Sassnitz

Kein Platz für Kinder: Hortmangel in Sassnitz

Der Hort in der Kindertagesstätte „Lütt Matten“ in Sassnitz ist bis auf den letzten Platz belegt.

Der Hort in der Kindertagesstätte „Lütt Matten“ in Sassnitz ist bis auf den letzten Platz belegt.

Sassnitz. Für Eltern von Grundschulkindern ist es ein Schreckenszenario: Fast ein Drittel der Sassnitzer Hortanträge müsste nach derzeitigem Stand abgelehnt werden. Aktuell gibt es in der Hafenstadt 101 Plätze in den Horten. „Gebraucht werden zu Schuljahresbeginn aber etwa 145“, rechnete die Hauptamtsleiterin Gabriele Thiele den Mitgliedern des Ausschusses für Schule, Kultur, Sport und Soziales auf deren Sitzung in der vergangenen Woche vor. Die hatten sich mit dem Problem bereits im vergangenen Jahr befasst, als sich erste Probleme beim Hortangebot abzeichneten. Schon damals hatten die Träger darauf aufmerksam gemacht, dass die Zahl der Hortplätze mit der wachsenden Anzahl schulpflichtiger Kinder nicht Schritt halte. Eine fertige Lösung haben derzeit aber weder die Träger der Einrichtungen noch die Stadtverwaltung oder die Kommunalpolitiker parat.

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Es besteht kein Anspruch auf einen Platz im Hort

Mehr Platz für die Nachmittagsbetreuung soll es demnächst in der Kindertagesstätte Kunterbunt geben. Das städtische Gebäude am Rügener Ring wird von der Volkssolidarität betrieben. Die Kommune habe den Mietvertrag für Räume, die bislang von einem Bildungsträger genutzt wurden, gekündigt, sagte die Hauptamtsleiterin. Sie sollen Hortkindern zur Verfügung gestellt werden. Damit könne das Angebot um eine komplette Gruppe mit 22 Hortkindern aufgestockt werden, kündigte Diethard Pfeifer, Geschäftsführer des Kreisverbandes der Volkssolidarität auf Rügen, an. Die Stadt will mit dem Umbau Anfang Juni beginnen und im August fertig sein, also pünktlich zum Schuljahresbeginn. „Wenn wir denn die für die Arbeiten notwendigen Handwerksbetriebe finden“, machte Gabriele Thiele auf ein mögliches weiteres Problem aufmerksam.Damit ist das eigentliche noch nicht einmal gelöst. Im von der Kirchengemeinde betriebenen Hort im Söderblomhaus ist eine Erhöhung der Kapazität nicht drin. Dort können maximal 35 Mädchen und Jungen aufgenommen werden. „Zehn Anträge können wir nicht bedienen“, machte die Leiterin Angela Wachsbaum deutlich. Insgesamt fehlen in der Stadt dann immer noch 22 Plätze, das entspricht einer kompletten Hortgruppe.Einen Rechtsanspruch auf einen Hortplatz für ihr Kind haben die Eltern nicht. „Aber wenn die Eltern arbeiten, muss ja die Betreuung nach Schulschluss abgesichert sein“, formulierte Gabriele Thiele für die Stadtverwaltung eine Art Selbstverpflichtung, ein solches Angebot in ausreichendem Maße vorzuhalten. Andernfalls könnten die Eltern unter Umständen keine Arbeit finden oder annehmen.

Klare Positionierung der Stadtvertretung gefordert

Mehrere Denkanstöße kamen aus dem Ausschuss. Man sollte die ehemalige Förderschule an der Mukraner Straße in Betracht ziehen, die jetzt vorübergehend auch Außenstelle der Regionalen Schule ist, meinte etwa Peter Kordes (FDP). Seiner Kollegin Svea Lehmann (Die Linke) wäre es am liebsten, wenn sich eine Lösung in der Nähe des Schulorts finden würde. „Ich denke da auch an Container auf dem Schulhof oder an den Bau eines Horthauses.“ Für letzteres liegen seit Jahren Ideen in der Schublade. Die Umsetzung ist immer an der Finanzierung gescheitert. Das hält auch Gabriele Thiele für die beste Variante. Das Hortgebäude könnte im Zusammenhang mit dem Umbau der Grundschule an der Schulstraße errichtet werden. Alles andere werde nicht funktionieren. Doch das brauche Zeit. Vor 2020 sei daran nicht zu denken.Es müsse sowohl eine mittelfristige als auch eine kurzfristige Lösung für das Problem geben, machte Diethard Pfeifer deutlich. Denn auch die Schaffung neuer Hortplätze im Kindergarten am Rügener Ring sei nur ein Provisorium, um schnell zu helfen. Die Räume und das Personal würden früher oder später auch wieder für die Betreuung der Krippen- und Kindergartenkinder benötigt. Zumindest was die Perspektive angeht, soll die Stadt Nägel mit Köpfen machen: Die Stadtvertretung müsse sich klar positionieren, wie und wo in Zukunft die Hortbetreuung abgesichert werden soll, forderte Svea Lehmann.

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Maik Trettin

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