Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Nur noch Tagestickets in der Rügen-Therme

Sassnitzer verärgert über Schwimmbad-Preise

Die Rügen-Therme im Rügen-Hotel in Sassnitz. Wer nicht im Hotel wohnt, kann das Bad seit Jahresbeginn nur mit einer Tageskarte besuchen. Das ärgert viele Sassnitzer.

Die Rügen-Therme im Rügen-Hotel in Sassnitz. Wer nicht im Hotel wohnt, kann das Bad seit Jahresbeginn nur mit einer Tageskarte besuchen. Das ärgert viele Sassnitzer.

Sassnitz.In Sachen Schwimmbad haben die Sassnitzer den Bergenern einiges voraus: Während man in der einstigen Kreisstadt derzeit hitzig über den Bau einer solchen Einrichtung diskutiert, planschen die Hafenstädter schon seit Jahrzehnten in „ihrem“ Pool unterhalb des Rügen-Hotels. Doch ob auch künftig noch viele Sassnitzer dieses Angebot nutzen, bezweifelt so mancher. Die Besitzer der Rügen-Therme haben zum Jahresbeginn ein neues Preissystem eingeführt und sich damit den Unmut vieler Jasmunder „Wasserratten“ zugezogen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Eine von ihnen ist Dr. Joachim Behrendt. Er wirkt auch mit seinen 68 Jahren noch sportlich. Ein bis zweimal pro Woche ging er bislang in der Rügen-Therme schwimmen. Der gebürtige Berliner hat sich beruflich jahrelang um die Planung und Vermarktung von Schwimmbädern und Badelandschaften gekümmert. Das hiesige Becken war einer der Gründe, warum er und seine Frau im Rentenalter nach Sassnitz zogen. Bewegung mache Spaß und stärke die Gesundheit, sagt Behrendt. Bei jedem Besuch zog er knapp eine Stunde lang seine Bahnen in dem warmen Wasser. Weil er – wie viele andere Senioren – außerhalb der Hoch-Zeiten badete, zahlte er pro Stunde vier Euro. Dieser Satz galt täglich von 10 bis 13 Uhr. Seit Jahresbeginn ist es damit vorbei. Es gibt nur noch einen Preis: 15 Euro. So viel kostet eine Tageskarte. Mit der kann der Besucher so lange schwimmen wie er möchte und auch die Sauna benutzen. Das Problem: Einen anderen Tarif als die Tageskarte gibt es für die Erwachsenen nicht mehr. Wer wie bisher nur ein paar Züge durch das Becken machen oder kurz in der Sauna schwitzen möchte, muss den Preis für den gesamten Tag bezahlen. „Day Spa Ticket“ nennt man das in der zu den Raulff-Hotels gehörenden Rügen-Therme.

Einnahmen decken die Kosten nicht

Dort erhofft man sich zum einen höhere Einnahmen. Wasserbeprobungen, Instandhaltung und Erneuerung der Technik – der Betrieb des Bades koste jährlich eine sechsstellige Summe, sagt Philipp Scheibe aus der Geschäftsführung. Das Familienunternehmen betreibt das Rügen-Hotel samt öffentlichem Bad seit 22 Jahren. Seitdem seien Millionen in die Unterhaltung der Rügen-Therme geflossen. „Die generierten Einnahmen decken diesen Aufwand leider nicht im Ansatz“, sagt Scheibe. Auf Dauer könne diese Rechnung nicht aufgehen. Um zu kontrollieren, dass niemand länger in der Therme bleibt, als es sein Ticket erlaubt, müssten in Schwimmbad und Sauna insgesamt fünf Mitarbeiter beschäftigt werden. Diesen personellen Aufwand will man offenbar künftig reduzieren: „Ein Pauschalangebot mindert auf der einen Seite den Kontrolldruck der Mitarbeiterinnen, vereinfacht den Verkauf und wird der Mehrheit unserer Besucher gerecht“, sagt Philipp Scheibe.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Kritik: Besseres Angebot woanders günstiger

Joachim Behrendt bezweifelt, dass diese Rechnung aufgehen wird. „Einen Großteil der Kosten einer solchen Einrichtung zahlen in der Regel die Übernachtungsgäste des Hotels.“ Die würden verständlicherweise im Gegenzug beim Besuch der Therme nicht zur Kasse gebeten. „Jeder Euro, der durch die Besucher von außen in die Kasse kommt, hilft zusätzlich bei der Deckung der Kosten.“ Doch genau diese Gruppe drohe zu schrumpfen. Viele „Stunden-Gäste“ in Schwimmbad und Sauna würden wegbleiben, weil sie nicht bereit seien, das Geld für ein Tagesticket auszugeben. „Die Halle wird besonders an den An- und Abreisetagen leerer“, prophezeit der Sassnitzer. Die ohnehin geringe Zahl externer Gäste werde weiter sinken. Denn für das gleiche Geld oder weniger werde anderswo mehr geboten. Der Besuch des deutlich luxuriöseren Spa-Bereiches im Raulff-Hotel „Badehaus Goor“ koste ebenfalls 15 Euro pro Tag. Im Neddesitzer „Splash“ zahle man für vier Stunden 13 Euro – und es gibt vier Saunen und ein Innen- und Außenbecken. Dorthin fährt Dr. Joachim Behrendt jetzt jede Woche. „Ich würde lieber in Sassnitz schwimmen, aber hier stimmt das Verhältnis von Preis und Leistung nicht mehr.“

Dach als Schutz vor Möwenkot

Im Juni des Jahres 1969 wurde das damalige Rügen-Hotel der Mitropa eröffnet. Erbaut hatte es der schwedische Konzern SIAB. Das heutige Schwimmbad unterhalb des Rügen-Hotels war ursprünglich ein beheizbarer Außenpool. Er wurde in den 70er Jahren überdacht, weil er nur noch schwer sauberzuhalten war: Vor allem durch die Exkremente der Möwen wurden das Wasser und die Außenanlagen immer wieder verschmutzt.

Seit Generationen lernen junge Sassnitzer in dem 29 Grad warmen Wasser schwimmen. Das werde auch in Zukunft so bleiben, sind sich die Unternehmensleitung und der Sassnitzer Bürgermeister einig. Die Schwimmausbildung der Kinder wird von der Stadt finanziert.

Die Sorgen der Sassnitzer Schwimmer beschäftigen mittlerweile auch die Stadtverwaltung und den Seniorenbeirat. „Wir haben die Problematik in einem ersten Gespräch mit Herrn Scheibe besprochen“, sagt Bürgermeister Frank Kracht. Das Unternehmen habe die Bereitschaft signalisiert, eine Lösung für die Senioren zu finden, etwa vergünstigte Angebote zu bestimmten Zeiten. Konkretes soll mit der Hotelleitung besprochen werden. „Auch wir werden das Gespräch mit den Betreibern der Rügen-Therme suchen. Dabei werden wir uns eng mit dem Bürgermeister abstimmen,“ kündigte der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Gerd Slowy, an. Der Sozialausschuss hatte das Gremium um Unterstützung gebeten.

Maik Trettin

Mehr aus Rügen

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.