Groß Zicker

Zäune und Kreuz vom Friedhof gestohlen

Pastor Olav Metz vor einer Anlage, bei der gusseiserne Zaunteile gestohlen wurden.

Pastor Olav Metz vor einer Anlage, bei der gusseiserne Zaunteile gestohlen wurden.

Groß Zicker. Der Friedhof in Groß Zicker zählt zu den schönsten auf der Insel Rügen. Viele uralte Grabanlagen sind hier zu finden, die aus längst vergangenen Zeiten berichten Oft sind diese eingezäunt. Das weckt offenbar Begehrlichkeiten. Ende April wurden hier über 100 Jahre alte gusseiserne Zäune und eine Betonvase entwendet und auch ein Eisenkreuz gestohlen. Die Zaunteile wurden gewaltsam herausgebrochen, nur einzelne restliche Stäbe stehen noch.

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„Man steht mit Erstaunen davor, mit wie wenig Pietät hier zu Werke gegangen wurde“, ist Pfarrer Olav Metz wütend und traurig zugleich. Vordergründig gehe es nicht um den Gebrauchswert der Zäune, sondern vielmehr darum, den historischen Charakter des Friedhofes zu bewahren. Auch würden über viele Jahrezehnte alte Familientraditionen hier gepflegt. „Eine der ältesten Grabanlagen auf dem Friedhof ist die von Pastor Steurich und seiner Familie“, weiß Metz. Emil Steurich war von 1887 an über 30Jahre lang Pastor in Groß Zicker. Daneben wirkte er als Lehrer, Kommunalpolitiker, Heimatschriftsteller und Bewahrer der Mönchguter Identität.

Olav Metz ist seit 1992 Pastor in Groß Zicker. Seit dieser Zeit habe es auf dem Friedhof noch keinen derartigen Fall von Diebstahl gegeben. Der Friedhof befindet sich etwas abgelegen vom Ort auf einer Anhöhe. Ursprünglich wurde er um die Dorfkirche herum angelegt. Ende des 19. Jahrhundert war dieser aber so stark befüllt, dass ein neuer Platz gefunden werden musste. In den 1950er Jahren wurden an der Kirche die letzten Menschen beerdigt – Ehepartner von bereits Verstorbenen, die dort ihre letzte Ruhe fanden.

Er habe zwar bei der Polizei Anzeige erstattet, doch dass der oder die Täter gefasst werden, hält Olav Metz für aussichtslos. Kameras möchte er allerdings nicht installieren. Der Pfarrer appelliert deshalb an die Einwohner und Friedhofsbesucher, die Augen offen zu halten. Denn der Metall-Klau in Groß Zicker ist kein Einzelfall. In Sellin haben Unbekannte vor geraumer Zeit vom Kriegerdenkmal auf dem Friedhof Metallteile abmontiert, weiß Olav Metz, der für die Kirchengemeinden Mönchgut-Sellin zuständig ist. In Middelhagen sind Kirche und Friedhof mitten im Ort gelegen. Hier kam es noch zu keinen Diebstählen, aber immer wieder zu einem anderen Ärgernis. So würden auf dem Komposthaufen augenscheinlich nicht nur Grünabfälle vom Friedhof landen, sondern welche von anderen Grundstücken. Schlimmer noch: „Wir hatten hier auch schon einen Fernseher liegen“, erinnert sich Metz.

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In Middelhagen und Groß Zicker gibt es neben den historischen Anlagen übrigens auch neue. Die sogenannten Rasengräber in Groß Zicker und Middelhagen oder der „Seestein“ zur Erinnerung an die auf See Bestatteten in Groß Zicker sind seit ein paar Jahren neue Orte der Trauer. Um den Seestein können Angehörige Gedenksteine zur Erinnerung an Verstorbene anfertigen und einlegen lassen. Mit den Rasengräbern kommt die Kirchengemeinde all jenen entgegen, die eine langjährige Grabbetreuung nicht gewährleisten können und darum auf eine individuelle Grabpflege verzichten wollen.

Herold Gerit

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