Nahverkehr

MVs Verkehrsbetrieb ziehen Bilanz aus 9-Euro-Ticket – wie geht es weiter?

Fahrgäste steigen auf einem Bahnsteig am Bahnhof aus einem Regionalzug der Deutschen Bahn.

Fahrgäste steigen auf einem Bahnsteig am Bahnhof aus einem Regionalzug der Deutschen Bahn.

Schwerin. Das 9-Euro-Ticket war ein Erfolg, darin sind sich in Mecklenburg-Vorpommern so ziemlich alle einig. Auch wenn gnadenlos überfüllte Züge in Richtung Küste für Frust sorgten und zur Verstärkung dort einige Bahnverbindungen im Binnenland gestrichen wurden, zog Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) am letzten Wochenende des bundesweiten Billig-Fahrscheins eine positive Bilanz. Das Modell habe sich in den drei Monaten weitgehend bewährt, erklärte er. „Es hat die Bürger entlastet.“

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Darüber hinaus sei das Ticket ein Beitrag zur Mobilitätswende und für den Klimaschutz gewesen. In den Ferienregionen setzte ein regelrechter Run auf Busse und Bahnen ein. Doch auch im Binnenland nutzten mehr Menschen als zuvor den ÖPNV. So berichtete der Geschäftsführer des Schweriner Nahverkehrs, Wilfried Eisenberg: „Der entstandene Verlust an Fahrgästen durch die Corona-Pandemie konnte ausgeglichen werden und das Niveau im Fahrgastaufkommen von 2019 ist wieder erreicht worden.“

9-Euro-Ticket in MV: Auch Rufbusse mehr genutzt

Der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP), Stefan Lösel, berichtet sogar von knapp einem Viertel mehr Fahrgästen als im gleichen Zeitraum 2019, vor Corona. Interessant dabei: Während touristische Verkehre, wie die Linie 77 Parchim – Lübz – Plau am See – Malchow eine Steigerung auf 154 Prozent im Vergleich zum Sommer 2019 aufwiesen, hatten die Rufbusse auf dem platten Land sogar mehr als doppelt so viele Fahrgäste. Der übrige Linienverkehr habe auf 108 Prozent des Vor-Pandemie-Niveaus zugelegt.

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„Das sind wirklich alles ganz hervorragende Ergebnisse für den ländlichen Raum“, bilanzierte Lösel. Mit Rufbussen bindet die VLP abgelegene Ortschaften an - man muss die Fahrt lediglich zwei Stunden vorher anmelden. Das Modell gilt als bundesweit vorbildlich.

Wunsch nach Nachfolger für 9-Euro-Ticket

Und wie soll es nach dem Ende des 9-Euro-Tickets am Mittwoch (31. August) weitergehen? Lösel und Eisenberg plädieren für eine regional abgestufte Lösung. VLP-Chef Lösel: „Für das Land MV wünschten wir uns ein 365-Euro-Jahresticket - oder wenigstens für den Raum Westmecklenburg – und für das gesamte Bundesgebiet ein 69-Euro-Ticket pro Monat.“ Auch Eisenberg spricht sich für eine Differenzierung zwischen regionalem Verkehrsraum und dem gesamten Verkehrsraum in Deutschland aus, ohne Zahlen zu nennen. MV finanziert bereits für Azubis ein 365-Euro-Jahresticket für den gesamten Nahverkehr im Bundesland. Ab nächstem Jahr soll es auch für Senioren gelten.

Verkehrsminister Meyer meint, dass ein bundesweit gültiges Nahverkehrsticket als Nachfolgelösung gebraucht wird. Dies hänge allerdings stark von der Beteiligung des Bundes ab, betonte er. „Das ist eine Herausforderung.“ Der Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Marcel Drews, tendiert indes wie die beiden Nahverkehrschefs eher zu einer abgestuften Ticket-Lösung, um die Kosten besser zu decken und zugleich das Angebot im Nahbereich nicht zu teuer zu machen. „Ein lokales Ticket für 29 Euro im Monat, für das Land 39 Euro und bundesweit 69 Euro, das wäre schon eine Vereinfachung im Vergleich zum bisher Üblichen“, meinte er.

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Überfüllte Züge im Sommer in MV

Bei der Rügenschen Bäderbahn „Rasender Roland“ waren die Züge im Sommer voll bis übervoll, wie Thomas Schneider vom Betreiber Pressnitztalbahn GmbH berichtete. „Die Züge fuhren täglich in den drei Monaten im Tagesverlauf mit einer Auslastung von mindestens 90 bis 100 Prozent. An einer Vielzahl von Tagen gab es Auslastungen im Streckenabschnitt zwischen Binz und Sellin von bis zu 150 Prozent.“

Alle Züge seien mit der maximal möglichen Zuglänge von zehn Wagen gefahren worden. „Damit war auch die Obergrenze des verfügbaren Wagenmaterials erreicht.“ Größere Abnutzungserscheinungen könnten sich im Laufe der kommenden Jahre bemerkbar machen, so dass einzelne Fahrzeuge eine Revision eher als gedacht benötigen könnten. Schneiders Fazit: „Für die touristisch motivierten Verkehre ist eine Wiederholung oder Neuauflage eines solchen Tickets nicht vorstellbar.“ Die Kosten seien hier wesentlich höher als im normalen ÖPNV. „Deswegen gilt planmäßig ein wesentlich teurerer Haustarif, über den der Großteil der Erlöse generiert werden muss.“ Die Ausgleichszahlungen über den Rettungsschirm reichten dazu bei weiten nicht aus. Das Unternehmen bleibe auf zahlreichen Zusatzkosten für Personal, Reinigung und Wartung sitzen.

Von RND/ dpa

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