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Teure Post

Postkunden ärgern sich über fehlende Briefmarken

Ein Standardbrief im Inland kostet seit 1.Juli 80 statt bisher 70 Cent. Wer noch alte Marken hat, muss zukleben.

Ein Standardbrief im Inland kostet seit 1.Juli 80 statt bisher 70 Cent. Wer noch alte Marken hat, muss zukleben.

Wismar/Rostock.Gerhard Hellmonds ist auf die Deutsche Post derzeit nicht gut zu sprechen: Erst erhöht das Unternehmen das Briefporto und dann werden auch noch die Ergänzungsmarken knapp, die zu den alten 70-Cent-Marken dazugeklebt werden können, um auf 80 Cent zu kommen. „In der Hauptpoststelle Wismar gibt es aktuell keine Marken“, schimpft Hellmonds. „Der Kunde muss mit dem Brief an den Schalter treten und ihn dort abstempeln lassen, nachdem die zehn Cent bezahlt wurden.“

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Hinzu komme, dass die Filiale in der Hansestadt so dünn besetzt sei, dass die Mitarbeiter schon dem Normalbetrieb kaum gewachsen seien. „Nun werden die Schlangen noch länger“, klagt der OZ-Leser. Auch in anderen Postfilialen oder -shops seien die Marken vergriffen.

Zahlreiche Klagen von Kunden

Hellmonds ist mit seinem Ärger nicht alleine. In den sozialen Medien gibt es zahlreiche Klagen von Postkunden, die auf ihren alten Marken sitzen und sie nicht loswerden, weil die Ergänzungsmarken fehlen. Bei der OZ meldeten sich viele Leser telefonisch mit Beschwerden.

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Eine Alternative zum Schalter könnten die Portoautomaten sein, an denen man sich Briefmarken mit dem gewünschten Wert selbst ziehen kann. Doch diese Automaten werden derzeit nach und nach ausgemustert, bundesweit gibt es nur noch etwa 1000 davon. Andreas Mahlzahn aus Schwaan bei Rostock hat damit zudem keine guten Erfahrungen gemacht. Er wollte am Automaten eine Ergänzungsmarke ziehen, erfolglos. „Ich fand den Preis vor der Erhöhung schon teuer. Jetzt ist er auch noch gestiegen – und dann funktioniert das Ganze nicht. Was für eine Unverschämtheit!“

Post: Engpässe möglich

Bei der Post sind diese Beschwerden allerdings offenbar noch nicht angekommen: „Wir haben bislang keine Reklamationen oder Hinweise von Kunden in MV“, sagt Jens-Uwe Hogardt, Sprecher des Unternehmens für MV. Hogardt schloss jedoch Engpässe nicht aus: „Es kann sein, dass die Marken wegen der hohen Nachfrage in einzelnen Filialen ausverkauft sind.“ Täglich würden jedoch neue Marken an die Filialen ausgeliefert.

Als Grund für die Verknappung gibt er an, dass es für die Post schwer gewesen sei, den Bedarf vorher richtig einzuschätzen. Hogarth gibt den Kunden eine Mitschuld: „Die Portoerhöhung war ja schon länger bekannt. Da hätte man nicht mehr so viele alte Marken kaufen sollen.“

Eigene Preiserhöhung verschlafen

Allerdings hat die Post selbst Medienberichten zufolge ihre eigene Preiserhöhung verschlafen: Das Unternehmen habe erst mit dem Drucken neuer Marken begonnen, nachdem die Bundesnetzagentur am 19. Juni die neuen Portogebühren genehmigt habe – also nur zwölf Tage vor deren Inkrafttreten.

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Das bestätigt Klaus Gettwart, Vorstand des Postkundenverbands DVPT: „Die Post hat wohl nicht einkalkuliert, wie lange es dauert, die Marken zu drucken.“ Zumal das Unternehmen ursprünglich eine Portoerhöhung um 20 Cent beantragt und daher wohl mit 20-Cent-Zusatzmarken geplant hatte. Das lehnte die Netzagentur jedoch ab.

30 Tage aussetzen wegen Schlamperei

Auch für den verärgerten Kunden Gerhard Hellmonds steht fest: „Das Management hat versäumt, logistisch und planerisch genügend Zehn-Cent-Marken bereitzustellen oder drucken zu lassen.“ Der ehemalige Geschäftsmann hat einen unkonventionellen Vorschlag: „Der ganze Vorgang ist so unerhört und schlampig, dass die Portoerhöhung zurückgenommen werden beziehungsweise für die ersten 30 Tage ausgesetzt werden sollte.“

Laut Postsprecher Hogardt werden in Deutschland pro Jahr noch rund 57 Millionen Briefe von der Post befördert. 2008 waren es noch 72 Millionen. Jeder Deutsche gibt im Schnitt 2,34 Euro für Porto aus.

Beschwerden verdoppelt

Der Unmut der Postkunden nimmt dabei laut DVPT rasant zu: „In den letzten beiden Jahren hat sich die Zahl der Beschwerden jeweils verdoppelt“, sagt Gettwart. „Alle leiden unter der schlechten Qualität der Post.“ Der Verband zweifelt auch an der Pünktlichkeit der Post. Daher wird derzeit in einer großen Studie untersucht, wie lange Briefe bei der Post tatsächlich unterwegs sind.

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Axel Büssem und Maja Leutner

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