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Mobile Vorsorge

CDU will Stipendienprogramm für Medizinstudenten

Gesundheitsmobil des Landkreises Nordwestmecklenburg, Ilona Scheufler (Landkreis) und Karina Brauer (Awo) mit Patientin Gertrud Winter (67) in Pötenitz

Gesundheitsmobil des Landkreises Nordwestmecklenburg, Ilona Scheufler (Landkreis) und Karina Brauer (Awo) mit Patientin Gertrud Winter (67) in Pötenitz

Wismar/Pötenitz.Kalter Wind fegt über den Parkplatz in Pötenitz. Ilona Scheufler steckt den Kopf aus der Seitentür des Gesundheitsmobils und hilft Imgard Winter in den Wagen. Die 67-Jährige ist so etwas wie eine Stammkundin. Blutzucker und Blutdruck werden gemessen. Ihre Werte könnten besser sein. „Jetzt weiß ich wenigstens, dass ich aufpassen muss“, sagt die Rentnerin. Durch Zufall von dem Gesundheitsmobil gehört. Seitdem nutze sie es regelmäßig. Die Resonanz in Pötenitz an diesem Tag ist überschaubar. Das sei „zwar nicht schön. Aber wenn die Leute wüssten, wie gut das funktioniert, dann würden sie es auch nutzen“, sagt Ilona Scheufler. In anderem Dörfern stünden die Patienten teilweise an: „In Groß Krankow haben wir immer eine Schlange am Auto.“

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Gesundheitsmobil des Landkreises Nordwestmecklenburg, Ilona Scheufler (Landkreis) und Karina Brauer (Awo) mit Patientin Gertrud Winter (67) in Pötenitz

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Ilona Scheufler gehört zum Gesundheitsamt des Landkreises. Mit zwei weiteren Kollegen bildet sie das Team, das mehrmals pro Woche Dörfer und Städte des Kreises anfährt, außerdem Beratungen und Gesundheitstage durchführt. Doch damit könnte bald Schluss sein: Die Finanzierung steht auf der Kippe. Die CDU ist dagegen: Das Gesundheitsmobil könne den erreichbaren Arzt vor Ort nicht ersetzen. „Deshalb ist es viel notwendiger, dass wir dafür sorgen, dass Ärzte in unseren ländlichen Regionen zur Verfügung stehen und die Patienten hierhin kommen oder von den Ärzten aufgesucht werden“, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Grote. Es gehe darum, den Mut zu haben, etwas einzustellen, was inzwischen kaum noch nachgefragt werde. Deshalb werde in der nächsten Sitzung ein Antrag gestellt: Die Kreisverwaltung soll prüfen, ob die Umsetzung eines Stipendien-Programms für Medizin-Studenten möglich ist. „Wie auch in anderen Landkreisen möchten wir das Stipendienprogramm des Landes für Medizinstudierende ergänzen, um sie nach ihrem Studium und der Facharztausbildung für einen bestimmten Zeitraum als Arzt in ländlichen Räumen unseres Landkreises zu binden“, ergänzt das CDU-Kreistagsmitglied Anett Gruß. Wirkliche medizinische Hilfe würden die Patienten in den ländlichen Regionen nur von tatsächlich verfügbaren Hausärzten erhalten können, findet die gelernte Krankenschwester.

Imtraud Winter hat ein Heft mit zum Gesundheitsmobil gebracht. Darin werden ihre Messwerte eingetragen. Dann wird noch ein wenig geschwatzt. Weil gerade kein anderer Patient wartet, haben die Frauen aus dem Wagen Zeit dafür. Auch das sei wichtig auf den Dörfern Nordwestmecklenburgs, sagt die Rentnerin. Zum Arzt gehen, möge sie nicht so gern: „Hier im Auto geht das schnell, das klappt gut.“

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Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) kämpft für die Weiterfinanzierung der mobilen Vorsorge: „Die Bedeutung des Gesundheitsmobils ist nicht kleiner geworden, denn die Wege für viele ältere Menschen zum Hausarzt sind auch nicht kürzer geworden.“ 2011 sei das Fahrzeug auf Initiative der Hansestadt Wismar von der Christiansen-Stiftung finanziert worden und seitdem im Einsatz. „Es gibt den überwiegend älteren Menschen die Möglichkeit, sich über ihre Gesundheit auszutauschen und beraten zu lassen, ohne den oft schwierigen Weg zum Arzt auf sich zu nehmen. Es ist aber auch eine Einrichtung, um Menschen zu helfen, die oft schwer erreichbar sind, etwa Suchtkranke. Diese Einrichtung ist gerade heute wichtig, denn es zeigt, dass wir diese Menschen nicht vergessen.“

Für Grote mutet es „merkwürdig an, wenn ausschließlich Kreistagsmitglieder aus dem medizinisch gut versorgten Wismar erklären, dass das Gesundheitsmobil für die Versorgung des ländlichen Raumes notwendig sein soll“. Dabei ist das nur eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. „Keiner hat einen Beleg dafür, dass mit dem Gesundheitsmobil tatsächlich noch etwas wirksam zur medizinischen Versorgung der Bürger auf dem Lande beigetragen wird.“

Dass nun in der Politik eine Diskussion um die Finanzierung ihrer Arbeit gibt, hat Ilona Scheufler natürlich mitbekommen. Reden will sie darüber nicht. „Das ist Politik, da mische ich mich nicht ein“, sagt sie und lächelt dem nächsten Patienten entgegen.

Tourdaten des Gesundheitsmobils

Tourdaten des Infomobils: Am 14. November (und am 12. Dezember) steht das Fahrzeug in Grevesmühlen (11.45 bis 12.30 Uhr auf dem Marktplatz) und Dassow (13 bis 14 Uhr an der Familienbegegnungsstätte. Am 20. November ist das Gesundheitsmobil in Boltenhagen (10.30 bis 11.15 Uhr auf dem Markant-Parkplatz), Damshagen (12.30 bis 13.15 Uhr an der Kirche) und Klütz (11.30 bis 12.15 Uhr am Markt) im Einsatz. Am 19. November (und 10. Dezember) sind Kirchdorf (13.15 bis 14 Uhr am Mehrgenerationenhaus), Züsow (11 bis 11.45 Uhr an der Rettungswache) und Blowatz (12 bis 12.45 Uhr am Mehrgenerationenhaus) an der Reihe. Am 22. November (und am 6. Dezember) geht es dann nach Groß Krankow (10 bis 10.45 Uhr am Lädchen), Alte Meteln (11.15 bis 12 Uhr auf dem Parkplatz beim Arzt) und Brüsewitz (12.30 bis 13.15 Uhr bei den Einkaufsläden).

Kerstin Schröder und Michael Prochnow

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