Neubrandenburg

Gewalt auf der Straße: Freiheitsstrafe gegen Syrer verhängt

Das Gebäude des Justizzentrums in Neubrandenburg (Symbolbild).

Das Gebäude des Justizzentrums in Neubrandenburg (Symbolbild).

Neubrandenburg. Wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung und Erpressung hat das Amtsgericht Neubrandenburg gegen einen Syrer zwei Jahre und neun Monate Haft verhängt. „Sie haben innerhalb kurzer Zeit ein erhebliches Gewaltpotential aufgebaut“, sagte Richterin Tanja Krüske am Montag in der Urteilsbegründung. Der 26-Jährige war nach eigenen Angaben Anfang 2016 nach Deutschland gekommen, wo er in Berlin professionell Fußball spielen wollte. Das habe aber nicht geklappt. So sei er nach Friedland bei Neubrandenburg gekommen, wo er mit Drogen und Alkohol in Kontakt kam, wie er vor Gericht schilderte.

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Die Folge war, dass er erst selbst Drogen anbaute, damit aufflog und sich dann bei Komplizen rächen wollte, wie die Ermittlungen ergaben. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 26-Jährige von Februar bis Oktober 2017, teils mit Teleskopschlagstock bewaffnet, Palästinenser in Neubrandenburg sowie andere Zuwanderer, Wachmänner und eine Bekannte in Friedland attackiert, misshandelt und dabei sechs Menschen verletzt hatte.

Der schwerste Fall, der Angriff auf die Palästinenser, ereignete sich im Februar 2017 tagsüber auf offener Straße und „mitten in der Stadt“, sagte Krüske. „Solche Taten sind geeignet, das allgemeine Sicherheitsgefühl zu beeinträchtigen.“ Der Angeklagte habe den Vater eines Bekannten mit dem Schlagstock schwer verletzt, als dieser die Auseinandersetzung verhindern wollte. Dem Opfer wurde das Jochbein gebrochen. Der Geschädigte erholte sich wieder. „Sie können von Glück sagen, dass es bei dieser Verletzung geblieben ist“, erklärte die Richterin.

Der Verurteilte hatte einen Teil der Vorwürfe eingeräumt, wollte sich aber in fast allen Fällen nur verteidigt haben. Dem schenkte das Gericht wenig Glauben. Neben einem Angriff auf Wachleute, die ihn trotz Hausverbots im Flüchtlingsheim ertappten, hatte der 26-Jährige im Oktober dann seine deutsche Verlobte schwer misshandelt. Er habe sie nach Drogen und Alkoholkonsum davon abhalten sollen, sich zu „ritzen“, lautete die Begründung. „Sie haben sie kräftig vermöbelt“, sagte die Richterin. Nach dem Vorfall hatte die Bekannte ihn angezeigt und der Mann war in Untersuchungshaft gekommen.

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Vor Gericht beteuerte der 26-Jährige immer wieder, dass er aus den Vorfällen gelernt habe, wieder nach Syrien zurückwolle und „nie wieder Drogen anrühren wird“. Dies nannte die Richterin „Lippenbekenntnisse“. Der Mann habe versäumt, sich schon in der Heimat eine tragfähige Lebenslösung zu erarbeiten. Er hatte erklärt, er habe in Syrien Abitur gemacht, immer Fußball gespielt und in der Großfamilie gelebt.

Mit dem Urteil blieb das Gericht knapp unter der Forderung von Staatsanwältin Sabine Wiggers-Berenbrink, die drei Jahre und vier Monate Haft verlangt hatte. Die Verteidigung hatte auf eine deutlich geringere Haftstrafe von 16 Monaten plädiert, ebenfalls ohne Bewährung. Da Fluchtgefahr herrsche, ließ das Gericht den Haftbefehl bestehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Winfried Wagner

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