staunt immer wieder, wie vielfältig und groß Rügen ist: „Die Insel hat 39 Gemeinden beziehungsweise Städte auf einer Fläche, die das Stadtgebiet Berlins übertrifft. Da können Fahrwege schon eine Herausforderung sein. Deshalb haben wir das Glück, mit zwei Außenbüros in Sellin und Sassnitz arbeiten zu können.“ Bevor Anne Ziebarth zum Journalismus und damit zur OZ kam, studierte die gebürtige Berlinerin Biologie und Geografie.

Anne Ziebarth: Von der Großstadt auf die Insel

Den Entschluss, das Metier zu wechseln, bereut sie nicht: „Es ist ein großartiger Beruf. Ich lerne noch immer jeden Tag etwas Neues aus den unterschiedlichsten Themengebieten dazu.“ Ihr Berliner Citygefühl hat sie längst eingetauscht gegen das beschauliche Leben auf dem Rügener Lande. Zu dem gehören auch die vier Hennen, die sie aus einer Mastanlage mitnehmen konnte. Darüber, dass ihr Federvieh jetzt „einfach Hühnerdinge tun kann und dabei glücklich ist“, freut sich deren Besitzerin.

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Gerit Herold arbeitet seit 1998 für die OZ auf der Insel, seit zehn Jahren vom Selliner OZ-Bäderbüro aus. Sie erinnert sich noch gut an ihre Anfangszeiten: „Wenn heute Digitalkameras und Handys zu unserer Standardausrüstung zählen, so arbeiteten wir in den 1990er Jahren mit Kameras, in die Rollfilme eingelegt wurden“, sagt die gebürtige Wismarerin. „Und nach dem Termin ging es gleich in den Fotoladen, der die Bilder für uns innerhalb von ein bis zwei Stunden entwickelte. Das war manchmal eine echte Zitterpartie: Sind die Bilder scharf? Ist alles drauf?“

Gerit Herold: Vertrauen der Menschen erarbeitet

Ihren „Beritt“ – die Bäderküste und die Halbinsel Mönchgut – liebt die 51-Jährige: „Für mich ist das die schönste Ecke der Insel. Die Menschen sind von einem besonderen Schlag. Ihr Vertrauen muss man sich erarbeiten.“ Die Kehrseite der touristisch geprägten Region: zu viele Ferienwohnungen, zu wenig Wohnraum und gut bezahlte Arbeitsplätze, Verkehrsprobleme.“ Dass gute Kontakte von Vorteil sind, erlebte Gerit Herold auch 2010 beim Besuch des norwegischen Kronprinzenpaares in Begleitung von Kanzlerin Angela Merkel in Binz. „Ein Hotelier ermöglichte mir sofort, hautnah am Geschehen zu sein, während die Kollegen aus der ganzen Republik hinter Absperrbändern warten mussten“, erinnert sie sich schmunzelnd.

Beeindruckt ist sie auch von einer ganz anderen Begegnung: „Ich habe einmal über eine ältere Frau geschrieben, die ihre Mutter durch das Euthanasieprogramm der Nazis verloren hat und nie kennenlernen konnte. Erst als erwachsene Frau fand sie ihre Halbschwester wieder. Ihr Schicksal hat mich erschüttert.“ Auch einen tragischen Unfall mit vier Jugendlichen, die bei einem Autounfall mit einem alkoholisierten Fahrer ihr Leben verloren, wird sie nicht vergessen: „Ein Schock für die ganze Insel.“

Mathias Otto: Rügen Stück für Stück erobert

Im Mai 2018 wechselte Mathias Otto (39) von der Rostocker Redaktion auf die Insel und trat in Bergen seine Stelle als stellvertretender Redaktionsleiter an: „Ich kannte Rügen so gut wie gar nicht. Dass ich mich für die Insel entschieden habe, war der beste Entschluss, den ich treffen konnte.“ Kaum angekommen, wartete sofort eine besondere Aufgabe auf ihn: „Ich hatte gleich einen Termin bei den Störtebeker Festspielen und durfte Wolfgang Lippert interviewen. Ein toller Einstand!“

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Noch immer ist der gebürtige Brandenburger dabei, sich die Insel „Stück für Stück zu erobern“. Dank seiner Naturliebe und Angelleidenschaft klappt das fast problemlos. Seine Sorge, dass es im Winter auf Rügen schwer sein werde, Themen zu finden, hat sich längst zerstreut: „Hier ist immer etwas los!“ Dafür spricht auch, dass die Bürgermeisterwahl in Bergen am 8. Mai bereits jetzt ihre Schatten vorauswirft. „Der Wahlkampf ist schon im Gange. Das bietet viel Stoff für die Berichterstattung“.

Maik Trettin hat das Geschehen rund um Sassnitz, inklusive des Seehafens „Mukran Port“, im Blick. Der 52-jährige Rüganer kennt die Insel wie seine Westentasche. An der Hafenstadt Sassnitz gefällt ihm besonders gut, dass „sie kein Schickimicki-Ort ist und sich bei ihren Besuchern nicht anbiedert.“ Was sie ausmache, seien nicht hübsche Fassaden, sondern ihre Menschen, die stolz auf die Geschichte ihrer Heimatstadt seien, unterstreicht der Redakteur.

Maik Trettin: Erinnerung an die Vogelgrippe 2006

In den 25 Jahren, die er mittlerweile für die OSTSEE-ZEITUNG auf Rügen tätig ist, hat er vieles erlebt: „Zum Beispiel ist mir der Ausbruch der Vogelgrippe im Jahre 2006 noch sehr präsent“, erzählt er. Damals wurde der Zugang auf die Insel über den Rügendamm genau kontrolliert, strenge Hygienemaßnahmen waren angesagt und Vollschutzanzüge prägten das Bild. „Wir Redakteure gingen damals im Krisenstab ein und aus.“ Damals, so meint er, habe sich auch gezeigt, dass die Insulaner, die manchmal als streitlustiges und zerstrittenes Völkchen gälten, im Ernstfall zusammenstünden.

Uwe Driest (65), komplettiert das Team. Zu den Lieblingsthemen des gelernten Volkswirts, der aus Hamburg auf die Insel kam, zählen Politik und Wirtschaft, aber sein Herz schlägt auch für die Kulturszene der Insel. Gerne schreibt er über Theater- oder Galeriebesuche und die kleine, aber feine Musikszene auf Rügen.

Uwe Driest: Wachsames Auge auf das Mega-Projekt am Bug

Sorge bereitet ihm die rasante Entwicklung von sogenannten „Rollladensiedlungen“ und die Gentrifizierung. „Insulaner finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum in der Nähe ihrer Arbeitsplätze“, hat er beobachtet. Auch die Vorgänge rund um den Bug hat er im Auge. „Vorgesehen war eine Urlaubsanlage mit rund 2000 Betten. Vier Hotels und hunderte Ferienwohnungen waren geplant“, sagt der Redakteur. „Wir beobachten genau, ob sich da noch etwas entwickelt.“

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Von Werner Geske

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