Gutfühlfilm mit Phoebe Dynevor

Eine Tasse für sich – „Bridgerton“-Star im Sky-Biopic „The Colour Room“

Grün, grün, grün sind alle meine Farben: Clarice Cliff (Phoebe Dynevor) im Farbenraum ihrer „Pottery“, der dem Film „The Colour Room“ seinen Namen gab. Auf Sky ist zu sehen, wie die Arbeiterin zur namhaften Art-déco-Künstlerin wurde.

Grün, grün, grün sind alle meine Farben: Clarice Cliff (Phoebe Dynevor) im Farbenraum ihrer „Pottery“, der dem Film „The Colour Room“ seinen Namen gab. Auf Sky ist zu sehen, wie die Arbeiterin zur namhaften Art-déco-Künstlerin wurde.

Fossile Brennstoffe samt Klimawandel hin oder her – wenn der Schornstein raucht, ist das zumindest in historischen Filmen immer etwas Positives. Auch wenn die Armut groß ist – solange die Wohnungen der kleinen Leute warm sind, während draußen der Winter klirrt oder der Sturmwind weht, und die Fabriken, in denen sie arbeiten, nicht stillstehen, ist alles erträglich. Man denkt bei den Auftaktbildern des Films „The Colour Room“ vielleicht auch an die kommende kalte Jahreszeit, in der man aus Solidarität mit der geschundenen Ukraine erstmals seit Jahrzehnten frieren könnte. Und möchte sich an den im Folgenden immer wieder ins Bild gehobenen schweren schwarzgrauen Qualmfahnen der bulligen Töpfereischlote, die einem sonst schädlich und giftig vorkämen, ein wenig festhalten.

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In einem der geduckten Ziegelhäuschen dort lebte vor 100 Jahren die hübsche Clarice Cliff mit ihrer Mutter und ihrer Schwester. Clarice ist eine kleine Dekorateurin in Englands „Potteries“, eine, die rosa Röschen auf Porzellantassen tupft, als wir sie kennlernen. Phoebe Dynevor, vom romantisch gesinnten Serienpublikum geliebt als Debütantin Daphne in der Historienschmonzette „Bridgerton“, gibt hier eine weitere liebreizende Vorstellung: Junge Frau, kühne Träume – niemand hält sie auf. Als ein Anstellungsbrief aus einer anderen Fabrik eintrifft, ist ihr Jubel groß: „Ich habe den Job!“ Die Mama hält‘s für Flausen, die Schwester, eine Näherin, bestärkt Clarice. Die immer wieder den Arbeitgeber wechselt, weil sie alle Facetten der Herstellung von Töpferware kennenlernen will: das Emaillieren von Umrissen, das Vergolden – all das.

Der Firmenchef entdeckt das außergewöhnliche Talent von Clarice Cliff

Auch das Fertigen der Stücke selbst, das Designen. „Wie viele Frauen hast du in der Abteilung gesehen?“, fragt ihre Mutter sie beim Wäscheaufhängen. „Ich habe Hände, ich kann modellieren“, erwidert Clarice selbstbewusst. Sie schnappt sich Materialreste in der Firma, schleppt sie nach Hause und formt dort eine Vase. Das bringt ihr erst den Vorwurf des Diebstahls ein und um ein Haar wird sie entlassen. Doch der Chef entdeckt mit einem Blick das Außergewöhnliche in der Gewöhnlichen: „Sie haben schon Talent“, gesteht Colley Shorter (Matthew Goode, „Downton Abbey“, „A Discovery of Witches“) und steckt sie zu den Formvollendern. Sie wird sie alle übertrumpfen und zu einer berühmten Art-déco-Künstlerin werden.

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Manche werden in dem neuen Film der Australierin Claire McCarthy – Regisseurin der Historienserie „Domina“ (ab 2021) mit Kasia Smutniak und der Shakespeare-Hommage „Ophelia“ (2018) mit Daisy Ridley – den unfeministischen Mangel an Selbstermächtigung kritisieren – dass es eines Mannes bedurfte, der die Frau richtig positioniert, sie fördert, ihren Einfällen nachgibt. Den sie braucht, denn eine Keramikente, vier Eierbecher, eine fröhliche Bemalung in Gelb und Grün – das ist alles völlig außer Rand und Band. Cliff erntet das entrüstete oder verwirrte Kopfschütteln der Kollegen, auch der Art Director („Walking Dead“-Star David Morrissey) ist anfangs skeptisch, der Boss selbst muss es abnicken. „Innovation!“ ist dessen Standpunkt. Er nickt. Gut für Clarice.

Die temperamentvolle Clarice Cliff (Phoebe Dynevor) will nicht mehr Blümchentassen oder hässliche Sammlerfiguren bemalen. Die junge Fabrikarbeiterin in den industriellen britischen Midlands der 1920er-Jahre wird zu einer berühmten Art-déco-Designerin.

Die temperamentvolle Clarice Cliff (Phoebe Dynevor) will nicht mehr Blümchentassen oder hässliche Sammlerfiguren bemalen. Die junge Fabrikarbeiterin in den industriellen britischen Midlands der 1920er-Jahre wird zu einer berühmten Art-déco-Designerin.

Hey, aber so war das eben damals zu jener Zeit (nicht nur) in Stoke-on-Trent. Es war noch eine ganze Weile, wie James Brown es später besang „a man‘s, man‘s world“. Dass auch noch zarte Zweisamkeit zwischen Firmenchef und Angestellter verhandelt wird, ist kein dramatisches Aufbrezeln einer sonst vielleicht zu blutleeren Geschichte über gute alte Handarbeit. Der 17 Jahre ältere Shorter wurde damals tatsächlich Cliffs Liebhaber und Ehemann.

„The Colour Room“ - ein gut ausgestatteter Gutfühlfilm

Das Eindringen einer Frau in eine männliche Domäne wird von McCarthy ruhig bebildert. „The Colour Room“ ist ein gut ausgestatteter Gutfühlfilm mit einer Heldin, die die Biopic-üblichen Hürden und Rückschläge überwinden muss – da fallen die erwarteten sexistische Bemerkungen männlicher Kollegen, da fliegt ihr die herzenstiefe Ablehnung von Shorters jüngerem Bruder (Luke Norris) um die Ohren, da herrscht die Angst, man könne einer Suffragette den Schlüssel zum Heiligtum, dem Raum mit den Keramikfarben geben. In dem angekommen, Clarice dann zärtlich über die Gläser streicht.

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„Bizarre“ heißt ihre Kollektion: „Interessant“, sagt ein eher desinteressierter Messebesucher, ohne stehen zu bleiben. „Billig und geschmacklos“, urteilt der Seniorchef. „Die moderne Frau schaut vorwärts, nicht rückwärts“, kontert Cliff. Am Ende werden ihr mehr als acht Millionen verkaufte Exemplare recht geben.

„The Colour Room“, Film, 108 Minuten, Regie: Claire McCarthey, mit Phoebe Dynevor, Mattew Goode, Davis Morrissey (ab 2. Mai bei Sky).

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