Trockenheit

Dürre in Mecklenburg-Vorpommern: Wie der historische Park in Ludwigslust verdurstet

Blick auf die vertrocknete Rasenfläche vor dem Ludwigsluster Schloss. Gärten und Parks leiden unter der aktuellen Trockenheit.

Blick auf die vertrocknete Rasenfläche vor dem Ludwigsluster Schloss. Gärten und Parks leiden unter der aktuellen Trockenheit.

Ludwigslust. Die größte historische Parkanlage Mecklenburg-Vorpommerns, der Schlosspark Ludwigslust, droht zu verdursten. „Es ist dramatisch, es wird jedes Jahr schlimmer, und es ist sehr komplex“, sagt der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Untere Elde, Dominic Krüll.

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Über die Kaskaden vor dem Barockschloss, von denen eigentlich Wassermassen stürzen sollen, tröpfeln derzeit nur Rinnsale. In der romantischen Teichlandschaft des Parks, die nach Plänen des Gartengestalters Peter Joseph Lenné im 19. Jahrhundert angelegt wurde, fehlt etwa ein halber Meter Wasser. Im System der Kanäle und Wasserläufe gibt es bereits ausgetrocknete Stellen.

Der Grund: In Dürresommern wie dem jetzigen fließt kaum noch Wasser durch den Ludwigsluster Kanal aus dem nahen, großen Feuchtgebiet Lewitz zum Schlosspark, berichtet Krüll. Dieser Kanal war Mitte des 18. Jahrhundert gegraben worden, um die Wasserspiele im herzoglichen Schlosspark überhaupt erst zu ermöglichen, denn eigene Wasserquellen gibt es dort nicht.

Rasche Lösung nicht in Sicht

„Die Folgen der kurzfristigen Wasserschwankungen sind im Baumbestand des Schlossparks Ludwigslust deutlich zu erkennen“, beklagt eine Sprecherin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern. „Insbesondere sehr alte Bäume und Gehölze, die aufgrund ihrer genetischen Konditionierung nicht flexibel auf schwankende Wasserstände im anstehenden Sandboden reagieren können, zeigen Stresssymptome und Trockenheitsschäden sowie deutlich beschleunigte Alterungs- und Absterbeerscheinungen.“ Auch die waldartigen Flächenbestände seien davon betroffen. Das Problem der Wasserversorgung sei schon mehrfach gemeldet worden.

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Eine rasche Lösung ist nicht in Sicht. „Die Lewitz ist der Überrest eines eiszeitlichen Sees“, erklärt Krüll. Seit 250 Jahren fließe Wasser aus dem riesigen Feuchtgebiet über den Ludwigsluster Kanal in den mehr als 120 Hektar großen Schlosspark, dann weiter bis zur Elbe. „Das Wasser ist aufgebraucht.“ Hinzu komme, dass die Lewitz, in der früher im Winter die Wiesen unter Wasser standen, in den 1960er und 1970er Jahren großflächig trockengelegt wurde, um besser Landwirtschaft betreiben zu können. Dadurch werde das Wasser im Winter, wenn es genug davon gibt, nicht gehalten, sondern fließe ab.

Politik nimmt Moore und Feuchtgebiete in den Blick

Somit gebe es jetzt, sobald es einige Zeit nicht regnet, für den Ludwigsluster Park kaum noch Wasser. „Eigentlich sollen wir 800 Liter pro Sekunde fließen lassen, jetzt sind es nur 50 Liter“, sagt Krüll. Eine Verbesserung könne nur eintreten, wenn die Entwässerung der Lewitz aufgegeben werde.

Die Wiedervernässung trockengelegter Moore und Feuchtgebiete ist ein Top-Thema für Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD), denn infolge der Trockenlegungen entweicht CO2. Ein Drittel des gesamten jährlichen CO2-Ausstoßes in MV soll auf das Konto trockengelegter Flächen gehen.

Wiedervernässung ist Aufgabe für Jahrzehnte

Doch die Wiedervernässung ist eine Aufgabe für mindestens Jahrzehnte. „Es gibt allgemeine Wiedervernässungspläne bis 2040, die hier im Haus zwischen den unterschiedlichen Abteilungen erarbeitet werden“, teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Die großen entwässerten Landschaften wie die Lewitz und die Friedländer Große Wiese würden darin „an vorderster Stelle“ berücksichtigt. Da es sich bei der Lewitz um ein hydrologisches Großvorhaben mit vielen Teilprojekten handele, müssten die Planungen dazu zunächst mit den betroffenen Landnutzern erörtert werden.

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Von RND/dpa

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