Putbus

Mönche brachten den Bärlauch nach Putbus

In der Zeit vom 16. – 29.04.2018 finden die „Bärlauchtage Putbus“ statt.

In der Zeit vom 16. – 29.04.2018 finden die „Bärlauchtage Putbus“ statt.

Putbus. Es habe Zeiten gegeben, in denen die Menschen glaubten, Bärlauch wäre giftig und mache Kuhmilch ungenießbar, weiß Hanns Dieter Knapp. Der Botaniker und Vorsitzende des Verbands Insula Rugia eröffnete zu Wochenbeginn die ersten „Bärlauchtage Putbus“ mit einem Vortrag zur Kulturgeschichte des Wildkrauts.

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Um seine Zeitgenossen für den Genuss der gesunden Pflanze zu gewinnen, habe sie Pfarrer Johann Künzle 1910 durch einen wagemutigen Selbstversuch vom Gegenteil überzeugt. Künzle ahnte wohl zumindest, was man heute weiß: dass der Bärlauch aufgrund schwefelhaltiger Stoffe, ätherischer Öle und seines Vitamin-C-Gehalts gut gegen Hautausschläge oder Arterienverkalkung wirkt und den Blutdruck senkt. „Iss Lauch im Frühling und Bärlauch im Mai, dann haben die Ärzte das Jahr über frei“, zitierte Knapp aus dem Fundus alten Wissens. Germanen und Römer haben der auch „Zigeunerlauch“ genannten Pflanze wahlweise Bärenkräfte zugeschrieben, mittels derer Vampire ferngehalten oder die Potenz gesteigert werden könne. Die Gefahr der Verwechslung mit giftigen Arten wie Maiglöckchen oder Herbstzeitloser hält Knapp des intensiven Geruchs wegen für gering. Schließlich hätten seine Ausdünstungen den Bärlauch „in Parkanlagen größerer Städte sehr verhasst“ gemacht.

Den Bärlauch übernahme Fürst Malte von den Mönchen

Knapp kannte auch die Antwort auf eine Frage, die sich zuvor vermutlich niemand gestellt hatte: „Wie kam der Bärlauch nach Putbus?“ Das Wildgemüse liebt feuchte, schattige Laubwälder, weswegen sein Verbreitungsgebiet nahezu identisch mit jenem der Rotbuche sei. „Da, wo sie einmal ist, verbreitet sie sich stark“, so Knapp. Sie bildet zunächst einen grünen, und in der Blüte einen weißen Teppich, in dem alles andere versinkt. Dennoch kam der Bärlauch ursprünglich im Nordosten eigentlich nicht vor. Diese „Verbreitungslücke“ hätten aller Wahrscheinlichkeit nach Zisterzienser-Mönche des Klosters Eldena geschlossen, die als Einsiedler auf den Inseln Vilm und Oie lebten und sich dort einen Kräutergärten anlegten.

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„Der Vilm gehörte seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1249 zum Haus Putbus und war immer Ort einer Kapelle“, so Knapp. Reste dieser Kapelle habe der Rügener Geograph Johann Jacob Grümbke 1805 noch vorgefunden. Vermutlich habe Fürst Malte den Bärlauch mit in seinen Kräutergarten – den heutigen Rosengarten – übernommen. Die Massenausbreitung über weitere Teile des Parks dürfte erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgt sein, glaubt Knapp. Als essbares Wildkraut sei der Bärlauch erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt worden, meint Knapp. Er wirkt am besten, wenn er jung und zart ist, ist aber auch in der Blüte noch essbar.

Die Veranstaltungsreihe endet mit einem Regionalmarkt

Getrocknet verliert er hingegen seine Wirkung. Wer auch im Herbst nicht auf seinen Bärlauch verzichten möchte, kann sich die tiefen, sehr schlanken Zwiebeln ausgraben, die milder sind, als Knoblauch. Einen Serviervorschlag lieferte Hanns Dieter gleich mit. Der Professor streckt seinen Bärlauch-Salat mit einer milderen Sorte und geriebenem Apfel. Dazu gibt es Hering und Märkisches Landbrot, das ebenfalls in Putbus zu haben ist. Örtliche Gastronomien bieten weitere Bärlauchkreationen an und Sterne-Koch Peter Knobloch lädt zu Bärlauch-Menü und Kochschule.Die Veranstaltungsserie soll bei Vortrag, Kochkursen, Kinderveranstaltungen und Themenführungen im und um den Putbusser Park über die vielfältigen Besonderheiten des Bärlauchs informieren.

    Driest Uwe

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