Queen Elizabeth II.

OZ-Reporter in London: „Man bekommt eine Ahnung, was die Queen den Briten bedeutet hat“

London: Menschen trauern vor dem Buckingham-Palast um Königin Elizabeth II. Die britische Königin Elizabeth II. ist am 08.09.2022 im Alter von 96 Jahren auf ihrem Landsitz in Schottland gestorben.

London: Menschen trauern vor dem Buckingham-Palast. Die britische Königin Elizabeth II. ist am 8.9.2022 im Alter von 96 Jahren auf ihrem Landsitz in Schottland gestorben.

London/Rostock. Seit zehn Jahren trage ich ihr Porträt (fast) immer bei mir. Im Portemonnaie, auf einem Zehn-Pfund-Schein. Den habe ich (39) von einer Reise nach London mitgebracht, vor genau zehn Jahren. Jetzt bin ich wieder in der britischen Hauptstadt und wollte den Schein eigentlich ausgeben. Für etwas Schönes. Aber das kann ich jetzt nicht mehr. Der Geldschein bleibt im Portemonnaie – als Erinnerung an die Monarchin, die auch mich schon mein ganzes Leben lang begleitet.

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Königin Elizabeth II. ist tot – und binnen Minuten wirkt London ein Stück weit verändert. Meine Frau und ich sind zufällig in der Stadt. Ein Kurztrip. Unser Tagesplan ist vollgepackt, wie es sich für Touristen gehört. Dass es der Queen nicht gut geht, erfahren wir erst am späten Donnerstagnachmittag, als wir von unseren Ausflügen zurück ins Hotel kommen. Auf allen Sendern laufen Sondersendungen. Da heißt es noch, die Königin habe gesundheitliche Probleme. Ernste zwar, aber sie sei in Schottland, in ihrem Lieblingsschloss Balmoral, gut aufgehoben.

Ein als Wächter verkleideter Mann steht nach dem Tod von Königin Elizabeth II. vor dem Buckingham-Palast.

Ein als Wächter verkleideter Mann steht nach dem Tod von Königin Elizabeth II. vor dem Buckingham-Palast.

London in Schockstarre

Die BBC, Großbritanniens öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, berichtet nur zurückhaltend. Dass die Familie auf dem Weg zu ihr sei, man nichts wisse über den genauen Gesundheitszustand. Dass dieser September-Tag der letzte im Leben Elizabeth’ II. sein soll, bemerken wir erst in der U-Bahn. Auf dem Weg zur neuen Abba-Show. Es scheint fast so, als mache die Hektik Londons eine kurze Pause. Jeder, wirklich jeder in unserem U-Bahn-Wagen, starrt auf sein Telefon. Viele Mienen sind völlig regungslos. Da ahnen wir zum ersten Mal, dass etwas wirklich Schlimmes passiert sein muss.

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Abba-Show findet trotzdem statt

In der Musik-Arena angekommen, stellen wir uns kurz die Frage, ob die Show überhaupt stattfinden wird. Fröhlichkeit an solch einem Tag? Selbst für uns fühlt sich das irgendwie in diesem Moment seltsam an. In der Halle kommt dann die Durchsage, dass man sich entschieden habe, dass die Show stattfinden wird – aber die Macher bitten um einen kurzen Augenblick des Schweigens im Gedenken an die Queen. Auf den Rängen und auch auf der Tanzfläche ist es mucksmäuschenstill. Beeindruckend still, kein Geflüster, kein Gemurmel. Gar nichts. Stille.

London: Eine Frau küsst die Hand von König Charles III. bei seinem Rundgang vor dem Buckingham-Palast in London, um die Botschaften und Blumen nach dem Tod von Königin Elizabeth II. zu sehen.

London: Eine Frau küsst die Hand von König Charles III. bei seinem Rundgang vor dem Buckingham-Palast in London, um die Botschaften und Blumen nach dem Tod von Königin Elizabeth II. zu sehen.

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Weinende Bauarbeiter

Danach wird gefeiert. Wir feiern. Alle feiern. Das Leben? Zwei Stunden später an der Canary Wharf, dem britischen Bankenzentrum, ein ähnliches Bild: Junge Banker in schicken grauen Anzügen und braunen Schuhen feiern in den Bars und Pubs. Von Trauer keine Spur. Alles anders am nächsten Morgen. Schon früh sind Tausende am Buckingham Palace, dem Königsschloss mitten in der Stadt. Sie legen Blumen nieder. Teddybären und Briefe. Es ist absolut still. Regelrecht bedrückend. Einige Touristen machen Selfies.

Ein historisches Ereignis für die Welt und man war live dabei. Es wirkt trotzdem falsch. Ein Bauarbeiter – vielleicht Mitte 40 – in oranger Warnweste und mit Helm unter dem Arm legt einen riesigen Blumenstrauß nieder. Er weint still – und man bekommt eine Ahnung, was die Queen den Menschen – vor allem den Briten – bedeutet hat. Die Briefe und Zettel sind voller liebevoller Botschaften. Für die Londoner war die Queen nicht nur Regentin, sondern die Großmutter der Nation.

Eine ruhige Nacht im Kneipenviertel

Unser Hotel ist im Theaterviertel. Auch nachts ist dort was los, junge Menschen ziehen lärmend von Kneipe zu Kneipe. In dieser Nacht ist es auffällig ruhig. Freitag Mittag um 12 Uhr läuten alle Glocken der Stadt. Es geht im Lärm Londons fast unter. Nur die 96 Salut-Schüsse sind überall zu hören. Erste Shops an den Houses of Parliament haben geschlossen – wegen des traurigen Ereignisses, heißt es auf einem Aushang. Das Riesenrad London Eye dreht sich dennoch. Davor lange Schlangen. Fast wirkt es so, als wären nur noch Touristen in der Stadt unterwegs. Die Londoner aber trauern. Das ist zu spüren.

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