Deutschlands "Schiedsrichter des Jahres"

DFB-Schiedsrichter Aytekin im BR-Talk: „Dann schlug ein Brotmesser neben mir auf“

"Ich wollte das Spiel abbrechen, aber ich durfte nicht": Schiedsrichter Deniz Aytekin erinnerte sich bei "Ringlstetter" an ein Skandalspiel.

"Ich wollte das Spiel abbrechen, aber ich durfte nicht": Schiedsrichter Deniz Aytekin erinnerte sich bei "Ringlstetter" an ein Skandalspiel.

Er ist Deutschlands „Schiedsrichter des Jahres“, eine imposante Gestalt von knapp zwei Metern und Franke obendrein. Da ist der Weg zum BR-Talk des Fußballfans Hannes Ringlstetter fast vorgezeichnet. Am Donnerstagabend gab Deniz Aytekin bei „Ringlstetter“ bereitwillig Einblicke hinter die Kulissen des Profifußballs. Unter anderem benannte er „das abenteuerlichste Fußballspiel“, das er je gepfiffen habe. Es war das skandalträchtige EM-Qualifikationsspiel zwischen Montenegro und Russland vom März 2015.

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Damals war in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica nach nur 20 Sekunden Spielzeit der russische Torwart Igor Akinfeev von einem Feuerwerkskörper am Kopf getroffen worden und zusammengebrochen. Aytekin unterbrach die Partie zunächst. Dann setzte er sie fort. Nicht ganz freiwillig, wie er bei „Ringlstetter“ nun berichtete.

„Ich wollte das Spiel abbrechen, aber ich durfte nicht“, erinnerte sich Aytekin und deutete an: „Da gibt‘s halt eine Ansage: ‚Du machst weiter!‘“ Nach 35 Minuten Unterbrechung wurde die Begegnung fortgesetzt. 90 Minuten wurden jedoch nicht erreicht. „Als in der 62. Minute ein Brotmesser neben mir aufschlug, habe ich gesagt: Jetzt geh ich heim!“ Aytekin: „Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun, das hat nichts mehr mit dem Sport zu tun, den man liebt.“ Dies sei „mit die unschönste Situation“ seiner Karriere gewesen.

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Deniz Aytekin: „Meine Freunde nennen mich Anatolischer Faltenhund“

Außerdem räumte der Sohn türkischer Einwanderer mit einem Schiedsrichter-Vorurteil auf: „Die Leute glauben, wie fahren da Samstag hin, pfeifen fünfmal nach links, sechsmal nach rechts, dann gehen wir wieder heim und trinken ein Bier. Das funktioniert leider nicht mehr.“ Tatsächlich hätten sich durch das beschleunigte Spiel auch die Anforderungen an seine Tätigkeit verändert. „Wir trainieren jeden Tag.“ Dennoch komme er inzwischen an Grenzen. „Ich bin jetzt 44. Da kommst du einem 18-, 19-Jährigen nicht mehr hinterher.“ Seine „Überlebensstrategie“ sei jedoch ganz simpel: „Du musst vorausschauend laufen. Je älter man wird, desto klüger läuft man.“

Auf noch eine weitere Qualität kann sich der Oberasbacher (Landkreis Fürth) verlassen: seine Ehrfurcht gebietende Ausstrahlung. „Ich möchte nicht respektlos behandelt werden. Ich reagiere mit sehr strengem Blick.“ Inzwischen habe er „ziemlich viele Falten“, das helfe zusätzlich. „Meine Freunde nennen mich deswegen Anatolischer Faltenhund.“ Bisweilen würden sich Spieler sogar verteidigen („Was willst du, ich hab doch nichts gemacht“), wenn er sie gar nicht ermahnen wollte. „Dann sage ich: ‚Entschuldigung, ich hab nur ganz normal geguckt.‘“

Im Juli gab Deniz Aytekin bekannt, seine internationale Laufbahn zu beenden und nur noch nationale Spiele zu pfeifen. „Das Leben ist nicht immer nur höher, schneller, weiter“, erklärte der hauptberufliche Betriebswirt und Unternehmer bei „Ringlstetter“ die Gründe. Seine Familie habe viel auf ihn verzichten müssen, der wolle er nun etwas zurückgeben.

RND/Teleschau

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