Prora

Jugendkonferenz: Protest am Burger-Stand

Julia (li., 15) und Natalia (18) mixen sich beim „Fest der Zukunft“ auf der Jugendmesse „youcoN“ in Prora einen Smoothie. Strom brauchen sie dazu nicht, nur Muskelkraft.

Julia (li., 15) und Natalia (18) mixen sich beim „Fest der Zukunft“ auf der Jugendmesse „youcoN“ in Prora einen Smoothie. Strom brauchen sie dazu nicht, nur Muskelkraft.

Prora. Noura Hammouda hat das tolle Wochenendwetter genutzt. Na klar sei sie schon baden gewesen, sagt die junge Frau aus dem nordrhein-westfälischen Soest. Es sind ja nur ein paar Schritte von der Jugendherberge in Prora bis ans Meer. Das Prora-Zentrum hat sie besucht und sich mit der Geschichte des Ortes vertraut gemacht. Doch eigentlich ist die 18-Jährige nach Rügen gekommen, weil es um ihre Zukunft geht, um die Perspektiven für ihre Generation. 150 junge Leute aus ganz Deutschland haben sich seit Mittwoch auf der Jugendkonferenz „youcoN“ mit der Frage beschäftigt, wie nachhaltige Entwicklung aussehen kann, welche Bildungsangebote junge Leute brauchen und wie sie ihre Interessen besser vertreten können.

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Wachstuch aus Stoffresten und Bienenwachs stellten die Teilnehmer beim Fest der Zukunft in Prora selbst her und präsentierten es als Alternative

Wachstuch aus Stoffresten und Bienenwachs stellten die Teilnehmer beim Fest der Zukunft in Prora selbst her und präsentierten es als Alternative zu Frischhaltefolie.

Es ist die dritte Zusammenkunft dieser Art. In den Vorjahren fand die „youcoN“ in Bielefeld beziehungsweise in Wolfsburg statt. „Die Jugend ist die Gesellschaft von morgen, muss jedoch als Teil der Gegenwart schon heute aktiv in Entscheidungsprozesse involviert werden“, formuliert das Jugendforum „youpaN“ die wichtigste Forderung. Ihre Zukunft wollen offenbar immer mehr junge Leute selbst gestalten. Beleg dafür mag einerseits die „Fridays for Future“-Bewegung sein. Aber auch bei der Stiftung Bildung, die die „youcoN“ organisiert, spürt man das wachsende Interesse. Die Teilnehmerzahl wird immer auf 150 begrenzt. „In diesem Jahr war der Andrang bei den Anmeldungen deutlich größer“, sagt Projektmanagerin Dilan Aytac. Sehr schnell gab es eine Warteliste, die bis zum Schluss nicht abgearbeitet werden konnte. Rund 50 Interessenten konnten nicht teilnehmen, weil es für sie keine Plätze mehr gab.

Die, die nach Prora kamen, diskutierten in Workshops mit bis zu 20 Teilnehmern theoretische, aber auch ganz praktische Fragen. Wie sollte eine Universität im Jahr 2030 aussehen? Welche Probleme haben die „kleinen“ Bauern, die sich nicht der industriell geprägten Landwirtschaft verschreiben? Was sind die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels? Wie stellen sich junge Leute die Stadt der Zukunft vor? Und wie die Mobilität auf dem Land, wo man ohne Auto vielerorts aufgeschmissen ist?

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Noura Hammouda (18) aus Soest war eine der 150 Teilnehmer der Jugendkonferenz „youcoN“ in Prora

Noura Hammouda (18) aus Soest war eine der 150 Teilnehmer der Jugendkonferenz „youcoN“ in Prora.

Mit einem Koffer voller Antworten ist gestern nach dem Ende der „youcoN“ vermutlich kein Teilnehmer nach Hause gefahren. Auch Noura Hammouda nicht. Die meisten Jugendlichen sind bereits in verschiedenen Organisationen ehrenamtlich aktiv und gelten als Multiplikatoren, die mit Gleichaltrigen über ihre Ideen diskutieren sollen. Doch Berührungspunkte mit Jugendlichen außerhalb dieser Organisationen habe sie selbst kaum, sagt Noura nachdenklich. Sie lebe da manchmal noch zu sehr in einer Art „Aktivistenblase“ mit Gleichgesinnten. „Wir haben in den Workshops auch gemerkt, dass man oft eine ganze Reihe bürokratischer Hürden überwinden muss, bevor man eine Veränderung hinbekommt.“ Andere Dinge konnten sie gleich vor Ort in Prora ändern. Dass am dortigen Imbiss-Stand ausschließlich Fleisch-Burger verkauft wurden, wollten vor allem die angereisten Vegetarier und Veganer nicht stillschweigend akzeptieren. Sie legten sich auf den Boden und bildeten mit ihren Körpern eine flache Kette um den Burger-Stand. Die Kundschaft musste über die liegenden Protestierer steigen. „Wir haben mit dem Imbissbetreiber gesprochen und ihn gefragt, warum er nur Fleisch anbietet und dass wir gern Alternativen hätten.“ Schon am nächsten Tag stand auch ein Veggie-Burger auf der Karte.

Maik Trettin

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