Anteilnahme nach OZ-Bericht

Neue Hoffnung auf OP für Rüganerin mit Fett-Verteilungsstörung: Medizinischer Dienst prüft

Samanatha Lingner (l.) und ihre Mutter Manuela bereiten in Bobbin den maßgeschneiderten Massageanzug vor, der zu einem Kompressionstherapiegerät gehört. In diesem unterzieht sich die Patientin regelmäßig einer Lymphdrainage. 

Samanatha Lingner (l.) und ihre Mutter Manuela bereiten in Bobbin den maßgeschneiderten Massageanzug vor, der zu einem Kompressionstherapiegerät gehört. In diesem unterzieht sich die Patientin regelmäßig einer Lymphdrainage.

Rostock/Schwerin. Das Schicksal der 19-jährigen Samantha Lingner aus Bobbin, einem Ortsteil der Gemeinde Glowe auf Rügen, bewegte nach einem Bericht in der OSTSEE-ZEITUNG viele Leser. Die junge Frau leidet – wie bundesweit mehr als drei Millionen Frauen – an einer krankhaften Fettverteilungsstörung. Die Ärzte sprechen von einem Lipödem.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Ich kämpfe täglich mit starken Schmerzen und quälendem Juckreiz. Mir bleibt nur der Griff zu Schmerzmitteln. Ich nehme Ibuprofen 800“, erklärt die Erkrankte.

Leser machen junger Frau Mut

„Meine Tochter erhält viel Zuspruch am Telefon und positive Reaktionen in den sozialen Medien. Selbst Geldspenden erreichten uns schon. Ich bin total überwältigt“, erklärt die Mutter Manuela Lingner. Und auch der Medizinische Dienst der Krankenversicherung MV (MDK) hat auf die prekäre Situation der jungen Frau reagiert. „Es wird unsererseits eine persönliche Begutachtung der Erkrankten durch einen Facharzt in Stralsund erfolgen“, erklärte MDK-Geschäftsführerin Dr. Ina Bossow gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Noch lässt sich das Lipödem positiv beeinflussen. Doch die Zeit drängt, denn der Krankheitsverlauf erfolgt rasant“, betont Dr. Christian Lau. Der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Stralsunder Helios-Hanseklinikum hat in mehreren Gutachten dargelegt, dass sich seine Patientin bereits im schwersten Stadium – Kategorie 3 – befindet.

Junge Frau berichtet über ihr Leben mit einem Lipödem (Video: Christian Rödel)

Rüganerin hat Schmerzen, nur eine OP kann helfen, doch die Krankenkasse lehnt ab.

Es bestehe die Gefahr, dass zu viel Fettgewebe auf das Lymphsystem drückt. So kann sich zusätzlich ein Lymphödem bilden. Die Folge: Lymphflüssigkeit staut sich. Arbeitsunfähigkeit droht. Im schlimmsten Falle würde die angehende Physiotherapeutin im Rollstuhl landen.

DAK-Gesundheit lehnt Operationen ab

„Das Leben der jungen Frau ist auch psychosozial bedroht. Man muss ihren Lebensmut stärken“, so der Mediziner. Trotzdem lehnt die Krankenkasse DAK-Gesundheit noch immer dringend notwendige Operationen ab.

Helfen kann nur eine sogenannte Liposuktion. Dr. Lau rechnet mit drei bis vier Eingriffen. Pro Operation könnten sieben bis zehn Liter der Fettzellen abgesaugt werden. Eine Prozedur kostet etwa 3000 Euro. Zudem wird möglicherweise eine Hautstraffung nötig. Die Krux: Eine Liposuktion ist keine Kassenleistung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
So berichtete Die OSTSEE-ZEITUNG am 3

So berichtete Die OSTSEE-ZEITUNG am 3. Juli 2019.

Die Not der Frauen erkannt

Das bestätigt Dr. Bossow und verweist auf ein Urteil des Bundessozialgerichts (Az.: B 1 KR 13/16 R). Deshalb werden aktuell fast alle Anfragen auf Kostenübernahme für die OP bei Lipödem abgelehnt. Eine Kostenübernahmezusage erfolgt nur in Ausnahmefällen.

Gleichzeitig macht die MDK-Vertreterin auf die aktuellen Diskussionen im Gemeinsamen Bundesausschuss aufmerksam. Dieser hat die Not der Frauen erkannt. Und dessen Vorsitzender, Professor Josef Hecken, hat in Aussicht gestellt, dass ab 1. Januar 2020 für die schweren Fälle die Liposuktion zur Kassenleistung werde.

Einzelentscheidung wäre möglich

Sollte die ausstehende MDK-Empfehlung im Falle Lingner positiv ausfallen, läge es an der DAK-Gesundheit, eine Einzelfallentscheidung zu treffen, sagt Dr. Bossow.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Übrigens: Die Kassen lehnen zwar OPs ab, zahlen jährlich pro Lipödem-Patient aber nicht selten bis zu 12 000 Euro. „So viel kosten die notwendige Physiotherapie und die maßgeschneiderte Kompressionswäsche“, betont Dr. Lau.

Volker Penne

Mehr aus Mecklenburg-Vorpommern

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen