Deal in Binz

Influencerin postet negativen Kommentar: Hotel in Binz bietet ihr kostenlosen Urlaub an

Das Rugard Strandhotel in Binz stand im Fokus einer Gästekritik.

Das Rugard Strandhotel in Binz stand im Fokus einer Gästekritik.

Binz. Haben sich eine Berliner Influencerin und ihr Mann mit einem Trick einen kostenlosen Aufenthalt in einem Binzer Hotel ergaunert? Im ersten Moment entsteht dieser Eindruck durchaus. Doch was geschah wirklich nach der schlechten Online-Bewertung fürs Rugard Strandhotel durch den Unternehmer Markus Schlenz?

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Schlenz, Vorstand der up2media Aktiengesellschaft, urlaubte kürzlich für ein paar Tage mit seiner Partnerin Chiara Marandellas im Ostseebad Binz. Marandellas ist sogenannte Influencerin. Sie hat rund 967 000 Follower auf Instagram, 7000 auf Twitter und 5000 Likes bei Facebook. Beide mieteten eine Suite mit Sauna – und stellten dem Hotel am Ende auf dem Portal HolidayCheck unter der Überschrift „Badezimmer mit Überschwemmungsgarantie“ eine miserable Note aus. Eine Dusche habe gefehlt, die Badewanne sei ohne Spritzschutz und nicht einmal mit Silikon an der Wand verfugt gewesen. Auch habe ein Fenster nicht richtig geschlossen, weshalb die Geräuschbelästigung von draußen immens gewesen sei. Es folgte eine Beschwerde bei der Rezeption, die Hoteldirektion meldete sich, eine Einigung sei aber nicht gefunden worden. Hoteldirektor Freddy Quirin schildert den Vorgang etwas anders. Zumindest der Part mit der Konfliktlösung bekommt bei ihm eine andere Note: „Ich habe Herrn Schlenz eine Suite mit Dusche angeboten, was er aber abgelehnt hat.“

Am Ende stand ein Deal

Markus Schlenz versichert, dass es für ihn total untypisch sei, Hotels im Internet zu beurteilen. „Als ich aber an der Rezeption darum gebeten wurde, eine gute Bewertung auf einem einschlägigen Portal abzugeben, habe ich mich darüber so geärgert, dass ich diesen Text geschrieben habe.“ Seine Punktebewertung war rigoros: Von jeweils sechs möglichen gab es zwei fürs Zimmer, jeweils drei für den Service, Sport und Unterhaltung sowie die Gastronomie und noch einmal nur zwei fürs Hotel. Lediglich Lage und Umgebung bedachte der Gast mit fünf Punkten.Die Reaktion kam prompt: Quirin rief den Unternehmer an und versuchte das Problem zu klären. „Ich fand das Geschriebene ungerechtfertigt“, sagt der Direktor. „Auch weiß ich, dass die beiden schon einige Mal im Rugard und im Grand Hotel waren. Nie haben sie sich negativ geäußert.“ Am Ende des Gesprächs mit Schlenz stand ein Deal: Vier kostenlose Nächte im Rugard und im Grand Hotel gegen Löschung des Beitrags auf HolidayCheck inklusive ein Bericht der Influencerin Chiara auf ihrer Seite.

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Vom Direktor bekniet?

Während sich die Hotelführung wegen der aus Sicht Quirins ungerechtfertigten Kritik zu diesem Angebot eher genötigt sah, stellt Lenz die Unterhaltung so dar, dass er von dem Direktor förmlich „bekniet worden“ sei. „Also habe ich angenommen“, sagt er. „Der Beitrag ist bereits gelöscht. Ob unser Bericht nach dem nächsten Mal allerdings positiv ausfällt, kann ich noch nicht sagen. Mal sehen, was uns geboten wird.“

Chiara hat eine Vielzahl Hotelberichte auf ihrer Seite. Die meisten davon sind Auftragsarbeiten für Werbepartner. Dafür gibt es Geld und es steht von vorn herein fest, dass sie nur von den Vorzügen des Hotels berichten. Journalistisch seien er und seine Partnerin eher selten unterwegs. Wenn, so Schlenz, gebe es dann aber keine Gefälligkeitsrezensionen. Kommentar zum Thema: Unredlich aber normal

Jens-Uwe Berndt

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