Alle wollen Bio?

Debatte um Fleischkonsum: „Tierwohl kann es nicht geben, wenn man Tiere tötet und schlachtet“

Schweine im Stall eines Mastbetriebes: Die Deutschen essen gern und viel Fleisch.

Schweine im Stall eines Mastbetriebes: Die Deutschen essen gern und viel Fleisch.

Rostock. Rund 60 Kilogramm Fleisch essen die Deutschen durchschnittlich pro Jahr. Das ist eine Menge, schließlich empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), maximal 600 Gramm Fleisch pro Woche zu verzehren. Folgt man jener Empfehlung, wären das aufs ganze Jahr gerechnet höchstens 31 Kilogramm.

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Viele dieser Fleisch-Fans, das ergab jüngst eine Umfrage, legen dabei viel Wert auf Qualität. Heißt also: Eine Mehrheit der Befragten würde höhere Fleischpreise für mehr Tierwohl bezahlen. Wie sehen das Leser?

Thomas Glawe bestätigt das Erhobene: "Ich denke auch, dass die meisten bereit wären, mehr Geld für mehr Tierwohl auszugeben." Trotzdem hat Glawe Zweifel: "Aber sind wir mal ehrlich, egal welches Gütesiegel da drauf ist, kann es jemand garantieren?"

Rene Krüger sieht es so: "Auf mich trifft das wohl zu. Ich kaufe eigentlich nur noch Bioprodukte. Aber dass dies auf die Mehrheit zutrifft, kann ich irgendwie nicht glauben."

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Jens Brandes schmunzelt: "Umfrage. Das ist doch alles schon etliche Male durch. Was der Verbraucher sagt und hinterher macht, weicht meist gepflegt voneinander ab. Irgendwie lernt keiner mehr aus schon bereits Erlebtem. Manchmal etwas gruselig."

Jörg Hünemörder ergänzt in dieser Richtung: "Das Ergebnis solcher Umfragen bestätigt sich leider nicht an der Ladenkasse."

„Wer Tierwohl will, greift einfach zu den pflanzlichen Produkten“

Nico Kallinautzki daraufhin verdutzt: "Mehrheit? Ich kenne niemanden, der mehr zahlen will, dafür kenne ich haufenweise Leute, mich eingeschlossen, die sich gar kein Fleisch mehr leisten wollen."

Nicht der Preis, sondern das Wohl der Tiere steht für Gisela Kretzschmar im Vordergrund: "Tierwohl kann es nicht geben, wenn man Tiere tötet und schlachtet. Tierwohl gibt es erst dann, wenn Tiere nicht leiden müssen, nicht gequält und nicht ausgebeutet werden."

So sagt es auch Petra Kreutz: "Wer Tierwohl will, greift einfach zu den pflanzlichen Produkten. Bei Fleisch sind die Tiere bekanntlich tot."

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„Das gute Fleisch müsste für den Verbraucher günstiger sein“

Zurück zum Geld. Hierzu äußert sich ausführlich Markus Habermann, der die Rechnung umdreht: "Das höherwertige Fleisch müsste eigentlich für den Verbraucher günstiger sein, damit das auch gekauft wird. Denn je teurer das ist, desto mehr wird immer noch das Fleisch aus Massenhaltung bei weniger Tierwohl konsumiert. Nicht jeder kann sich das teure Fleisch leisten. Problem ist, dass die kleinen Landwirte weniger unterstützt, aber immer mehr ausgebeutet werden. Selbst bei höheren Preisen kommt nicht mehr bei denen an. Während die Großen immer mehr Geld bekommen."

Ralf Hausmaninger sagt: "Da sich im Handel seit Jahrzehnten schon die Meinung durchgesetzt hat, es sei nicht Aufgabe des Kunden, zu wissen, was er will, sehe ich schwarz für sämtliche Vorhaben dieser Art. Es gibt genügend Leute in der Mittelschicht, die auf der Suche nach qualitativ hochwertigem Fleisch sind und nicht auf Hauptsache billig aus sind. Allein, es fehlt das Angebot, auch beim Metzger oder gar bei Bioprodukten."

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Michael Wendt schaut noch tiefer rein: "Das perfide System funktioniert ohne Ausbeutung und Raubbau nicht. Gebt dem Erzeuger erst einmal das, was er benötigt, um auskömmlich und ethisch sauber zu züchten. Nicht jeder ist in der glücklichen Lage, direkt beim Erzeuger den Einkauf zu tätigen." Wendt meint: In diesem System säßen die Mächtigen und ihre Lobbyisten am Ruder, denen außer dem eigenen Geldbeutel alles andere egal sei.

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Susanne Deibele ist überzeugt: "Wenn Tierwohl ernst genommen wird, muss vorrangiges Ziel sein, dass es Haltungsbedingungen, wie Betonboden, 0,75 Quadratmeter Platz, Ammoniak statt Frischluft, nicht mehr gibt und dass die Zahl der Tötungen und damit Tierbestände erheblich reduziert werden – im Interesse der Tiere und auch aus Verantwortung bezüglich Klimakatastrophe, Welthunger, Artensterben, Ressourcenverschwendung, Umweltverschmutzung, Antibiotikaresistenzen und so weiter."

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