Konzerte

Reinhard Pieckocki: Mit Leidenschaft für die Chopiniade auf Rügen

Reinhard Piechocki (72) kommt wie sein Klavier aus Halle und lebt seit 1993 auf Rügen. Er spielt jeden Tag, gerne auch Chopin, dem er in Kooperation mit dem Theater Putbus eine ganze Konzertreihe widmet.

Reinhard Piechocki (72) kommt wie sein Klavier aus Halle und lebt seit 1993 auf Rügen. Er spielt jeden Tag, gerne auch Chopin, dem er in Kooperation mit dem Theater Putbus eine ganze Konzertreihe widmet.

Kasnevitz/Putbus. Das Klavier an der Wand in dem kleinen gemütlichen Fachwerkhaus stammt natürlich aus Halle – so wie Reinhard Piechocki auch, der in Kasnevitz auf der Insael Rügen lebt. Liebevoll streicht der 72-Jährige über die Tasten. „Ich spiele jeden Tag. Klavierspielen begleitet mich durch mein ganzes Leben. Ich habe angefangen, als ich acht Jahre alt war.“

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Kein Wunder also, dass Piechocki sich besonders den Musikern verbunden fühlt, die für Klavier komponiert haben – und seine Begeisterung für das Tasteninstrument gern weitergeben will. „Die Idee, eine Reihe von Klavierkonzerten zu veranstalten, entstand vor über zwei Jahren“, erzählt er. „Damals ging das gerade mit Corona los – und ich kam mit Theaterdirektor Peter Gestwa ins Gespräch.“

Steinway-Flügel im Theater soll klingen

Beide unterhielten sich über das wunderschöne Theater in Putbus – und den exquisiten Steinway-Flügel, den das Haus zu bieten hat. „Da lag es nahe, den doch mal zu Gehör zu bringen und gleichzeitig jungen Menschen aus der Region die Gelegenheit zu geben, zu zeigen, was sie können.“ Also wendet sich Piechocki an die Musikhochschule Rostock. „Der Studienzweig Klavier ist hier wirklich ausgezeichnet. Professor Bernd Zack schickt mir seither seine hoffnungsvollen international erfahrenen Pianisten und Pianistinnen. Mein Part ist dann, für die Konzerte eine besonders schöne Form zu finden.“

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Junge Pianisten zu Gast auf der Insel Rügen

Auch in diesem Jahr widmen sich die jungen preisgekrönten Konzertpianistinnen und -pianisten den Stücken von Frédéric Chopin. „Er ist ein Ausnahmekomponist“, schwärmt Reinhard Piechocki. „Er drückt in einer einzigartigen und intensiven Weise die ganze Palette menschlicher Gefühle aus, von der tiefsten Verzweiflung bis zur höchsten Glückseligkeit. Niemand hat das so gut hinbekommen wie er. Das spricht die Menschen an, deshalb ist er auch mein Favorit.“ Auch das technische Niveau des Polen, der nur 39 Jahre alt wurde, beeindruckt den Kasnevitzer. „Ich spiele Chopin auch selber und weiß, was es bedeutet, seine Werke zu spielen.“

Chopiniade

Das Eröffnungskonzert am Freitag, 21. Oktober, um 19.30 Uhr spielt die japanische Pianistin Mayuko Miyata. Sie lässt die polnischen Mazurken und die berühmten Nocturnes erklingen. Am Sonnabend können Exkursionsteilnehmer sich ab 9.30 Uhr mit Reinhard Piechocki auf die Spuren von Caspar David Friedrich begeben (Treffpunkt Dorfhaus Kasnevitz), abends spielt ab 19.30 Uhr Daniel Seng Chopins Etüden. Der Sonntag bietet eine Exkursion mit Führung zur Insel Vilm. Weiter geht es dann am Freitag, 28. Oktober, mit dem Konzert von Mari Namera, am Sonnabend spielt Yu Tang Chopins Balladen.

Programm und Tickets gibt es auf theater-vorpommern.de

Besonders freut sich Piechocki auf den kommenden Sonnabend. Dann spielt Daniel Seng Chopins Etüden. „Das ist Klavierspielkunst auf höchstem Niveau. Ich freue mich schon darauf, dieses Konzert zu moderieren und werde das sehr behutsam tun. Es ist so schön, die Zuschauer auf die Stücke einstimmen zu können, ihnen zu offenbaren, welche Geheimnisse sich dahinter verbergen.“

Chopin half Alice Herz-Sommer dabei, das KZ Theresienstadt zu überleben

Mit diesen Etüden verbindet Piechocki noch etwas ganz Besonderes: Über sie entdeckte er die Pianistin Alice Herz-Sommer, die durch ihre Konzerttätigkeit das KZ Theresienstadt überlebte und dort auch die Etüden spielte. Piechocki fand die außergewöhnliche Frau 99-jährig in London. „Diese Geschichte hat mich sehr berührt und ich wollte, dass Alice und ihre Musik nicht in Vergessenheit geraten.“ Entstanden ist sind Buch „Ein Garten Eden inmitten der Hölle“ und zwei CDs, die aus Tonaufnahmen bestehen, die Piechocki in der ganzen Welt zusammengesucht hat. „Das muss man sich mal vorstellen: Da ist diese 100-jährige Frau, eine der besten Pianistinnen ihrer Zeit – und sie hat nicht mal eine Tonaufnahme von sich.“ Zu ihrem 103. Geburtstag schenkt Piechocki ihr eine CD – mit ihren eigenen Stücken, natürlich auch einige Etüden von Chopin.

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Doch nicht nur die Musik gehört zur Chopiniade. „Ich bin Naturwissenschaftler und finde es wichtig, Musik mit Landschaft zu verbinden. Beide haben den gleichen emotionalen Zugang.“ Also bietet Piechocki an den beiden Konzertwochenenden ergänzend Exkursionen an, die sich auf der Insel Vilm oder den Spuren Caspar David Friedrichs bewegen. „Ja, das werden geschäftige Wochenenden“, lacht Piechocki. „Aber ich habe große Freude daran.“

Von Gaia Born

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