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Wismar

Freimaurer verbinden Tradition und Moderne

Das Logenhaus der 1819 in Wismar gegründeten Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ in der Lübschen Straße 50. Nach 70 Jahren Pause ist es seit 2005 wieder Sitz der Loge.

Das Logenhaus der 1819 in Wismar gegründeten Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ in der Lübschen Straße 50. Nach 70 Jahren Pause ist es seit 2005 wieder Sitz der Loge.

Wismar. Die Freimaurerei umgibt oft etwas Geheimnisvolles. Das kann Wolfgang Griese so gar nicht nachvollziehen. „Freimaurerei ist kein Geheimbund, keine Sekte, ist weder Religion noch Religionsersatz“, stellt das Mitglied der Wismarer Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ klar. Sie kenne keine Dogmen, lehre keine Weltanschauung und verfolge auch keine wirtschaftlichen oder parteipolitischen Ziele, zählt er auf. Vielmehr würden sich die Freimaurer auf der ganzen Welt als Gemeinschaft verstehen, „die die Traditionen der mittelalterlichen Bauhütten bewahrt und weiterentwickelt“.

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Freiheit, Toleranz, Humanität

Die heutige Freimaurerei sei zudem dem Humanismus und der Aufklärung verpflichtet. Ihre fünf Säulen seien Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. „Heute muss sich die Freimaurerei auf Überzeugungskraft und Deutlichkeit, auf Wirksamkeit in der Praxis und Wahrnehmbarkeit in der Gesellschaft konzentrieren“, sagt Wolfgang Griese (69), der in Nordwestmecklenburg auch Vorsitzender des Behindertenbeirats ist. Mit Nachdruck stellt er fest, dass Freimaurerei nichts mit irgendwelchem Sektierertum zu tun habe. „Humanistische Freimaurerei ist eine Wertegemeinschaft, keine Glaubensgemeinschaft und auch kein esoterischer Club“, erklärt das Logenmitglied. Davon könne sich jeder gern bei den öffentlichen Gästeabenden überzeugen, die monatlich stattfinden.

Seit 199 Jahren in Wismar

Die Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ hat eine bewegte Geschichte mit einer langen Unterbrechung. „Am 4. März 1819 wird in der Mecklenburger Straße 6 die Wismarer Freimaurerloge “Zur Vaterlandsliebe„ gegründet und Landrat Adam Otto von Vieregg zum Vorsitzenden und Meister vom Stuhl der neuen Loge gewählt“, schreibt Stadtchronist Detlef Schmidt 2014 in einem seiner „Kalenderblätter“. Der Logenname habe an die Treue der Bürger während der 155-jährigen Schwedenzeit und an die patriotische Haltung der Wismarer erinnern sollen, so Schmidt.In den Stadtakten und der Namensliste der Eigentümer und Nutzer taucht die Freimaurerloge 1876 erstmals in Verbindung mit dem Haus in der Lübschen Straße 50 auf. „Wir können also festhalten, dass seit diesem Zeitpunkt die “Vaterlandsliebe„ die Geschicke des Hauses wesentlich mitbestimmte“, heißt es auf der Homepage der Freimaurerloge. Nach den Unterlagen von Detlef Schmidt kaufte die Loge das Haus 1898 und baute es für ihre Zwecke um. „Bis 1930 hatte die Loge 157 Mitglieder, die allesamt maßgeblich im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben Wismars eine entscheidende Rolle spielten“, schreibt der Stadtchronist.

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Gravierender Einschnitt

Die Machergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 bekamen die Logenbrüder durch persönliche Anfeindungen massiv zu spüren. Dennoch hielten die Mitglieder die Vereinsarbeit aufrecht. Am 4. Februar 1934 kam die Reichsverordnung zur Schließung der deutschen Logen. „In der Mitgliederversammlung vom 16. Februar beschlossen die Wismarer Mitglieder die Scheinauflösung“, schreibt Detlef Schmidt. Das Logenhaus wurde enteignet und es zog ein nach nationalsozialistischem Vorbild gestaltetes Heimatmuseum in das Haus, mit dessen Bau im 15. Jahrhundert begonnen worden war. Das Museum bestand laut der Unterlagen des Stadtchronisten aber nur wenige Jahre.

Kraftakt Sanierung

Die Pause für die Freimaurer dauerte fast 70 Jahre. Denn auch die Politik in der DDR-Zeit hielt nicht viel von der Gesinnung der Logenbrüder. 2003 standen die Freimaurer in Wismar vor dem Neuanfang. Das Haus, in dem nach dem Museum die FDJ-Kreisleitung und später das Arbeitsamt eingezogen war, war verfallen. Die Sanierung war ein Kraftakt, 2005 weihte die Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ ihr altes Gebäude mit der Wiedereinbringung des Lichts feierlich ein. Mittlerweile hat die Loge etwa 40 Mitglieder und veranstaltet regelmäßig Vorträge für die Allgemeinheit. Den nächsten gibt es am Mittwoch, 31. Januar. Ab 19 Uhr wird Egon Milbrod aus Lübeck über „Russland heute“ referieren.

Verschwiegenheit war ein Gebot

Die Freimaurer verstehen sich laut Internet-Lexikon als ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Sie sollen im Alltag gelebt werden. Nach ihrem Selbstverständnis vereint die Freimaurerei Menschen aller sozialen Schichten, Bildungsgrade und Glaubensvorstellungen.Die Freimaurer organisieren sich in Logen. Die Konstitution der ersten Großloge wurde am 28. Februar 1723 im britischen Postboy, einer Zeitung, öffentlich beworben. Sie ist Grundlage der heutigen Freimaurerei. Die Freimaurer haben sich der Verschwiegenheit und speziell dem Grundsatz verpflichtet, freimaurerische Bräuche und Logenangelegenheiten nicht nach außen zu tragen. Das soll intern den freien Austausch von Ideen Meinungen ermöglichen. Gerade die Verschwiegenheit wurde zum Nährboden für Gerüchte.

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Berühmte Freimaurer

Die Freimaurerei fand im 18. Jahrhundert weltweit Anhänger. Besonders groß ist die Anhängerschaft in Amerika. Vielleicht, weil George Washington (1732-1799), erster Präsident der Vereinigten Staaten, Freimaurer war. Auch der 32. US-Präsident, Franklin D. Roosevelt (1882-1945) gehörte einer Freimaurerloge an, ebenso wie der Erfinder von „Tom Sawyer“ und „Huckleberry Finn“, Mark Twain (1835-1910). Der Rhett Butler aus „Vom Winde verweht“, Clark Gable (1901-1960), und Jazztrompeter Louis „Satchmo“ Armstrong (1900-1971) waren ebenfalls Mitglieder in Freimaurerlogen. Mit der Oper „Die Zauberflöte“ setzte Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) seiner Logenbruderschaft ein musikalisches Denkmal, Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) der seinen mit mehreren Gedichten. Selbst Preußenkönig Friedrich der Große (1712-1786) gehörte einer Loge an und war „Meister des Stuhls“. Auch der Erfinder von Sherlock Holmes, Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930) und der britische Staatsmann Winston Churchill (1847-1974) zählten zu den Freimaurern, wie auch der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890-1935) und der deutsch-österreichische Schauspieler und Gründer der Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“, Karlheinz Böhm (1928-2014).

Sylvia Kartheuser

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