Juliusruh

Steinstrände auf dem Vormarsch?

Der Saugbagger Barent Zanen vor Juliusruh.

Der Saugbagger Barent Zanen vor Juliusruh.

Juliusruh. Der Strand von Juliusruh ist der Stolz der Einwohner: weiß und feinsandig erfreut er sich bei viele Touristen großer Beliebtheit. Doch die Anwohner Juliusruhs sorgen sich um die Zukunft der Strandqualität. Grund dafür ist das Baggerschiff Barent Zanen, was seit einigen Wochen in der Tromper Wiek Sand und Kies abbaut. In der Bucht befindet sich ein genehmigtes Abbaugebiet, die entnommenen Stoffe werden für Baumaßnahmen unter anderem im Offshore-Windpark Wikinger benötigt. „Wir befürchten, dass unser Strand mit den nächsten Stürmen wesentlich steiniger wird“, so Bert Kunath, der in Juliusruh einen Strandkorbverleih betreibt. „Das war nach Baggerarbeiten im Jahr 2011 nämlich schon einmal so“. Damals häuften sich am Strand der sonst in diesem Bereich sandigen Schaabe die Steine.

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Experten: Steine werden nicht an den Strand gespült

Während die Einwohner der Gemeinde einen Zusammenhang zwischen Steinen und Baggerarbeiten vermuten, verneinen Experten das kategorisch. „Dass die Steine aus der Ostsee angespült werden ist küstendynamisch ausgeschlossen“, sagte Prof. Dr. Ralf-Otto Niedermeyer, damals Leiter des geologischen Dienstes beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie. „Es handelt sich um eine Nehrung. Bei Sturm wird der Küste Sand entzogen, der aber später wieder angelagert wird.“ Die Steine wären bereits im Sand enthalten. „Die Steine am Strand der Schaabe sind ziemlich eckig. Das spricht nicht für einen Transport durch die See, sondern dafür, dass die Steine unter Strandsand lagen und durch einen Sturm freigespült wurden.“In der Gemeinde ging man damals juristisch gegen das Planfeststellungsverfahren vor, dass sich mit der Ausweisung der Lagerstätten in der Tromper Wiek beschäftigte. Bereits vor Abschluss des Verfahrens gab es die Genehmigung dort Material abzubauen. Der Streit endete schließlich außergerichtlich mit der Übernahme der Kosten für eine Strandreinigung durch die Hegemann Gruppe, die damals in der Tromper Wiek Kies abbaute. Die Kosten betrugen mehrere tausend Euro, auch für das Folgejahr wurde eine Kostenübernahme garantiert. „Wichtig in der Einigung war für das Unternehmen die schriftliche Feststellung, dass die Strand-Versteinung bei Juliusruh nichts mit den Baggerarbeiten in der Tromper Wiek zu tun hatte und diese Strandreinigung keinesfalls ein Schuldeingeständnis sei“, so Wulff.

Problem auch in Binz bekannt

Auch in Binz ist das Problem des immer steiniger werdenen Strandes bekannt. „Als ich 1986 meine Frau kennengelernt habe, gab es in Mukran noch einen feinen Sandstrand“, erinnert sich der Binzer Bürgermeister Karsten Schneider. „Heute sehen die Besucher dort nur noch Steine.“ Nach Beobachtungen Schneiders haben sich die Steine in den vergangenen 30 Jahre bis in Höhe des Blocks V von Prora „ausgebreitet“. „Ausgebreitet ist vielleicht das falsche Wort. Es kommt einfach nicht mehr genügend Strandsand nach. Dadurch sieht man immer mehr Steine die unter der Oberfläche liegen“, weiß Schneider. Seiner Meinung nach sind sowohl der Kiesabbau an der Schaabe als auch die umfangreichen Bauarbeiten im Hafenbecken Mukran für die Veränderung der Strandzusammensetzung verantwortlich. „Der feine Sand bleibt in den ausgehobenen Senken hängen, man spricht auch von Sedimentfallen.“ Er sei froh, dass auch bei den Experten langsam ein Umdenken eingesetzt habe und akzeptiert werde, dass sich zwar nicht die Gestalt der Küste aber die Zusammensetzung des Strandes sehr wohl verändert habe.

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Aufspülungen können Lösung sein

„Wir können und wollen weder die Entwicklung des Hafens Mukran rückgängig machen, noch den Kiesabbau stoppen“, so Schneider. „Wir müssen uns aber Gedanken um Aufspülungen machen und vor allem auch darum, wer diese finanziert.“ Gespannt sei er auf die Ergebnisse eines Monitoring-Programms was die Abbaufirmen jüngst gestartet hätten und welches die Veränderung des Strandes im Zusammenhand mit dem Kiesabbau dokumentieren soll. Der Strand sei ein großes Kapital von Rügen und europaweit einmalig. „Das ist ein Hauptgrund, warum die Menschen auf die Insel kommen. Wir dürfen nicht zusehen, wie dieser Schatz verschwindet.“

Anne Friederike Ziebarth

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