„Unsere Strände nach der Flut“

Nach dem Hochwasser in Zempin: „Wenn es so weiter geht, sind wir pleite“

30 000 Kubikmeter Sand wurden in Zempin auf der Insel Usedom aufgeschüttet. Im Bild ist die Opferdüne zu sehen. Bis zur Saison soll der Strand wieder für Badegäste nutzbar sein.

30 000 Kubikmeter Sand wurden in Zempin auf der Insel Usedom aufgeschüttet. Im Bild ist die Opferdüne zu sehen. Bis zur Saison soll der Strand wieder für Badegäste nutzbar sein.

Zempin. „Schreiben Sie mal bitte lieber ’zahlungsunfähig’. ’Pleite’ ist ein ziemlich hartes Wort. Das hört sich nicht gut an“, sagt Usedoms Südamtsvorsteher Karl-Heinz Schröder (CDU) zum OZ-Reporter und mildert damit die Worte von Zempins Bürgermeister Werner Schön etwas ab. Aber eigentlich ist es genau das, was Schön meint. Sturmtief „Axel“, das vor zwei Jahren an Usedoms Küste nagte, hinterlässt auch in den Gemeindekassen der Insel eine Schneise der Verwüstung. Wenn noch weitere Sturmfluten dieser Art auf die Insel zuwehen, wird es noch schlimmer. Knapp eine halbe Million Euro musste Zempin, die kleinste Seebadgemeinde auf der Ferieninsel, bislang in die Hand nehmen, um die Sturmflutschäden zu beseitigen bzw. Wiederaufbau zu leisten. Zu viel Geld für so einen kleinen Ort.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wird genug getan, um die Sturmflutschäden vom Januar 2017 zu beheben? Werden die Strände in M-V zur Badesaison rechtzeitig wiederhergestellt? Wie sieht es fast zwei Jahre nach der verheerenden Sturmflut an den Küsten des Landes aus? Diese und weitere Fragen beantwortet die OZ im großen Report „Unsere Strände nach der Flut“. Den Auftakt macht die Insel Usedom.

4a89f3ae-3b3b-11e9-a6da-18e7a49b12aa_26160525312

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) und sein Staatssekretär Stefan Rudolph besuchten das Seebad nach Sturmtief „Axel“ und schauten auf die Schäden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Wir würden mal wieder eine Straße sanieren, den Gehweg an der Bundesstraße 111 erneuern oder mal andere Sachen renovieren. Aber leider konnte davon in den vergangenen zwei Jahren nichts gemacht werden“, erklärt Zempins Bürgermeister Werner Schön. Geplante Projekte rückten immer wieder in den Hintergrund. Der Gemeindehaushalt hat ein Volumen von etwa zwei Millionen Euro, die Hälfte gehört zum Fremdenverkehrsamt. „Eine Million Euro steht also zur Verfügung, und die Einnahmen sind jedes Jahr relativ konstant. Neue Geldquellen tun sich hier auch nicht so schnell auf“, sagt er. Und von dieser einen Million musste die Gemeinde mehr als ein Drittel in den Küstenschutz investieren.

2fb94282-3b3b-11e9-a6da-18e7a49b12aa_26160525557

Werner Schön, Bürgermeister von Zempin, und Karl-Heinz Schröder stehen an gleicher Stelle. 30 000 Kubikmeter Sand wurden aufgeschüttet.

Derzeit laufen die Arbeiten an der sogenannten „Opferdüne“ auf Hochtouren. Dutzende Lastwagen rollen täglich an die Promenade, um Sand anzufahren. 30 000 Kubikmeter Material sind nötig, um die Uferanlagen zu schützen. Dass der Sand auch im nu wieder im Meer landen kann, erlebten die Verantwortlichen Anfang des Jahres bei Sturmtief „Zeetje“. Tausende Tonnen rutschten wieder ins Meer – die Arbeit ging teilweise wieder von vorne los. Optimisten sehen es anders: Die Natur holte sich den Sand ins Meer zurück, dann braucht der Mensch ihn nicht mit Maschinen an der Küstenlinie verteilen.

Das Haus „Frieden“ gingen Anfang der 1990er-Jahre zuletzt die Lichter aus

Das Haus „Frieden“ gingen Anfang der 1990er-Jahre zuletzt die Lichter aus. Nun soll das Gebäude abgerissen werden.

„Für den Moment sind die Maßnahmen zufriedenstellend, aber eine dauerhafte Lösung wäre wichtiger“, betont Bürgermeister Werner Schön. Sein Amtsvorsteher macht es noch deutlicher: „Wir brauchen wellenkraftbrechende Maßnahmen – so wie die großen Steine in Koserow vor dem Streckelsberg. In Zempin trifft das Wasser ungehindert auf das Land und reißt all den Sand wieder mit sich“, so Schröder. Auch die Buhnen könnten im Fall einer Sturmflut nicht alle Wellen brechen.

Wie der Name schon sagt, soll die Opferdüne sich opfern, damit das Land geschützt bleibt. Aber auch eine Opferdüne muss wieder mit viel Personalaufwand aufgeschüttet werden. In Zempin schützt diese Düne den Hochuferweg. Ein Teil des Weges brach bei der Sturmflut vor zwei Jahren ins Wasser. Und ein abgebrochener Kiosk machte deutschlandweit Schlagzeilen. Seit dem vergangenen Jahr steht ein Imbisswagen der betroffenen Familie an einer anderen Stelle. Er heißt zwar noch „Utkiek zur Greifswalder Oie“, doch der Blick richtet sich eher auf den Promenadenplatz.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Unweit des ehemaligen Kioskes steht das „Haus Frieden“, ein Ausflugslokal aus DDR-Zeiten. Anfang der 1990er gingen dort die Lichter letztmalig aus. Mehrere Besitzerwechsel brachten auch nicht den Erfolg. Nun kaufte die Gemeinde das Gebäude, um es abzureißen.

Generell hadert das Amt mit dem Land, wenn es um die Verantwortung für die Küste geht. „Der Campingplatz gehört zur wichtigen touristischen Infrastruktur des Ortes. Für diesen Küstenabschnitt ist aber die Gemeinde verantwortlich. Küstenschutz betrifft die gesamte Linie zwischen Ahlbeck und Peenemünde“, so Schröder.

Zempins Bürgermeiser Werner Schön zeigt einen Plan mit den Landesküstenschutzdünen

Zempins Bürgermeiser Werner Schön zeigt einen Plan mit den Landesküstenschutzdünen. Für einen Teil ist die Gemeinde verantwortlich.

Die Nachbargemeinden Koserow, Loddin und Ückeritz kamen vergleichsweise glimpflich davon. Die Ückeritzer brachten 25 000 Euro auf, um die Sturmflutschäden zu beseitigen, in Koserow beträgt der Eigenanteil für eine etwa 80 Tonnen schwere Stahltreppe hinauf zum Hochufer etwa 165 000 Euro und in Loddin beliefen sich die Kosten für die Gemeinde auf rund 55 600 Euro.

OZ-Report „Unsere Strände nach der Flut“

Wird genug getan, um die Sturmflutschäden vom Januar zu beheben? Werden die Strände in MV zur Saison rechtzeitig wiederhergestellt? Wie sieht es fast zwei Monate nach der Flut an den Küsten des Landes aus? Diese und weitere Fragen beantwortet die OZ im großen Report „Unsere Strände nach der Flut“.

Hannes Ewert

Mehr aus Mecklenburg-Vorpommern

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen