Neue Museumsleiterin

„Museum öffnen und modernisieren“

Marika Emonds, neue Leiterin des Bergener Stadtmuseums, zeigt steinzeitliche Beile aus ihrem Depot.

Marika Emonds, neue Leiterin des Bergener Stadtmuseums, zeigt steinzeitliche Beile aus ihrem Depot.

Bergen. „Ich denke, dass das Museum Potential hat, aber es bleibt auch noch sehr viel zu tun“, beschreibt Marika Emonds ihre ersten Eindrücke vom Zustand ihrer neuen Arbeitsstelle. Die 1981 im sächsischen Zittau geborene neue Leiterin des Stadtmuseums Bergen war anderthalb Jahre alt, als die Eltern nach Sagard auf Rügen zogen. Aufgewachsen ist sie dann in Bergen, wo sie auch ihr Abitur machte. Nach dem Studium der Ur- und Frühgeschichte am Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin begann sie beim damaligen Kulturhistorischen Museum von Stralsund zunächst als Praktikantin, später als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Dort lernte sie Fred Ruchhöft kennen, der die Grabungen am Kap Arkona leitete und sie 2012 ins Team holte. „Wir haben vor allem die unmittelbar vom Küstenabbruch gefährdeten Bereiche untersucht, um dem Boden seine Geheimnisse zu entlocken, bevor diese mit ihm unwiederbringlich ins Meer stürzen.“ Ruchhöft setzte die junge Archäologin auch als Zeichnerin ein. „Ein Foto ist zwar realistischer, aber Schatten können beispielsweise zu Verzerrungen führen.

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Erst im vergangenen Jahr hatte sie eine Stelle bei den Mönchguter Museen angetreten. „Dort erfuhr ich auch von einer möglichen Perspektive für den Aufbau eines inselweiten Museumsverbands.“ Eine Idee, die sie gern weiterhin im Auge behalten möchte, nachdem sie die Ausschreibung für die Stelle im Stadtmuseum Bergen für sich entscheiden konnte. „Dabei kamen mir die Erfahrungen aus Stralsund und Göhren zugute.“ Gegenüber den dortigen Ausstellungen handele es sich bei der 1992 in Bergen installierten Sammlung allerdings um eine relativ junge Exposition. „Ich denke zudem, dass sich noch viele Stücke in den Depots verstecken, die es wert wären, gezeigt zu werden“, so Emonds.

Auch könnte es Sonderausstellungen zur Insel Rügen und zur Bergener Geschichte beispielsweise zu den Epochen des Zweiten Weltkriegs, der DDR, aber auch der jüngeren Zeitgeschichte geben. Überhaupt möchte die neue Leiterin das Museum künftig mehr nach außen öffnen, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit forcieren und die Zusammenarbeit mit Medieninformationszentrum (MIZ) und Stadtinfo stärken. So möchte sie sich zum zweiten Jaromar-Fest im Sommer mit einem wissenschaftlichen Beitrag einbringen. Möglichkeiten erkennt Marika Emonds auch in Fragen der kulturellen Bildung und der Museumspädagogik. So könne man zum Thema „Sagen und Brauchtum“ gemeinsame Projekte mit Schulen und Kitas planen oder mit dem „Museum aus dem Koffer“ Seniorenheime besuchen.

Großen Nachholbedarf sieht sie auch bei der digitalen Inventarisierung. Das bestehende System sei veraltet, allerdings würden durch die Anschaffung einer modernen Museums-Software wie „Faust“ Kosten entstehen. Eine Datenbank solle Angaben über Fundorte oder Maße sowie eine Beschreibung und Fotos enthalten. „Das erleichtert die Recherche und Zuordnung von Stücken.“ Die Daten aus dem alten System zu übertragen und neue zu erfassen, würde allerdings auch Zeit kosten. Die dünne personelle Decke war zuletzt einer der Streitpunkte zwischen Verwaltung, Stadtvertretung und der ehemaligen Leiterin Martina Herfert gewesen. „Vielleicht lässt sich ein Teil der Arbeit auch im Rahmen des Ehrenamts erledigen“, überlegt Marika Emonds daher. Auch könne man über die Gründung eines Fördervereins nachdenken. „Neugierige Laien, die ein Blick hinter die Kulissen interessiert, sind willkommen und können sich gern bei mir melden“, möchte sie Bergener Bürger ermutigen.

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Uwe Driest

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