Greifswald

Teufelskreis: Herzschwäche und Vorhofflimmern

Dr. Mathias Busch setzt auf die Methode der eiskalten Verödung bei minus 80 Grad Celsius. Umso früher diese punktförmige Verödung im Herzgewebe erfolgt, umso besser wird ein krankhafte Veränderung der Vorhöfe verhindert. FOTOS (2): CHRISTIAN RÖDEL

Dr. Mathias Busch setzt auf die Methode der eiskalten Verödung bei minus 80 Grad Celsius. Umso früher diese punktförmige Verödung im Herzgewebe erfolgt, umso besser wird ein krankhafte Veränderung der Vorhöfe verhindert. FOTOS (2): CHRISTIAN RÖDEL

Greifswald. Fast jeder Bundesbürger durchlebt eine solche Situation im Laufe seines Lebens: Das Herz schlägt plötzlich schnell und unregelmäßig. „Dies ist vergleichbar mit einer Fehlzündung in einem Pkw-Motor. Sie führt dazu, dass der Vorhof aus dem Takt gerät“, veranschaulicht Dr. Mathias Busch (40) die Problematik.

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Während manche Patienten diese am häufigsten auftretende Rhythmusstörung kaum bemerken, verspüren viele Betroffene deutliche Symptome. „Je schneller das Herz in derartigen Phasen arbeitet, umso eher machen sich dann Herzstolpern, Herzrasen oder Atemnot bemerkbar“, sagt der Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B der Unimedizin Greifswald. Mitunter bringt erst ein zufällig geschriebenes Elektrokardiogramm (EKG) das Problem an den Tag.

Er verweist darauf, dass grundsätzlich zwei Formen des Vorhofflimmerns zu unterscheiden sind. Da wäre jene Anomalie, die von alleine kommt und von alleine wieder verschwindet. Der Vorhof wird immer wieder aus dem Takt gebracht. Und es gibt das Vorhofflimmern, unter dem der Patient schon seit Jahren zu leiden hat. Das Vertrackte: Beide Erkrankungen können auch ineinander übergehen.

Ausgelöst wird dieses Herzflimmern durch sogenannte Trigger. Der Kardiologe spricht von elektrischen Störfeuern, die in den sogenannten Lungenvenen entstehen. Es handelt sich um jene Gefäße, die das Blut aus der Lunge zum Herzen zurücktransportieren.

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Diese Lungevenen sind elektrisch mit dem Vorhof verbunden. „Es handelt sich um eine unnötige Verbindung, quasi ein Überbleibsel aus der Zeit, als das Herz des Menschen entstand. Mit der Ablation versuchen wir, die Lungenvenen elektrisch von den Vorhöfen zu trennen, also zu isolieren“, verdeutlicht der Fachmann.

In der Praxis ist es nach Erfahrung der Greifswalder Ärzte so, dass 80 Prozent der Patienten nach erfolgter Ablation innerhalb des kommenden Jahres kein Vorhofflimmern mehr aufweisen. Bei der Therapie mit Medikamenten beträgt die Erfolgsquote demnach nur etwa 20 Prozent.

Umso früher die punktförmige Verödung im Herzgewebe erfolgt, umso besser wird ein krankhafte Veränderung der Vorhöfe verhindert. „Vorhofflimmern führt zu Vorhofflimmern“, betont Dr. Busch.

Spürt der Betreffende, dass etwas mit seinem Herzrhythmus nicht stimmt, ist es sinnvoll, sich untersuchen zu lassen. Denn die Folgeerkrankungen des in den verschiedensten Facetten auftretenden Vorhofflimmerns sind tückisch. Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass eine Erkrankung des Vorhofs zum Flimmern und letztlich zum Schlaganfall führt. Dabei spielen individuelle Risikofaktoren, wie Alter, Bluthochdruck, Diabetes und Herzschwäche, ein große Rolle. Laut Deutscher Herzstiftung verursacht das Vorhofflimmern bundesweit jährlich etwa 30 000 Schlaganfälle, „Es gibt nicht wenige Patienten, die zu sterben glauben, wenn sie unter Vorhofflimmern leiden. Denn die Symptome, wie etwa das erwähnte Herzrasen, werden von den Betroffenen als unerträglich empfunden“, erklärt Prof. Dr. Stephan Felix, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B.

Deshalb sei es wichtig, diese Beschwerden zu beseitigen. Zudem zeigten aktuelle Studien, dass gerade bei Patienten, die an Herzmuskelschwäche leiden, das Beseitigen des Vorhofflimmern die Zahl der Klinikaufenthalte senke. „Außerdem erhöht sich deren Lebenserwartung spürbar“, so Prof. Felix.

Im Alltag entsteht ein Wettlauf mit der Zeit. „Denn je länger jemand unter Vorhofflimmern leidet, desto schwieriger wird es, dieses zu beseitigen“, sagt Dr. Busch. Häufig wird die Problematik schlichtweg verdrängt. Erst tritt das Vorhofflimmern zum Beispiel ein- bis zweimal im Jahr auf. In der Praxis taucht der Erkrankte erst auf, wenn ihn die Symptome wöchentlich zu schaffen machen.

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Der Mediziner verweist auf die gefährlichen Wechselwirkungen von Herzmuskelschwäche und Vorhofflimmern. Das Flimmern führe dazu, dass die Vorhöfe sich nicht mehr ausreichend zusammenziehen und die Herzzyklen unterschiedlich lang ausfallen. Die Herzinsuffizienz ihrerseits bewirke, dass sich das Blut im Vorhof staut und die Vorhöfe gedehnt werden. Es werden auch Hormone freigesetzt, die das Vorhofflimmern begünstigen. „Es entsteht ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt“, sagt der Oberarzt.

Katheter-Ablation

Mithilfe eines Spezialkatheters werden im Rahmen einer elektrophysiologischen Untersuchung Bereiche auf der Herzinnenseite, die für die Rhythmusstörungen verantwortlich sind, bearbeitet. Durch Hochfrequenzstrom erhitzt man die zwei bis vier Millimeter lange Metallspitze des Katheters. Dadurch kommt es an den Stellen im Herzgewebe, die von dieser Spitze berührt werden, zu punktförmigen Verödungsnarben.

Viele kleine Verödungspunkte ergeben sogenannte lineare Läsionen, die die Ausbreitung der elektrischen Impulse einschränken. Ziel ist es, Vorhofflimmern zu verhindern, ohne dass antiarrhythmische Medikamente gegeben werden müssen.

Eine weitere Methode stellt die ballongestützte Kälteablation dar. Dabei wird der Bereich der Lungenvene mit bis zu 80 Grad Celsius vereist und damit isoliert.

Volker Penne

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