Niederdeutsches Theater

Wismar: Neue Krimi-Komödie begeistert Publikum

Keine Angst: Sebastian Ahlert überlebt als "Leiche" das, was Ratte (Marion Balbach in einer Männerrolle), Killer Boris (Detlev Kuß), Gernot (Aik Leineke) und Heide (Elke Rohlfs, v. l.) vorhaben.

Keine Angst: Sebastian Ahlert überlebt als "Leiche" das, was Ratte (Marion Balbach in einer Männerrolle), Killer Boris (Detlev Kuß), Gernot (Aik Leineke) und Heide (Elke Rohlfs, v. l.) vorhaben.

Wismar. „Wenn es ein neues Stück gibt, sind wir fast immer dabei“, sagte Liselotte Meier (83) aus Wismar in der Pause. Sie gehörte am Samstagabend zu den Premierengästen bei „De Dood vun de Yuccapalm“, einer schwarzen Komödie aus der Feder von Linus Höke und Helge May, die Willi Kuß ins Mecklenburger Platt übertragen hat. In der Pause war Liselotte Meier noch kritisch: „Sie sprechen zum Teil zu schnell und zu leise.“

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Aber das besserte sich im Laufe des Abends. Die Lacher wurden lauter, und die vielen frechen verbalen Spitzen überzeugten. Allen voran Elke Rohlfs und Aik Leineke, die als Heide und ihr Neffe Gernot eine wunderbare Hassliebe zelebrierten. Mittendrin die Yuccapalme namens Horst, die dank ihres „Wahrheitsserums“ sehr begehrt ist. Heide nutzt das Serum, um Männern Geheimzahl und EC-Karte abzuluchsen. Gernot muss als erfolgloser Komponist von Musik „för Orchester un Starkstrom-Elektroleier“ das Familiensilber verscherbeln, um selbst über die Runden zu kommen. Er muss nämlich im Wintergarten bei der Palme frieren. „Twee Grad weniger, un ick kann mien Noten hier binnen in’n Snee pissen.“

Wunderbare Situationskomik konnten die Gäste erleben. Angefangen vom frierenden Gernot in dicker Jacke und Wintermütze, der immer zum Telefonieren eine Seite der Pudelmütze hochklappt. Dazu natürlich die Dialoge. Gernot verteidigt sein quietschendes Instrument mit den roten Kabeln: „Dat is een Erfindung, de de Minschen vääl Freud bringen ward.“ Und seine Tante kontert: „Säker. Jüst so as de Guillotine orrer de Streckbank. Dat Ding kann Dode weder upwecken.“

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Und als dann die erste Leiche des Tages – Sebastian Ahlert hat es nicht leicht! – auftaucht, nimmt die Komödie an Fahrt auf. Gernot findet die Leiche und ist überzeugt, dass seine Starkstrominstrument dran schuld ist. Aik Leineke spielt sich solo auf der Bühne zur Höchstform, als er mit seinem kleinkriminellen Freund „Ratte“ (Marion Balbach in einer Männerrolle) telefoniert zwecks Leichenentsorgung. „Wat soall ick doon? Verstäken? Maak ick. Un nu? Ach, de Liek verstäken!“ Bei so viel Tempo muss er in seinem Kostüm ordentlich ins Schwitzen gekommen sein.

Zwei Leichen, eine Kettensäge, ein drohender Auftragskiller (Detlev Kuß), eine nervende Nachbarin (Astrid Kuß) lassen das Publikum zur Pause zweifeln, wie die Maaten die Situation auflösen könnten ohne Blut und Drama. Machen sie, das „Wie“ können Gäste bei der nächsten Vorstellung am 16. März um 16 Uhr selbst erleben.

„Eine schöne Zusammenarbeit, auch wenn das Platt ein anderes als in Schwerin ist“, dankt Regisseurin Katharina Waldmann genannt Seidel. Sie inszeniert am Schweriner Staatstheater regelmäßig „up platt“. Marion Balbach lacht angesichts der Frage, wie sie sich in ihrer Männerrolle gefühlt hat. „Genau das macht doch total viel Spaß am Schauspiel. In einer Männerrolle muss alles anders sein, die Stimme, das Verhalten und sogar das Lachen. Das ist eine Herausforderung!“ Dank aufklebbarem Bart dauert die Verwandlung in den Ganoven nicht lange. „Das Saubermachen danach dauert länger.“

Nicole Hollatz

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