Comeback der Trickfilmhelden

„Chip und Chap“ : Disneys Streifen­hörnchen auf Roger Rabbits Spuren

Auf der Spur des Entführers: Die Ritter des Rechts Chap (links) und Chip arbeiten wieder zusammen.

Auf der Spur des Entführers: Die Ritter des Rechts Chap (links) und Chip arbeiten wieder zusammen.

Tja, Chip hatte die Nase voll von Hollywood, als Chap einfach so mit einer Soloserie um die Ecke kam. Bis dato hatten die beiden Schulfreunde alles gemeinsam gemacht und mit der Fernsehserie „Chip und Chap – Die Ritter des Rechts“ einen Riesen-Fernsehhit gelandet. Die beiden Streifenhörnchen hatten ein Heldenteam (die Maus Trixi, die Muskelmaus Samson, die grüne Fliege Summi) angeführt, das drei Staffeln und 65 Folgen lang zur Freude vieler Kinder gegen das Verbrechen zu Felde zog.

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Jetzt verkauft der ernsthafte Chip, immer noch eine zwei­dimensionale Cartoonfigur, Versicherungen, während der euphorische, nicht ganz so smarte Dale, der nach einer CGI-Operation zur Computer­trick­figur wurde, den Eindruck einer erfolgreichen Solokarriere nicht ganz aufrecht­erhalten kann – zu verbeult und lidschäftig ist sein alter Mercedes.

Roger Rabbit lässt nicht nur grüßen, er tanzt auch durchs Bild

Was Dale vorschwebt, ist ein Reboot der Erfolgsserie, während Chip dem „Verräter“ nicht Folge leisen will. Herein schwebt Samson, der von einer schlimmen Sache gehört hat: Trick­film­figuren werden entführt und tauchen äußerlich verändert dann in zweitklassigen Bootlegs auf. Irgendwer sabotiert das Toon-Gewerbe. Dann ist plötzlich auch Samson weg – und Chip und Chap haben einen Detektivjob in der wirklichen Welt.

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In der tummeln sich Menschen sowie zwei- und dreidimensionale Trickfiguren, in der stehen neben Häusern aus Holz oder Stein gezeichnete Gebäude und neben Chryslern, Fords und Chevys fahren Autos auf den Straßen, die Gesichter haben und sprechen können. Es ist eine magische Welt, wie wir sie aus „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988) kennen – der Film in dem Disneys Donald Duck sein legendäres Pianoduell mit Warners Erpel Daffy hinlegte. Damit es selbst der Letzte merkt, tänzelt Kaninchen Roger einige Sekunden lang durchs Bild – ein langohriger Zaunpfahlwink.

Es wird gefährlich: Eine alte Kultfigur aus dem Arsenal Walt Disneys bedroht Chap (links) und Chip.

Es wird gefährlich: Eine alte Kultfigur aus dem Arsenal Walt Disneys bedroht Chap (links) und Chip.

Viele kleine, ungemein charmante Ideen lenken vom oft nicht sonderlich geglückten Wortwitz ab. Das unselige Treiben des Entführers sieht man auf Plakaten in Los Angeles, auf denen Filme wie „Batman vs. E. T.“ angekündigt werden (ein Seitenhieb gegen tatsächlich existierenden Kinomumpitz wie „Godzilla vs. Kong“).

Der Bösewicht ist eine legendäre Disney-Trick­film­figur

Als hundsgemeiner Produktpirat wird dann einer der legendären Disney-Charaktere ausgemacht, vor langer Zeit ultimativ cool, inzwischen ein bärbäuchiger unrasierter Kerl mit Jack-Nicholson-Visage, dem das mythische alte Kostüm unvorteilhaft am Leibe klebt.

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Nach seinem großen Filmauftritt war er in Vergessenheit geraten und hatte obendrein noch seinen Intimfeind verloren. Wer hinter den Schandtaten steckt, wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Die Berliner Band Element of Crime hatte ihm (aus der Sicht des Erzfeindes) vor 22 Jahren ein Lied gewidmet: „Ich bin der böse alte Mann, / Du bist der jugendliche Held, / das ist der Quatsch, der jeder Oma / und jedem kleinen Kind gefällt. Du wirst ein Sitzend-Pinkler sein, / mein Freund, wenn ich mal nicht mehr da bin.“

Vor langer Zeit war Chap ein weibliches Streifen­hörnchen

Die beste Szene des Films von Akiva Schaffer ist die, in der das lautstarke Streiten in das unverständliche Gequietsche und Gepiepse übergeht, das Chip und Chap pflegten, als sie noch nicht anthropomorph auf zwei Beinen gingen und auch noch keine Kleidung trugen. In ihren Anfängen waren sie namenlose Waldbewohner, die ihren Vorrat an Hülsenfrüchten gegen Disneys Hund Pluto („Private Pluto“, 1943), gegen Micky Maus („Squatter’s Rights“, 1946) und Donald Duck („Donald, der Nußdieb“, 1947) verteidigten. Mit dem letzten der drei genannten (sehr witzigen) Kurzfilme wurden sie in Deutschland zu Ahörnchen und Behörnchen.

Und bis 1957 war Behörnchen (alias Dale) in Deutschland noch ein Mädchen, das danach zu Ahörnchens (Chips) Bruder wurde. Eine frühe Trans­gender­geschichte.

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Zum Finale gibt es leider nur noch Krawall­theater

Beim Comeback der Nager kommt das komplette alte Team wieder zusammen wie in so vielen Filmen seit John Landis’ „Blues Brothers“ (1980). Im Finale wird dann nur noch großes Knallbumm serviert – ähnlich aufgepumptes Krawall­theater wie damals das Marshmallow-Mann-Finale der überbewerteten „Ghostbusters“ (1984). Chip und Chap retten ihre Kollegen – etwas anderes stand nicht zu erwarten. Wir würden uns wünschen, wenn sie beim nächsten Wiedersehen in einem kleineren Abenteuer wieder Donald ärgern. Zurück zu den Nüssen.

„Chip und Chap – Die Ritter des Rechts“, Film, 96 Minuten, Regie: Akiva Schaffer (streambar ab 20. Mai bei Disney+)

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