Energiewende

Norddeutsche Länder wollen niedrigere Strompreise als im Süden

Im Norden gibt es viele Windräder, aber trotzdem sind die Strompreise hoch (Symbolbild).

Im Norden gibt es viele Windräder, aber trotzdem sind die Strompreise hoch (Symbolbild).

Hannover/Schwerin/Kiel. Die norddeutschen Flächenländer fordern angesichts der steigenden Energiepreise eine Aufteilung Deutschlands in unterschiedliche Preiszonen für Strom. Im Visier haben sie den Süden, der bei der aktuellen Berechnung günstiger davonkommt. Der Norden trage die Hauptlast der Energiewende, argumentieren Politiker aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, während sich insbesondere Bayern dem Umstieg auf erneuerbare Energien seit Jahren verweigere.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Wenn ich da lebe oder produziere, wo auch die Energie produziert oder angelandet wird, muss diese Energie dort auch günstiger sein“, sagte Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies (SPD) der „Welt am Sonntag“. Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) ergänzte: Bayern habe mehr als 15 Jahre lang den Ausbau von Stromnetzen und Windkraft sabotiert. Es sei „den Menschen im Norden schlicht nicht mehr zu vermitteln, warum sie die Zeche dafür zahlen müssen“

Entrüstung in Bayern

Die bayerische Staatsregierung reagierte entrüstet und stellte eine Gegenrechnung mit dem Länderfinanzausgleich an. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezifferte die aktuellen Zahlungen Bayerns auf mehr als 9 Milliarden Euro, die Gesamtsumme in den vergangenen Jahrzehnten auf bislang über 100 Milliarden. Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) kritisierte die norddeutschen Forderungen als „schlicht unverschämt“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

In Norddeutschland ist die Windstromproduktion in den vergangenen Jahren stark ausgebaut worden. Doch größer ist die Stromnachfrage im Süden mit seinen energieintensiven Industrieunternehmen. Um die Stromleitungen nicht zu überlasten, sind teure Maßnahmen zur Sicherung und Stabilisierung des Netzes notwendig. Zeitweise müssen teure Kraftwerke im Süden laufen, weil billiger Windstrom aus dem Norden mangels Kapazität nicht in den Süden transportiert werden kann.

Es könnte teuer werden für die Industrie im Süden

„Die Höhe der Stromnetzentgelte belastet die Letztverbraucher und benachteiligt den norddeutschen Wirtschaftsstandort“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Energieminister Reinhard Meyer (SPD) der „Welt am Sonntag“. Das Entgelt ist regional höchst unterschiedlich. Dem Vergleichsportal Verivox zufolge haben Verbraucher in Niedersachsen im Oktober 2021 bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden ein Netzentgelt von durchschnittlich 292 Euro netto gezahlt. In Mecklenburg-Vorpommern waren es 355 Euro, in Schleswig-Holstein 410 Euro – in Bayern zahlten die Verbraucher 274 Euro.

Insbesondere für die süddeutsche Industrie könnte eine Neuberechnung also teuer werden. Gleich vier Regierungsmitglieder legten empörten Protest ein: Außer Söder und Staatskanzleichef Herrmann auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Finanzminister Albert Füracker (CSU), der die Abschaffung des Finanzausgleichs ins Gespräch brachte: „Wenn das der Dank dafür sein soll, dass Bayern seit Jahren über den Finanzkraftausgleich andere Länder mit zig Milliarden mitfinanziert, dann ist es nur richtig, dass immer dringlicher hinterfragt werden muss, ob dieses ungerechte System so noch Bestand haben darf.“

Die Retourkutsche: Der Finanzausgleich

Das eine hänge mit dem anderen nicht zusammen, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) dem NDR. „Da wird eher ein Schuh draus, wenn man darauf hinweist. dass der in Niedersachsen und anderen Nordländern produzierte Strom am Ende vor allem in Süddeutschland ankommt.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hält wenig von unterschiedlichen Strompreiszonen: „Ein solcher Vorschlag spaltet und schadet unter anderem auch Volkswagen“, sagte er der HAZ. „Denn wenn die Zulieferer aus Süddeutschland nicht mehr liefern können, weil bei ihnen die Energiepreise noch stärker steigen als bei uns, stehen bei VW die Bänder still.“ Er forderte stattdessen einen Strom- und Gaspreisdeckel, um Bürger und Betriebe zügig zu entlasten.

Von Britta Lüers Carsten Hoefer

Mehr aus Mecklenburg-Vorpommern

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken