Neonazi-Gesänge auf Dorffest in Vorpommern: Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung

Auf einem Erntefest in Vorpommern hat eine Gruppe Feiernder ausländerfeindliche Parolen gesungen.
Quelle: privat
Bergholz/Anklam. Offener Rechtsextremismus in MV: Nachdem in verschiedenen sozialen Medien ein Video mit ausländerfeindlichen Gesängen auf einem Erntefest in Bergholz bei Löcknitz (Landkreis Vorpommern-Greifswald) verbreitet wurde, ermittelt die Kriminalpolizeiinspektion Anklam wegen des Anfangsverdachts auf Volksverhetzung. Das bestätigte eine Sprecherin am Donnerstagabend auf OZ-Anfrage. Die Beamten hätten mehrere Hinweise bekommen. Zuerst hatte der Nordkurier über den Vorfall berichtet.
Die Aufnahmen entstanden auf dem Erntefest, das die Gemeinde Bergholz am 14. Oktober veranstaltet hatte. Sie zeigen eine Gruppe Feiernder, die zum Partyhit „L’Amour Toujours“ von Gigi D’Agostino immer wieder „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ rufen. Einer von ihnen trägt einen Pullover, der auf der Vorderseite den preußischen Adler zeigt.
Das Video wurde in den sozialen Netzwerken Facebook, Instagram und Tiktok mehrere Hunderttausende Male gesehen und Hunderte Male kommentiert. Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli schrieb auf X, ehemals Twitter, sie habe das Gefühl, „dass Deutschland diese Gefahr nicht ernst nimmt“.
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Ulrich Kersten, der seit 1994 amtierende, parteilose Bürgermeister von Bergholz, bedauerte dem Bericht zufolge den Vorfall und kündigte eine Auswertung mit den beteiligten Organisatoren an. Er sei selbst auf dem Erntefest mit mehreren Hundert Teilnehmern gewesen, habe die Veranstaltung aber am späten Abend verlassen. Er erkenne aber Personen auf dem Video wieder.
OZ









