Russlandtag mit mehr als 850 Gästen

MV als Vorposten in Europa

Besuch beim Kranbauer Liebherr zum Russlandtag: Roland Methling (parteilos), Oberbürgermeister von Rostock, Aleksander Drosdenko, Gouverneur des Leningrader Gebietes, Wasilij Osmakow, Vize-Minister für Industrie und Handel der Russischen Föderation und Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, auf dem Prüffeld des Werkes. Im Hintergrund ein vollelektrischer Kran speziell für den russischen Markt.

Besuch beim Kranbauer Liebherr zum Russlandtag: Roland Methling (parteilos), Oberbürgermeister von Rostock, Aleksander Drosdenko, Gouverneur des Leningrader Gebietes, Wasilij Osmakow, Vize-Minister für Industrie und Handel der Russischen Föderation und Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, auf dem Prüffeld des Werkes. Im Hintergrund ein vollelektrischer Kran speziell für den russischen Markt.

Rostock. In wackeligem Russisch begrüßt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ihre Gäste beim dritten Russlandtag in Rostock. Beifall brandet auf. Nähe kommt an. Mehr als 850 Gäste haben am Mittwoch darüber gesprochen, wie sich die Beziehungen Russlands zu MV, Deutschland, ganz Europa verbessern könnten. Tenor: Die Sanktionen müssten fallen, Dialog und Wirtschaft sollen Brücken sein. Es gebe da „ein besonderes Verständnis füreinander“, sagt Schwesig. „Wir benötigen einander“, raunt Sergej Netschajew, russischer Botschafter, ins Mikrofon.

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Appelle zu mehr Dialog gibt es einige. Immer dann, wenn beide Länder Freunde waren, „herrschte Frieden in Europa“, erklärt Wasilij Osmakow, Vize-Minister für Industrie in Moskau. Das kann man auch als Drohung verstehen. MV sei „eine Art Vorposten für uns in Europa“. Wenig später wird Osmakow stolz berichten, dass sein Land trotz der Sanktionen enorme Zuwächse bei Investitionen habe, Beziehungen nach China ausbaue. Aber klar: „Weniger Arbeitsplätze und Steuereinnahmen – so etwas braucht niemand.“ Salbend zeigt sich auch Thomas Oppermann (SPD), Vize-Präsident des Bundestages: Ja, bessere Beziehungen seien wichtig, ein neuer Anlauf in den Friedensgesprächen über die Ukraine. Als er fehlende Menschenrechte und russische Cyberspionage anprangert, wird es still im Saal. Schwesig muss sich rechtfertigen, warum sie keine klaren kritischen Worte fand. Nikolaus Kramer, AfD-Fraktionschef im Schweriner Landtag, unterstellt Doppelmoral: Schwesig könnte auf Bundesebene als SPD-Vize für den Wegfall der Sanktionen ringen, in Rostock gebe es „nur Lippenbekenntnisse“. Der Zwiespalt wird deutlicher, als Oppermann von einer gemeinsamen Wirtschaftszone „von Lissabon bis Wladiwostok“ plaudert – gegen die Supermächte USA und China.

Wer braucht wen mehr? Die Handelsbilanz 2017 zwischen MV und Russland weist 80 Prozent Import, aber nur 20 Prozent Export aus. Viele Unternehmen hier sind in Bedrängnis. Der Russlandtag soll Abhilfe schaffen, Kontakte auch in Kultur, Wissenschaft oder Jugendaustausch vertieft werden. Gleich zehn Vereinbarungen treffen beide Seiten: die Universitäten Rostock und Kasan über Aquakultur, der Rostocker Hafen über einen Pachtvertrag für ein Flüssiggas-Terminal mit einem russisch-belgischen Joint Venture, die Vereinigung der Unternehmensverbände MV (VUMV) mit dem Arbeitgeberverband des „Leningrader Gebiets“ zu Austausch in verschiedenen Bereichen. Wichtig sei Digitalisierung, so VUMV-Präsident Thomas Lambusch. „Mal sehen, wer wem was abgraben kann“, sagt er spitzbübisch. Ex-Regierungschef Erwin Sellering wirbt offensiv um Mitgliedschaft im neuen Verein Deutsch-Russische Partnerschaft – ein Name, der fast wie die Deutsch-Sowjetische Freundschaft zu DDR-Zeiten klingt.

Die Wirtschaft teilt auch Schelte aus. Matthias Warnig, Chef der umstrittenen Erdgaspipeline Nord Stream 2, warnt vor „zu viel Politisierung“. Die Pipeline werde „sowieso gebaut“. Europa müsse Tempo machen, fordert Logistiker Uwe Leuschner, Eurasia DB Cargo. In zwei Jahren werde China seinen Warenumschlag gen Europa vervielfachen. Claus Ruhe Madsen, Rostocker IHK-Präsident, fordert mehr Engagement der Politik für Sanktionsabbau: „Lieber viele kleine Schritte als große Reden.“

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Schwesig fragt derweil Existenzgründern Löcher in den Bauch. 15 Startups stellen sich vor, sechs aus Russland. Fanny Fatteicher (Firma Meditex, Rostock) stellt medizinische Funktionswäsche vor, Maximilian Block (Advocado, Greifswald) eine Plattform für juristische Beratung vor. Potenzielle Investoren lauschen.

Kommentar zum Russlandtag in Rostock: "Reden allein reicht nicht"

Frank Pubantz

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