Nach Waldbrand

Seehofer besichtigt Arsenal des Schreckens in Lübtheen: Minister kündigt Task Force an

Till Backhaus (SPD, l-r) Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Sternberg (SPD), Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Horst Seehofer (CSU), Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, Brigadegeneral Gerd Kropf und Lorenz Caffier (CDU), Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, besuchen den Munitionszerlegebetrieb in Jessenitz-Werk (bei Lübtheen).

Till Backhaus (SPD, l-r) Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Sternberg (SPD), Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Horst Seehofer (CSU), Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, Brigadegeneral Gerd Kropf und Lorenz Caffier (CDU), Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, besuchen den Munitionszerlegebetrieb in Jessenitz-Werk (bei Lübtheen).

Lübtheen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will nach den Erfahrungen mit dem verheerenden Waldbrand in Lübtheen zusammen mit den Bundesländern eine Task Force einberufen, die bei künftigen Bränden in munitionsverseuchtem Gebiet eingesetzt werden kann. Sie soll Personal und Gerät umfassen, das von den einzelnen Ländern nicht alleine vorgehalten werden kann. Im Katastrophenfall soll dann ein Einsatzleiter auf die Task Force zugreifen können, sagte Seehofer am Mittwoch nach einem Treffen mit Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und den Einsatzleitern beim Waldbrand in Lübtheen. Caffier hatte zuvor eine solche Task Force gefordert.

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Seehofer sicherte die Unterstützung des Bundes zu, etwa durch mehr Hubschrauber der Bundespolizei, die zum Löschen eingesetzt werden können, oder bei der Anschaffung von gepanzerten Waldbrandlöschfahrzeugen. „Das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. Da muss der Bund mit seinem Potenzial mithelfen“, sagte der Minister. Die Task Force soll umgehend umgesetzt werden, „nicht erst in drei oder fünf Jahren“, betonte Seehofer. Schon nächste Woche soll es erste Gespräche zwischen Bund und Ländern geben.

Schutz für bedrohte Dörfer

Höchste Priorität soll die Schaffung von sicheren Schneisen mit einem Radius von einem Kilometer rund um Dörfer, die in der Nähe von munitionsbelasteten Flächen liegen. Zudem müssten durch Luftaufklärung aktuelle und zuverlässige Karten erstellt werden, wo noch Munition im Boden liege. „Das ist eine riesige Aufgabe, die viele, viele Jahre dauern wird“, kündigte Seehofer an.

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Der Minister dankte den zeitweise bis zu 4000 Einsatzkräften in Lübtheen: „Sie haben Übermenschliches geleistet unter schwierigsten Bedingungen. Das war perfekt und vorbildlich.“ Ihn selbst habe der Waldbrand sehr betroffen gemacht: „So etwas erfasst einen Politiker auch emotional. In 50 Jahren in der Politik habe ich viele Katastrophen erlebt, trotzdem ist man immer wieder aufgewühlt, wenn man so etwas sieht.“

Arsenal des Schreckens

Seehofer besuchte auch den Munitionszerlegebetrieb in Jessenitz. Auf einer Palette ausgebreitet erwartete ihn dort das Arsenal des Schreckens: rostige Weltkriegsgranaten verschiedener Kaliber. Beim verheerenden Waldbrand in der vergangenen Woche waren solche alten Granaten immer wieder explodiert. Die Flammen waren bis an die Werkstore des Zerlegebetriebs herangerückt.

Im Lübtheener Forst war im Zweiten Weltkrieg das Munitionsdepot der Marine. „Hier standen fast 200 Bunker mit Granaten der Kaliber 7,5 Zentimeter und größer“, erklärt Truppführer Mario Swars. Die meisten dieser Bunker hatten die Sowjets nach Kriegsende versucht zu sprengen. „Dabei wurden die Bunker aber nur zerfetzt und die Munition in der Umgebung verteilt“, so Swars.

110 000 Hektar Wald munitionsbelastet

Gunter Brinkmann hat als Leiter der Abteilung Bundesforst im Bundesamt für Immobilienaufgaben die Aufsicht über rund 600 000 Hektar Wald im Bundesbesitz. Etwa 110 000 Hektar davon gelten als munitionsbelastet. Für jede dieser Flächen werde ein Brandschutz- und Entmunitionierungskonzept erarbeitet. „In Lübtheen hatten wir vor dem Brand damit begonnen, das Konzept umzusetzen“, sagt Brinkmann. Zahlreiche Feuerschutzstreifen seien bereits gelegt worden.

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Bei der Munitionsbergung gebe es allerdings einen Engpass: „Es gibt nur sehr wenige private Unternehmen, die das anbieten. Ein Großteil davon ist zudem mit der Entmunitionierung des ehemaligen Bombodroms bei Wittstock beschäftigt.“ Denn dort hatten die Sowjets damals bei Bombenabwurfübungen auch Streumunition verwendet, die ist weltweit geächtet und muss daher vorrangig beseitigt werden.

Zu wenig Kapazitäten

Am Geld liege es nicht: Laut Brinkmann stehen 700 Millionen Euro an Budget zur Verfügung, aber: „Bislang hat die Industrie noch nicht die Kapazitäten entwickelt, die wir uns wünschen. Ich hoffe, dass aufgrund der Situation, die hier in Lübtheen entstanden ist, der Markt entsprechend reagiert“, sagt Brinkmann. Laut Seehofer soll die zu gründende Task Force sich auch mit diesem Thema befassen.

Handlungsdruck besteht offenbar angesichts der bundesweit wachsenden Waldbrandgefahr: „Früher hatte wir pro Jahr Waldbrände auf insgesamt etwa 500 Hektar. 2018 waren es 2300 Hektar“, sagt Brinkmann. Und 2019 könnten es noch deutlich mehr werden, denn alleine rund um Lübtheen brannte es auf 944 Hektar, wie jetzt bei Überflügen ermittelt wurde. Wie hoch der Schaden an den Bäumen endgültig ausfallen werde, hänge davon ab, wie trocken der Sommer 2019 am Ende ausfällt.

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Axel Büssem

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