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Befristete Arbeit

Fast 95 000 Beschäftigte in MV haben einen befristeten Job

Befristete Arbeitsverträge sind in vielen Branchen üblich, werden von Gewerkschaften aber scharf kritisiert.

Befristete Arbeitsverträge sind in vielen Branchen üblich, werden von Gewerkschaften aber scharf kritisiert.

Rostock. Zehntausende Menschen arbeiten in Mecklenburg-Vorpommern in Jobs auf Zeit. Gewerkschaften kritisieren diese Praxis massiv: „Es kann nicht sein, dass Unternehmer trotz der guten Lage am Arbeitsmarkt weiterhin so stark auf Befristungen setzen“, fordert Gewerkschafter Jörg Reppin von der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). Reppin forderte die Bundesregierung auf, „mit ihrem Versprechen Ernst zu machen und Zeitverträge per Gesetz einzudämmen“.

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Nach den aktuellsten Zahlen aus dem Statistischen Landesamt MV gehen 94 300 Menschen im Nordosten einer befristeten Arbeit nach (inklusive Azubis, Stand 2017). Das bedeutet einen Anteil von 13,7 Prozent von allen abhängig Erwerbstätigen – und eine Steigerung: Im Vorjahr waren es 92 800 befristete Arbeitsverträge und 2015 laut Mikrozensus 88 500.

Straßenumfrage Rostock: Was halten Sie von befristeten Jobs?

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Gewerkschaft: Job-Starter brauchen keine Zitterverträge

Von einer „Unternehmer-Unsitte“ spricht daher Jörg Dahms von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG): „Wer als Job-Starter eine Familie gründen oder einen Kredit für die eigene Wohnung oder fürs Auto bekommen will, der braucht einen sicheren Arbeitsplatz und keinen Zittervertrag“, betont Dahms.

Reppin nennt als Beispiel die Hansestadt Rostock, wo den Angaben zufolge 17 500 Beschäftigte in Jobs auf Zeit arbeiten, was einem Anteil von 18,5 Prozent entspreche. Dabei gebe es anders als bei einer Schwangerschaftsvertretung oder einer Probezeit „häufig keine zwingenden Gründe für eine Befristung“.

Kommentar zum Thema: Arbeitgeber schaden sich selbst

Befristung sollte Ausnahme sein

Unternehmer, die nach der Ausbildung nur Verträge auf Zeit anbieten, müssten sich nicht wundern, wenn „sich Schulabgänger woanders umsehen“, sagt Dahms. Befristungen sollten daher eine Ausnahme sein. Besonders verbreitet seien Befristungen etwa in der Nahrungs- und Genussmittelbranche. Auch in der Gebäudereinigung gebe es viele Jobs auf Zeit, ergänzt Reppin. In der Branche würden vor allem Frauen unter „wackeligen Arbeitsverhältnissen“ leiden.

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Die Angaben der Gewerkschaften will der Geschäftsführer der Landesinnung der Gebäudereiniger Nordost, Wolfgang Molitor, so nicht stehen lassen. Er verweist auf eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linkspartei, wonach der Anteil der befristeten Arbeitsverträge in den Reinigungsberufen im Jahr 2017 in MV 10,8 Prozent betrug.

Arbeitgeber: Befristung sichert auch Arbeitsplätze

Darüber hinaus verweist Molitor auf „zwei Vorteile“. Betriebe könnten „flexibel auf eine sich schnell verändernde Marktlage reagieren, was erheblich zur Sicherung von Arbeitsplätzen beiträgt“. Außerdem werde „Menschen eine Möglichkeit auf Erwerbstätigkeit ermöglicht, die sonst aufgrund von Vermittlungshemmnissen nur sehr schwer in Beschäftigung gekommen wären“. Molitor: „Ein Großteil der befristeten Arbeitsverhältnisse münden nämlich in unbefristete.“

Auch die Vereinigung der Unternehmensverbände im Nordosten (VUMV) weist die Vorwürfe der Gewerkschaften vehement zurück. Die „ungerechtfertigte und allgemein formulierte Kritik“ laufe ins Leere, sagt VUMV-Geschäftsführer Sven Müller: Nicht die Wirtschaft sei an den Pranger zu stellen. Sondern die meisten befristeten Anstellungsverträge würden „im öffentlichen Dienst abgeschlossen“, betont Müller. In der Wirtschaft sei die absolute Zahl der befristeten Verträge seit Jahren rückläufig.

Forscher warnen vor Beschränkungen per Gesetz

Unterdessen warnen Forscher vor den Plänen der Bundesregierung, befristete Arbeitsverträge per Gesetz zu beschränken: Laut einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) würde dies die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen verringern. Nach Angaben der Forscher seien befristete Arbeitsverhältnisse für Unternehmen wie eine Versicherung. Beschränkungen könnten die Einstellungsbereitschaft senken. Laut Koalitionsvertrag sollen Arbeitgeber mit mehr als 75 Beschäftigten nur noch maximal 2,5 Prozent der Belegschaft sachgrundlos befristen dürfen.

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Axel Meyer

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