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„Prepper“-Szene

Polizisten stehlen Munition: Politiker aus MV zeigen sich entsetzt

Wer lässt zu, das Munition bei der Landespolizei verschwinden kann? Innenminister Lorenz Caffier (CDU) kündigte vor Medienvertretern eine umfassende Untersuchung  an.

Wer lässt zu, das Munition bei der Landespolizei verschwinden kann? Innenminister Lorenz Caffier (CDU) kündigte vor Medienvertretern eine umfassende Untersuchung an.

Rostock/Schwerin.Eine schier unglaubliche Zahl: Mindestens 10000 Schuss Munition von Kurz- und Langwaffen haben Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft Schwerin bei einem der Polizisten, die am Mittwoch festgenommen wurden, gefunden. Der Mann ist einer von vier (ehemaligen) SEK-Beamten, denen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz und Betrug vorgeworfen wird. Sie sollen über Jahre Munition vom Landeskriminalamt entwendet haben.

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Staatsanwältin: Unklar, ob Fund strafrechtlich relevant ist

Claudia Lange, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schwerin, spricht von einer „fünfstelligen Höhe“ beim Munitionsfund. Auf Nachfrage bestätigt sie: Nach ersten Schätzungen handele es sich um mindestens 10000 Schuss Munition. „Es ist aber noch nicht klar, ob dies strafrechtlich relevant ist“, so Lange. Er werde geprüft, ob der Beschuldigte berechtigt sei, solche Mengen Munition privat aufzubewahren, oder nicht.

Der Mann steht im Verdacht, mit drei seiner (früheren) Polizei-Kollegen über Jahre Munition beim LKA abgezweigt zu haben. Am Mittwoch wurden alle vier einem Haftrichter vorgeführt. Einer der Beschuldigten habe laut Bundesanwaltschaft Kontakte zur rechtsextremen „Prepper“-Szene. Innenminister Lorenz Caffier (CDU), der für die Landespolizei Verantwortung trägt, kündigt eine umfangreiche Untersuchung an. Er zeigte sich „zutiefst erschüttert und fassungslos“. „Beamte des SEK genießen ein besonderes Vertrauen“, sagte er am Mittwoch in Schwerin. Deshalb treffe ihn das Verhalten der Festgenommenen besonders hart. Sie hätten offensichtlich schwer gegen Dienstpflichten und Gesetze verstoßen.

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Die vier Männer seien suspendiert worden und sollen möglichst aus dem Polizeidienst entlassen werden. Nachfragen von Journalisten waren nicht erlaubt.

Linker Ritter: Wer lässt zu, dass Munition verschwindet?

Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Landtag, ist über das Verschwinden von Munition beim LKA entsetzt. „Wer lässt zu, dass Munition verschwindet? Wer ist für die fehlende Kontrolle zuständig?“, fragt Ritter. „Ich wäre früher als Waffenkammer-Verantwortlicher beim Verlust auch nur einer Patrone vorm Kadi gelandet“, fügt der frühere NVA-Offizier hinzu.

SPD fürchtet, „dass da noch mehr schlummert“

Auch SPD-Fraktionschef Thomas Krüger äußert sich besorgt. Da seit 2012 bei der Landespolizei Munition gestohlen wurde und wohl auch in die „Prepper“-Szene gelangte, sei zu fragen, „ob da noch mehr schlummert, das wir derzeit nur noch nicht sehen“. Er appelliere an Innenministerium und Verfassungsschutz, „die Ermittlungen konsequent fortzusetzen“.

Frank Pubantz

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