Kommunalwahl in MV

„Generation Y“ will in der Politik mitmischen

Hannes (27) und Camille Damm (22) wollen, dass sich in der Gesellschaft etwas ändert. Daher traten sie bei den Grünen ein und kandidierten für Bürgerschaft und Kreistag in Greifswald.

Hannes (27) und Camille Damm (22) wollen, dass sich in der Gesellschaft etwas ändert. Daher traten sie bei den Grünen ein und kandidierten für Bürgerschaft und Kreistag in Greifswald.

Greifswald/Rostock. Hannes Damm (27) streichelt seiner Frau Camille (22) über den Baby-Bauch. Am Dienstag soll ihr erstes Kind zur Welt kommen. Womöglich in einem veränderten Europa, geprägt von mehr Konfrontation und Nationalismus. Das Paar will etwas dagegen tun. Beide kandidierten für Greifswalder Bürgerschaft und Kreistag. Kommunalpolitik wird die junge Familie in Zukunft beanspruchen. Offenbar ein Trend: Mehr junge Menschen zieht es in die Politik. Bundesweite Wahlanalysen zeigen: Junge Wähler greifen mehr ein und verändern damit Parteien-Gefüge. Die „Generation Y“, kurz vor der Jahrtausendwende Geborene, hat die Gesellschaft im Blick. Partyzeit war für ihre Vorgänger.

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Physiker: „In der Kommunalpolitik kann man etwas bewegen“

„In der Kommunalpolitik kann man etwas bewegen“, sagt Hannes Damm. Klar, die großen Weichen würden in Berlin oder Brüssel gestellt. Aber in Greifswald gehe es um die Dinge, die Menschen direkt angehen. Verkehr, Schulbau, Kita-Plätze. Auch das Klima. Die Sorge darum habe ihn 2016 bewogen, der grünen Partei beizutreten. Es sei Zeit gewesen, den Standpunkt zu ändern: vom Zuschauer zum Handelnden. In Greifswald wolle er sich für bessere Radwege, ÖPNV und Kulturförderung einsetzen. „Ich finde es traurig, dass Politik zu wenig auf die Wissenschaft hört“, sagt Damm, ein Physiker. Klimaschutz und Nachhaltigkeit seien die wichtigsten Themen der Gegenwart.

Studentin: mehr Kita-Plätze, Chancengleichheit bei Bildung

Jura-Studentin Camille Damm, seit 2014 bei den Grünen, denkt an mehr Kita-Plätze, bessere Sozialpolitik, gleiche Chancen bei Bildung. „Die Region stärken, aber global denken“, sagt sie. Nach der Geburt des Kindes sei die Rollenverteilung daher klar: Sie werde sich vorrangig Studium und Kommunalpolitik widmen. „Und ich gehe in die Elternzeit“, erklärt Hannes Damm.

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Zulauf bei Parteien

Politik ist wieder in. Einige Parteien konnten sich zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern über mehr Mitglieder freuen. Bündnis 90/Grüne (800), die SPD (3100) und die AfD (810) meldeten im zurückliegenden Jahr deutlichen Zuwachs – Stand im Frühjahr. Die CDU (5100) und die Linke (3500) dagegen ließen Federn, die FDP verharrt seit Jahren bei rund 700 Mitgliedern.

Allerdings ist die Sogwirkung von Parteien in MV seit Jahrzehnten im Vergleich zu anderen Bundesländern vergleichsweise gering. Die Linke verlor seit 1990 übrigens am meisten Mitglieder – es waren mal rund 24 000, im Jahre 1998 noch 10 600.

Europa bedeute vor allem Freiheit

Helena Scheffler (26) will sich in Greifswald für bessere Radwege einsetzen

Helena Scheffler (26) will sich in Greifswald für bessere Radwege einsetzen.

Etwas verändern will auch Helena Scheffler (26). 2013 sei sie in die SPD eingetreten – „weil ich keine Große Koalition mit der CDU wollte“. Jetzt sei es an der Zeit, selbst einzugreifen, sagt die Greifswalderin. Sie kommt gerade aus dem Wahllokal, wo sich eine lange Schlange bildet. Die Wahlbeteiligung ist MV-weit gestiegen. „Ich bin stolz auf die Leute, dass sie so lange anstehen, um wählen zu gehen“, sagt Scheffler. Es bewege sich etwas im Bewusstsein vieler Menschen. Wie bei ihr. Um Ziele durchsetzen zu können, müsse man sich aufstellen und wählen lassen. Auch Scheffler wünscht sich bessere Radwege in der Stadt. „Einen lückenlosen bis nach Lubmin“, sagt sie und lacht. Auch die Europawahl sei wichtig, Mindestlöhne in jedem Land. Und: die freie Entscheidung, zu reisen und eine Ausbildung zu machen, wohin und wo man will.

CDU-Paar lernte sich im Beisein von Merkel kennen

Mehr Sicherheit in Rostock

Mehr Sicherheit in Rostock: Franziska Richert (31) und Karl Räuber (34) lernten sich über die CDU kennen.

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Die Politik brachte Franziska Richert (31) und Karl Räuber (34), eine Wirtschaftsjuristin und einen Angestellten, beide aus Rostock, zusammen. „Wir haben uns im vergangenen Jahr beim Politischen Aschermittwoch der CDU in Demmin kennengelernt“, sagt sie. Vorn redete Angela Merkel, im Publikum funkte es. Jetzt sind beide verlobt. Auch Räuber hatte einen Schlüsselmoment, der ihn zum Eintritt in die CDU bewogen hat: „2011 – als die Linke im Land so stark wurde“, sagt er. „Das hat mich schockiert.“ Richerts Entscheidung fiel vor zwei Jahren beim Studium in Bremen: Dass das Bild Rostocks außerhalb negativ bestimmt ist, habe sie ändern wollen.

Einsetzen für mehr Sicherheit und Digitalisierung

Klare Vorstellungen haben beide, wofür sie in der Rostocker Bürgerschaft eintreten würden. Gegen eine Anlage für Klärschlammverbrennung, für bessere Koordination von Parkplätzen und Baustellen. Sicherheit sei ein wichtiges Thema. Gerade in Bussen und Bahnen laufe da „etwas aus dem Ruder“, so Räuber. Ein Dorn im Auge seien ihm die vielen Graffiti in der Stadt. Zudem sei schnellere Digitalisierung wichtig. „Schwerin hat dort W-Lan in Bussen“, so Räuber. „Das sollten wir als größte Stadt im Land auch hinbekommen.“

Frank Pubantz

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