Wissenschaftler legen neue Zahlen vor

Windräder töten 5,3 Milliarden Insekten – pro Tag!

Durch Rotorblätter wie in diesem Windpark bei Parchim sterben im sommer jeden Tag Milliarden Insekten.

Durch Rotorblätter wie in diesem Windpark bei Parchim sterben im sommer jeden Tag Milliarden Insekten.

Rostock. Windräder als Todesfalle für Insekten: Durch Rotorblätter von Windkraftanlagen kommen nicht nur Vögel und Fledermäuse, sondern auch Millionen Insekten ums Leben. Nach einer Modellrechnung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln sollen zwischen April und Oktober in Deutschland pro Tag mehr als 5,3 Milliarden Fluginsekten durch Windräder sterben. Die Wissenschaftler beziffern den Insektenverlust beim Durchflug der Rotoren auf mindestens 1200 Tonnen pro Jahr. Sie treffen aber keine Aussage dazu, in welchem Maße die Windräder zum allgemeinen Insektensterben beitragen.

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Insektenforscher reagieren verhalten auf die Informationen aus Köln und betonen, dass es zur Wechselwirkung zwischen Windkraft und Insektenflug kaum Studien gibt. Prof. Fritz-Olaf Lehmann vom Institut für Biowissenschaften der Rostocker Universität bestätigt, dass wandernde Insekten – wie Zugvögel – in großer Höhe unterwegs sind. Ob Windräder eine Bedrohung für einzelne Arten darstellen, sei bislang nicht geklärt. Der Rostocker Biologe betont, dass sich wichtige heimische Insekten „wie Bienen und Hummeln vorwiegend in Bodennähe aufhalten“. Er weiß aber von Veröffentlichungen in Kalifornien, nach denen der Insektenflug den Wirkungsgrad von Windrädern erheblich beeinträchtigt. „Die müssen dort deshalb aufwendig gereinigt werden“, sagt der Biologe.

Bienen, Falter und viele Käfer fliegen nicht so hoch

Der Vorsitzende der Ornithologischen Gesellschaft MV, Dr. Klaus-Dieter Feige, will die Auswirkungen der Windräder auf Lebewesen nicht verharmlosen, sieht die wichtigsten Ursachen für das Insektensterben aber in der intensiven Agrarwirtschaft. „Tagfalter, Heuschrecken und viele Laufkäfer sind am Boden oder bis maximal 30 bis 40 Meter Höhe zu finden. Ihnen schaden vor allem Insektengifte und andere Chemikalien aus der Landwirtschaft“, meint Feige.

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Der Bundesverband Windenergie (BWE) betont, dass durch Windräder große Mengen Treibhausgase eingespart würden – was auch Insekten zugute komme. Der Verband sieht die Windenergie „nicht als Problemursache, sondern eher als „Problemlöser“ beim Insekten-Artenschwund.

Windräder töten auch Vögel und Fledermäuse

Die rund 2000 Windkraftanlagen in MV stehen auch im Ruf, für den Tod vieler Vögel und Fledermäuse verantwortlich zu sein. Vor allem für Rotmilane, Mäusebussarde und Adler seien davon betroffen, weiß Dr. Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund Deutschland (Nabu), das über mehrere Jahre Totfunde unter Windrädern auswertete. Allein die Zahl verunglückter Vögel schätzt Hötker auf „irgendwo zwischen 10 000 und 100 000 pro Jahr“.

Um den Tod von Fledermäusen zu verhindern, sind Windkraftbetreiber in MV verpflichtet, ihre Anlagen zu bestimmten Zeiten abzuschalten. Seit 2016 gebe es eine solche Regelung, sagt Klaus-Dieter Feige, der er als Umweltgutachter auch bereits mehr als 50 Windkraftprojekte in MV begleitete.

Mehr zum Thema:

Vorschrift für Windräder: Betreiber müssen Rücksicht auf Fledermäuse nehmen

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Weiter forschen! – Ein Kommentar

Elke Ehlers

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