Mecklenburg-Vorpommern

Unrecht in DDR-Kinderheimen – 30 Millionen Euro für Betroffene im Nordosten

Die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher.

Die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher.

Schwerin. 3300 Männer und Frauen aus Mecklenburg-Vorpommern haben für erlittenes Leid und Unrecht in DDR-Kinderheimen Unterstützung aus dem Fonds Heimerziehung erhalten. Es seien mehr als 30 Millionen Euro gezahlt worden, teilten die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher, und Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) am Dienstag in Schwerin mit. Maximal seien es 10 000 Euro pro Person gewesen. Hinzu kämen 4,6 Millionen Euro Rentenersatzleistungen für Arbeiten in manchen Heimen, die für den Rentenverlauf nicht anerkannt wurden. „Mit den Zahlungen ist erlittenes Unrecht nicht wiedergutzumachen“, sagte Drese. Der Fonds habe aber dazu beigetragen, dass die Betroffenen über ihre Geschichte gesprochen haben und das Thema öffentlich diskutiert wurde.

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4000 Menschen haben Beratung erhalten

Die Beratungsstelle für ehemalige DDR-Heimkinder schließt zum Jahresende. Sie war im Juli 2012 eröffnet worden. Fast 4000 Menschen haben laut Drescher während der Frist bis Ende 2014 Beratung und Hilfe gesucht. Auch später meldeten sich noch 400 Betroffene. Sie können keine Leistungen mehr erhalten, sollen aber, soweit möglich, begleitet werden. Die zeitweilig 14 zusätzlichen Mitarbeiter in der Beratungsstelle stünden dafür allerdings nicht mehr zur Verfügung. Sie waren befristet eingestellt. Die Betroffenen nutzten das Geld unter anderem für die Anschaffung von Möbeln und Küchengeräten, für ein Auto, eine Reise oder einen Garten.

In der DDR waren nach Angaben Dreschers zwischen 1949 und 1989 rund 500 000 Jungen und Mädchen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht. 135 000 verbrachten zur „Umerziehung“ Jahre in Spezialkinderheimen, Durchgangsheimen und Jugendwerkhöfen. Zu dieser Gruppe gehören die meisten derjenigen, die jetzt Anspruch auf Leistungen aus dem Heimerziehungsfonds haben.

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Ein Drittel berichtet von sexuellen Übergriffen

Viele haben nach Angaben des Leiters der Beratungsstelle, Burkhard Bley, keinen Schulabschluss und keine Berufsausbildung, litten bis heute an den psychischen Folgen. Sie erlebten physische und psychische Gewalt, nicht nur von Erziehern, sondern auch von anderen Kindern und Jugendlichen. Es habe ein militärischer Kommandoton geherrscht und es seien Kollektivstrafen verhängt worden, so dass Erzieher gar nicht selbst hätten Hand anlegen müssen, berichtete Bley. Ein Drittel der Betroffenen berichte von sexuellen Übergriffen.

In den Normalheimen habe es nicht solch drastische Erziehungsmethoden gegeben. Sie seien aber materiell schlecht ausgestattet gewesen. „Wenn es den Kindern dort gut ging, ist das den Menschen zu verdanken, die dort gearbeitet haben“, sagte Bley. Der DDR-Heimkinderfonds war zunächst mit 40 Millionen Euro von den ostdeutschen Ländern und dem Bund ausgestattet worden. Später wurde der Fonds verlängert und auf maximal 364 Millionen Euro aufgestockt.

Birgit Sander

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