WSA reagiert auf Unfälle

Erste Konsequenzen nach Kollisionen: WSA verschärft Meldepflicht

Die Ermittlungen zu Unfallursache und Schuldfrage dauern derzeit noch an.

Die Ermittlungen zu Unfallursache und Schuldfrage dauern derzeit noch an.

Stralsund/Sassnitz. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat eine schifffahrtspolizeiliche Anordnung erlassen und damit auch auf die beiden Schiffsunfälle des noch jungen Jahres reagiert: Ab sofort müssen sich Schiffe, die länger als 20 Meter sind, bei der Verkehrsleitzentrale anmelden. Die Verfügung trat am 26. Februar Dienstag in Kraft. Bisher galt die Meldepflicht lediglich für größere Schiffe ab 50 Meter Länge.

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Mit dem neuen Erlass sind nun auch die schnellen Versorgungsschiffe der Offshore-Windparks dazu gezwungen, sich anzumelden. „Der Verkehr solcher Fahrzeuge hat im Zusammenhang mit der Offshore-Versorgung zugenommen“, sagt Dirk Berger, Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Stralsund. Mit der Anordnung, die als eine Anpassung an die veränderte Verkehrsstruktur gesehen werden kann, solle die Aufmerksamkeit der Schiffsführer und die Kommunikation mit der Verkehrsleitzentrale gestärkt werden.

Schiffsunglück mit 15 Verletzten vor Rügen (Video: Stefan Sauer/Uwe Driest, 19.2.2019)

Beim Zusammenstoß zweier Schiffe östlich der Insel Rügen sind am Dienstagmorgen 15 Menschen verletzt worden.

Steuern die Schiffe einen bestimmten Punkt an, melden sie sich über Funk an und geben ihre Position durch. „Bei Bedarf kann die Zentrale, bei der alle Informationen zusammenlaufen, dann unterstützen“, sagt Dirk Berger. Grundsätzlich seien die Schiffsführer selbst für die Sicherheit verantwortlich. In Anbetracht der Zunahme des Verkehrs könne die Maßnahme aber nicht schaden, so Berger. Der Meldebereich beginnt von Norden kommend an der Tonne Sassnitz (fünf Seemeilen vom Stadthafen entfernt) und im südlichen Bereich an der Tonne Swin-N (sieben Seemeilen östlich von Göhren). Bei Auslaufen aus den Häfen müssen sich die Schiffe anmelden, noch bevor sie die Leinen lösen.

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Polizei begrüßt den neuen Erlass

Auch Polizei und Lotsenbrüderschaft begrüßen den neuen Erlass. „Grundsätzlich und temporär ist das eine gute Idee“, sagt Björn Nürnberg, Pressesprecher der Landeswasserschutzpolizei. Man müsse nur gucken, wie sich das jetzt entwickelt. „Denn es ist natürlich ein erheblicher Mehraufwand für die Verkehrsleitzentrale.“ Auch bisher werden die Positionen der Schiffe bekanntgegeben, allerdings nur auf dem Computer. „Durch die Meldepflicht sind die Verantwortlichen dann noch einmal extra sensibilisiert“, sagt Björn Nürnberg.

Lotsenbrüderschaft hält Maßnahme für ausreichend

In dem neuen Erlass wurde nicht nur die Länge der Schiffe geändert, sondern auch der Meldebereich erweitert. Von nun an müssen sich auch solche Schiffe melden, die lediglich in das Revier eindringen und gar nicht Kurs auf einen Hafen nehmen. „Meines Erachtens ist diese Maßnahme völlig ausreichend“, sagt Ältermann der Lotsenbrüderschaft Andreas Krüger. „Alles andere wäre völlig überzogen.“ Damit spielt der Kapitän auf die Diskussion um eine Forderung nach einer Lotsenpflicht an, die die Grünen jüngst gefordert hatten. „Die ist beispielsweise bei Häfen mit komplizierten Zufahrten sinnvoll.“

Hintergrund der Verfügung sind neben dem erhöhten Verkehrsaufkommen auch zwei ähnliche Unfälle innerhalb kürzester Zeit. Am frühen Morgen des 24. Januar waren acht Seemeilen östlich von Sassnitz zwei Frachter zusammengestoßen. Eines der Schiffe, der norwegische Frachter "Norvind", schlug leck. Den Wassereinbruch konnte die zehnköpfige Besatzung des 110 Meter langen Schiffes selbst unter Kontrolle bringen. An Bord des zweiten Frachters, der 134 Meter langen "Beate", waren 13 Mann. Verletzt wurde niemand, an den Schiffen entstand hoher Sachschaden. Ursache war ein Vorfahrtfehler der "Norvind", der Kapitän der "Beate" hätte ein Ausweichmanöver einleiten müssen.

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Beim jüngsten Unfall wurden alle Besatzungsmitglieder verletzt

Das jüngste Unglück ereignete sich nur drei Wochen später knapp drei Seemeilen östlich von Stubbenkammer. Der dänische Windparkversorger "World Bora" hatte den Frachter "Raba" aus Zypern (81 Meter lang) am 19. Februar seitlich gerammt. Darauf lassen zumindest schwere Schäden am Bug des 31 Meter langen Schiffes schließen. Alle 15 Besatzungsmitglieder wurden verletzt, vier davon schwer. Die Ermittlungen zur Schuldfrage laufen noch. Gegen die Kapitäne wird ermittelt. Sie sind gegen Zahlung einer Sicherheitsleistung von 10.000 Euro auf freiem Fuß. Bis ein komplettes Bild erstellt ist, könne es gut ein Jahr dauern, sagt Björn Nürnberg. Bei dem Fall zwischen dem Dampfeisbrecher und der Fähre "Finnsky" während der Hanse Sail 2017 konnten die Ermittlungen erst nach eineinhalb Jahren abgeschlossen werden.

Dana Frohbös

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