Unternehmertreffen

Baltic Sea Business Day statt Russlandtag: MV-Wirtschaft sucht neue Partner im Ostseeraum

Rostock: Manuela Schwesig (SPD, 3.v.l), die Ministerpräsidentin von MV, begrüßt zum Auftakt der Unternehmerkonferenz Baltic Sea Business Day Gäste aus den Teilnehmerländern. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern (IHK) organisiert

Rostock: Manuela Schwesig (SPD, 3.v.l), die Ministerpräsidentin von MV, begrüßt zum Auftakt der Unternehmerkonferenz Baltic Sea Business Day Gäste aus den Teilnehmerländern. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern (IHK) organisiert

Rostock. Mit dem erstmals stattfindenden Baltic Sea Business Days in Rostock will die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern ihren Unternehmen neue Geschäftsfelder im Ostseeraum erschließen. „Fünf Länder der Ostseeanrainer sind in den Top 10 unserer wichtigsten Außenhandelspartner. Viele Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern haben Verbindungen zu den Ostseeanrainerstaaten, vor allem in der Hafenwirtschaft und Logistik, in der Tourismus- und Gesundheitswirtschaft“, stellt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) denn auch in ihrer Eröffnungsrede am Donnerstag in der Rostocker Stadthalle fest.

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Rostock: Manuela Schwesig (SPD) spricht zum Auftakt der Unternehmerkonferenz Baltic Sea Business Day.

Rostock: Manuela Schwesig (SPD) spricht zum Auftakt der Unternehmerkonferenz Baltic Sea Business Day.

Nicht mehr hinzu zählt Schwesig dabei Russland, die in der Vergangenheit enge Kooperation mit dem Land sei nach dem Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine komplett eingestellt worden. Die Ostsee-Unternehmerkonferenz tritt damit an die Stelle des Russlandtags, den es von 2014 bis 2021 gab. Jetzt heißt es von Schwesig - auch in Richtung der anwesenden Botschafter aus Litauen, Norwegen, Schweden und Finnland -, die Regierung wolle die Sorgen der Ostsee-Anrainer ernst nehmen. Anders handeln also als zu der Zeit, als die Regierung in Land und Bund gemeinsam das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 durchdrückten, gegen den Widerstand vor allem von Polen, aber auch der Ukraine.

Ein Mann geht an den Staatsflaggen der Teilnehmerländer der Unternehmerkonferenz Baltic Sea Business Day vorbei.

Ein Mann geht an den Staatsflaggen der Teilnehmerländer der Unternehmerkonferenz Baltic Sea Business Day vorbei.

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Politikwissenschaftler: Sinnvolle Neuorientierung

Auch der Rostocker Politikwissenschaftler Wolfgang Muno sieht den Baltic Sea Business Day als Teil der „längst überfälligen Abkehr von der Abhängigkeit und übergroßen Russland-Nähe hin zu Osteuropa, Ostseeraum und Baltikum“. Den neuen Kurs der Landesregierung bezeichnete er als sinnvolle Neuorientierung in der Kooperation mit befreundeten EU-Staaten, hier existiere viel Potenzial.

Dazu passt auch der Besuch des Parlamentarischen Staatssekretärs für Vorpommern und das östliche Mecklenburg beim Baltic Economic Congress im polnischen Stettin. „Die Metropolregion in Stettin hat großes Potenzial für eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung sowohl in Mecklenburg-Vorpommern als auch auf polnischer Seite“, sagte Heiko Miraß (SPD) am Mittwoch bei seiner Rückkehr.

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Große Potenziale für Kooperation im Ostseeraum

Mit Leben füllen muss die Kooperation jedoch die Wirtschaft, die in Form der Industrie- und Handelskammern (IHK) als Veranstalter an der Konferenz beteiligt ist. Der Präsident der Landesarbeitsgemeinschaft der IHK im Land, Matthias Belke, sieht darin „große Potenziale, etwa die Forschung und Entwicklung voranzubringen durch intensive Kooperationen von Hochschulen und Universitäten.“ Vor allem im Bereich der Digitalisierung der Behörden seien die anderen Staaten Deutschland zudem einen großen Schritt voraus. Auf die rein nach Wirtschaftskraft kleineren Staaten herabsehen, sollte Deutschland also aus Sicht der Industrie nicht, sondern von ihnen lernen.

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Belke mahnte zudem zur Eile, vor allem beim Umbau der Energieversorgung, die für die Unternehmen bezahlbar bleiben müsse. Viele gute und richtige Projekte seien eigentlich schon vor vielen Jahren begonnen worden, jedoch „mit einer mittelmäßigen man könnte auch sagen gemütlichen Geschwindigkeit. Und die reicht jetzt absolut nicht aus“, machte der IHK-Präsident klar. Bei vielen Vorzeigeprojekten wie dem Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft dürfe die Energieeffizienz der Technologien und damit schlussendlich der Preis nicht aus den Augen verloren werden.

Gäste der Unternehmerkonferenz Baltic Sea Business Day treffen sich zur Auftaktsitzung in der Kongresshalle.

Gäste der Unternehmerkonferenz Baltic Sea Business Day treffen sich zur Auftaktsitzung in der Kongresshalle.

Treffen soll alle zwei Jahre stattfinden

Ob die Mission des Baltic Sea Business Day erfolgreich sein wird, muss sich noch zeigen. Ziel der Veranstalter ist es, die Veranstaltung zu verstetigen, sie soll von nun an alle zwei Jahre stattfinden.

Dass auch der politische Strategiewechsel im Nordosten keinesfalls ohne Fallstricke auskommt, zeigte sich am Donnerstag denn auch am Beispiel des von Schwesigs Vorgänger Erwin Sellering (SPD) ins Leben gerufenen Vereins Deutsch-Russische Partnerschaft. Am vergangenen Freitag ließ sich Sellering als Vereinschef ablösen, die finanzielle Unterstützung hatte die Landesregierung bereits entzogen.

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Rostock: Demonstranten fordern vor dem Tagungsort der Unternehmerkonferenz Baltic Sea Business Day das Ende der Sanktionen gegen Russland.

Rostock: Demonstranten fordern vor dem Tagungsort der Unternehmerkonferenz Baltic Sea Business Day das Ende der Sanktionen gegen Russland.

Kritik vom Verein Deutsch-Russische Partnerschaft

Doch der neue Vorsitzende, Lokalpolitiker Mario Bauch (SPD), steht dem neuen Bild, das Mecklenburg-Vorpommern vermitteln will, eher kritisch gegenüber: „Die nicht zu rechtfertigenden Russlandsanktionen haben besonders der Wirtschaft Ostdeutschlands schweren Schaden zugefügt“, heißt es auf seiner Webseite. Seine Partei distanzierte sich umgehend: Bauch spreche nur für sich, dies sei nicht die Position der SPD Mecklenburg-Vorpommern, sagte SPD-Fraktionschef Julian Barlen dem NDR. Er forderte zudem, dass Bauch den Vorsitz nach nicht einmal einer Woche wieder aufgeben solle.

Von Von Sebastian Schug

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