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Rostock

Dorffriedhöfe geraten zunehmend in Finanznot

Dorffriedhof in Vorpommern.

Dorffriedhof in Vorpommern.

Rostock. Zu wenig Bestattungen, zu hohe Kosten: Viele kirchliche Friedhöfe landesweit sind in Nöten. Von den 620 Friedhöfen im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg, die sich hauptsächlich über Gebühren tragen, ist fast die Hälfte verschuldet oder nur „mit einer dünnen Finanzdecke“ ausgestattet, wie der Friedhofsbeauftragte Reinhard Wienecke erläutert. 145 Friedhöfe in Mecklenburg waren 2016 defizitär, weitere 126 hatten ein geringes Plus bis unter 2000 Euro für die Bewirtschaftung. Das Gesamtdefizit der mecklenburgischen Gottesäcker liege derzeit bei etwa einer Million Euro.

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Die Situation der 330 Friedhöfe im Pommerschen Kirchenkreis ist ähnlich.

Ehrenamtliche entlasten von Personalkosten

Nur mit dem Einsatz von Ehrenamtlichen kann der Betrieb vielerorts noch aufrechterhalten werden. Für feste Personalkosten fehle das Geld. „Die Kirchgemeinden als Träger können nicht mehr allein für den Erhalt der Friedhöfe als wichtige Kultur- und Gedenkorte aufkommen“, sagt der leitende Geistliche im Kirchenkreis Mecklenburg, Propst Wulf Schünemann: „Wir wollen und müssen die Kommunen mit in die Verantwortung nehmen.“

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Friedhöfe bewahren oft ein wertvolles Erbe der Städte und Dörfer. "Ein Friedhofssterben wäre ein Kulturverlust für alle", betont Schünemann. Und dennoch werden nicht alle Dorffriedhöfe überleben.
Erst kürzlich wurde ein solcher in Drüsewitz im Landkreis Rostock aufgegeben und entwidmet.

Trend zur Urnen-Bestattung

Die klammen Friedhofskassen seien mit rückläufigen Begräbniszahlen und veränderten Bestattungsformen zu erklären. Verstorbene würden oftmals nicht mehr wohnortnah, sondern in der Nähe der Hinterbliebenen bestattet, erläutern die Verantwortlichen der Kirchenkreise. Die meisten Menschen wollen zudem platzsparend unter die Erde gebracht werden. Zu 74 Prozent werden im ländlichen Raum Tote in der Urne beigesetzt, in den Städten ist der Anteil noch höher.

Friedwald, Sammelgrabanlagen, Seebestattungen werden anstelle von Beerdigungen im Sarg gewünscht. „Die Kirche muss die Bedürfnisse der Menschen ernst nehmen und, wo möglich, darauf eingehen“, sagt Propst Schünemann. Rasengräber und Urnengrabanlagen würden inzwischen auf fast allen Friedhöfen angeboten. „Auf dem Friedhof in Kühlungsborn mit großem Baumbestand sind seit einigen Jahren auch Baumbestattungen möglich“, nennt Beauftragter Wienecke ein anderes Beispiel.

Im Kirchenkreis Mecklenburg werden insgesamt 370 Hektar Friedhofsfläche bewirtschaftet, doch immer mehr Bereiche bleiben ungenutzt. In den letzten zwei Jahren wurden etwa 20 Teilflächen geschlossen.

Für die Pflege dieser Bereiche und notwendige weitere Flächenreduzierungen können defizitäre Friedhöfe jetzt aus einem Förderfonds des Kirchenkreises Unterstützung beantragen.

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Doris Deutsch

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