Wismar

Personalnot im Heim: Senioren müssen Einzelzimmer räumen

Pflegekräfte werden in Wismar dringend gesucht.

Pflegekräfte werden in Wismar dringend gesucht.

Wismar. Endlich hatte eine über 90-jährige Wismarerin (Name der Redaktion bekannt) ein Einzelzimmer im städtischen Pflegeheim am Friedenshof bekommen. Doch nun musste sie wieder zurückziehen und sich ein Zimmer mit einer anderen Bewohnerin teilen. Der Grund: Personalmangel. Für die alte Dame sei das laut ihrer Tochter eine unerträgliche Zumutung. Dem Pflegeheim sind jedoch die Hände gebunden – zumindest zeitweise. „Es ist richtig, dass wir Personalprobleme in der Pflege haben, aber das ist nicht neu“, betont Dagmar Broy, Betriebsleiterin der städtischen Pflegeheime der Hansestadt Wismar gegenüber der OZ. Eine kürzlich erfolgte öffentliche Ausschreibung von Pflegefach- und Hilfskräften habe leider noch keinen Erfolg gebracht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Acht Mitarbeiterinnen fallen gleichzeitig aus

Gleich acht Mitarbeiterinnen, wichtige Fachkräfte, seien aufgrund einer Schwangerschaft ausgefallen – entweder durch Krankheit, Beschäftigungsverbot oder befinden sich bereits im Mutterschutz. „Die Nachbesetzung gestaltet sich schwierig. Außerdem sind einige Mitarbeiter langzeiterkrankt und haben ihren geplanten Urlaub“, sagt Dagmar Broy. Daher sei es zurzeit erforderlich, von Neuaufnahmen abzusehen.

Damit die Pflege und Betreuung der Bewohner am Friedenshof weiterhin sichergestellt ist, sei eine „organisatorische Veränderung“ vorgenommen worden. Ein Wohnbereich sei „vorübergehend freigezogen“ worden, erklärt Betriebsleiterin Dagmar Broy. Und sie bestätigt: „Zwei Bewohnerinnen sind vorübergehend von einem Einzelzimmer in ein Doppelzimmer gezogen. Sobald freie Einzelzimmer zur Verfügung stehen, erhalten sie diese.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Erst Erhöhung der Heimkosten, nun Auszug aus Einzelzimmer

Für die Tochter einer der Bewohnerinnen sei dies jedoch ein Vertragsbruch. „Schließlich hat unsere Mutter laut Vertrag ein Einzelzimmer“, betont sie. Sie selbst könne ihre Mutter nicht aufnehmen, da sie mit ihrem Mann nur in einer kleinen Wohnung in Wismar lebe. „Außerdem haben wir gerade erst die Beitragserhöhung bekommen“, berichtet sie. So müsse die Mutter nun 285 Euro mehr für den Platz im Pflegeheim zahlen. Das geht im Übrigen anderen Bewohnern von Pflegeeinrichtungen ähnlich – auch sie müssen seit Mitte des Jahres höhere Beiträge zahlen. Schuld ist unter anderem die Umsetzung der Pflegereform und eine Anhebung der Gehälter im öffentlichen Dienst (die OZ berichtete).

Und vier Wochen später soll sie nun in ein Zweibett-Zimmer ziehen, das ist nicht in Ordnung“, mahnt die Tochter. Nun gebe es nicht einmal genügend Platz im Zimmer, wenn sie mit ihrem Mann die alte, gebrechliche Mutter besuche. Inzwischen esse diese kaum noch, gehen sei fast nicht möglich und sehen könne sie auch nur noch schlecht. „Die Hauptsache ist, dass sie schnell aus dem Mehrbettzimmer rauskommt. Meine Mutter ist dort unglücklich – und wir sind sauer und enttäuscht.“

Der Wohnbereich, der frei gezogen wurde, hat zwölf Einzel- und zwölf Doppelzimmer. „Die Zimmer wurden nicht vollständig geräumt, so dass jeder Bewohner in sein Zimmer zurückkehren kann. Die Maßnahme soll von möglichst kurzer Dauer sein und wird, sobald sich die personelle Situation entspannt hat, beendet“, verspricht Dagmar Broy. Die Tochter der über 90-Jährigen glaubt aber: „So lange hält meine Mutter nicht durch. Das ist ihr Todesurteil.“

Vietnamesische Pflegekräfte könnten bald aushelfen

Bis dahin – so scheint es – bleibt den Mitarbeitern nichts weiter übrig, als die Bewohner in Doppelzimmern zu versorgen. Die Hansestadt ist an der Lösungsfindung für dieses dramatische Personalproblem beteiligt: Gegenwärtig arbeitet das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit mit Vertretern von Kliniken und Pflegeeinrichtungen daran, ein Projekt zur Gewinnung von jungen Vietnamesen, die an einer Ausbildung in der Pflege in Deutschland interessiert sind, zu entwickeln. Start in MV könnte im Jahr 2020 sein. Das Programm ist auch ein Hoffnungsschimmer für die Wismarer Einrichtungen: „Wir sind gegenwärtig mit einem Bildungsträger im Gespräch, der uns vielleicht zwei vietnamesische Auszubildende vermitteln kann“, sagt Dagmar Broy.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Michaela Krohn

Mehr aus Mecklenburg-Vorpommern

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken