Deutsche Eigenproduktion

„Kleo“ bei Netflix: So ist die DDR-Agentenparodie mit Jella Haase

Jella Haase als DDR-Agentin Kleo Straub.

Jella Haase als DDR-Agentin Kleo Straub.

Kleo Straub (Jella Haase, bekannt aus „Fack ju Göhte“) hat wahrlich Karriere gemacht in der DDR. Gerade noch FDJlerin, ist die junge Frau – auch dank der Förderung durch ihren Opa (Jürgen Heinrich), einen ehemals hochrangigen Stasi-Offizier – in kurzer Zeit zur Topagentin des Arbeiter- und Bauernstaates gereift. Lizenz zum Töten inklusive. Und von der macht Kleo reichlich Gebrauch. So wie 1987, als sie im Auftrag der Stasi in Westberlin einen Geschäftsmann ausschaltet.

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Dieses Mal aber gibt es weder Auszeichnung noch Belobigung, sondern Gefängnis. Jeder, selbst der Stasi-Opa, wendet sich nun von der einstigen Vorzeigeagentin ab, die zudem schwanger ist. Kleo versteht die sozialistische Welt nicht mehr. Als sie dann in der Haft auch noch ihr ungeborenes Kind verliert, wächst der Wunsch nach Rache ins Unermessliche.

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Ob bei Netflix, Sky oder Amazon – deutsche Eigenproduktionen haben Konjunktur bei den Streaminganbietern. Das mag heimische Filmschaffende und das Publikum zunächst freuen, führt in der Konsequenz aber zwangsläufig dazu, bewährte Versatzstücke gleichsam in „heavy rotation“ zu verwenden. Als „Serienerfolg nach dem Baukastenprinzip“ hat der „Rolling Stone“ diese Arbeitsweise dann auch bezeichnet. Man brauche nur ein Thema, das international funktioniere – bei „Kleo“ ist das die DDR –, und kombiniere das mit Netflix-typischen Bonusinhalten, also mit Sex, Gewalt, 80er-Jahre-Nostalgie und vielleicht noch einem gut sortierten Soundtrack. „Fertig ist der leicht generische Serienhit“, so das Magazin für Popkultur.

Überkandidelte Parodie

„Größer, überhöhter, mit Bildern, die sich nicht am Drama, sondern eher an der Comicwelt orientieren“, so stellen sich die Ha-Ri-Bos (Hanno Hackfort, Richard Kropf, Bob Konrad), denen schon mit „4 Blocks“ ein Serienerfolg gelungen ist, „Kleo“ vor. Man darf wohl sagen, dass die Serie diesem Anspruch gerecht wird. Denn in der Tat kommt „Kleo“ weniger als skurrile, nichtsdestotrotz den Zuschauer berührende Agentenserie mit einer für sich einnehmenden Hauptfigur à la Coen Brothers daher, sondern funktioniert bestenfalls als überkandidelte Parodie. Eine Parodie, die sich auch schon mal bei Quentin Tarantino und Uma Thurman bedient.

„Schräg ist ziemlich gut, schräger aber noch viel besser“, lautete offenbar das Motto, und auch der Kritiker will gar nicht verhehlen, dass es Momente gibt, in denen man sich diesem Irrsinn nicht entziehen kann. Im unablässigen Bemühen um Originalität und Sensationen überfordert „Kleo“ den Zuschauer dann aber alsbald. Ob DDR- oder 80er-/90er-Jahre-Zitate, ob schräge Klamotten oder eine noch schrägere Perückenparade, ob grotesk überzeichnete Gewalt oder pyrotechnische Protzerei – kaum einmal, dass es nicht kracht, scheppert oder spritzt. Fast fühlt man sich an die „Clever & Smart“-Comicreihe erinnert. Die bombardiert ihre Protagonisten buchstäblich im schnellen Takt, sodass sich beim Leser schon nach ein paar Seiten ein Völlegefühl einstellt wie nach einem ausschweifenden Schokoladenfondue. Na ja, diesen Duktus einer Comicwelt hatten sich die Macher ja auf die Fahnen geschrieben.

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Baukastenprinzip gnadenlos ausgereizt

Dass „Kleo“ wohl dennoch ein Erfolg werden dürfte, hat also weniger mit Qualität zu tun als damit, dass die Streamingdienste das oben bereits erwähnte, einmal erfolgreiche Baukastenprinzip gnadenlos ausreizen. Konnten in den Nullerjahren Shows wie „Die Sopranos“, „The Wire“ oder „Band of Brothers“ durchaus als die Fortsetzung des amerikanischen Bildungsromans mit anderen Mitteln verstanden werden, so hat die Produktionsschwemme durch Netflix und Co. die Qualität des seriellen Erzählens zuletzt deutlich sinken lassen. So kommen heute auf eine sehenswerte Produktion wie „Mare of Easttown“, „Bosch“ oder „After Life“ 20 oder mehr, die man wahrlich nicht gesehen haben muss.

„Kleo“ ist ab diesem Freitag, 19. August, streambar bei Netflix.

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