„Ozark“, Staffel 4.1 – Auf zum letzten Drogengeldwaschen

Erst mal Wasser und Handtücher: Zum Auftakt von Staffel vier müssen Marty (Jason Batema) und Wendy Byrde (Laura Linney) erst mal verdauen, dass Anwältin Helen direkt neben ihnen exekutiert wurde.

Erst mal Wasser und Handtücher: Zum Auftakt von Staffel vier müssen Marty (Jason Batema) und Wendy Byrde (Laura Linney) erst mal verdauen, dass Anwältin Helen direkt neben ihnen exekutiert wurde.

Nichts gelingt den Byrdes, schon gar nicht „wegzufliegen“ vor all dem Unrat ihrer verhängnisschweren Geldwäscherkarriere. Besser gesagt: Der Abflug der Byrdes ist kurz, kaum ein Abheben, eigentlich nur ein mehrfaches Sich-Überschlagen ihres Vans, nachdem ihnen – man vermutet sofort absichtsvoll – ein Truck auf ihrer Fahrspur entgegenkam.

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Gerade noch hatten sie von Umzug gesprochen, vom Aussteigen – davor nur noch ein Treffen mit dem FBI. Sie hatten wieder Zukunft auf den sonst so sorgenvollen Multiproblemlösungsgesichtern gehabt. Und wann war das zuletzt so gewesen? Das Auto bleibt stark angeknautscht in der Böschung liegen, die Räder drehen sich noch, Sam Cookes R&B-Ballade „Bring It on Home to Me“ plärrt noch immer aus dem Autoradio. Und man erfährt nicht, ob Papa Marty (Jason Bateman), Mama Wendy (Laura Linney), Tochter Charlotte (Sofia Hublitz) und Sohn Jonah (Skylar Gaertner) da lebend rauskriechen.

Auftakt der vierten und letzten Staffel der Thrillerserie „Ozark“ (die Netflix in diesem Jahr in zwei Teilen anbietet – zunächst sind ab 21. Januar sieben einstündige Folgen zu sehen). Bevor sich überhaupt eine zerbeulte Wagentür öffnen kann, geht es zurück in der Zeit – wird die Verbindung zur letzten Szene der dritten Staffel hergestellt.

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Die dritte Staffel endete mit einem völlig unerwarteten Schuss

Als Omar Navarro (Felix Solis), einer der wohl kaltschnäuzigsten Drogenbosse der Film- und Seriengeschichte, völlig überraschend seine Anwältin Helen (Jaet McTeer) erschoss (wo Wendy Byrde doch den Verdacht hegte, Helen wolle sie und Marty töten lassen) und in Wendys blonden Strähnen Blut und Gehirnmasse der soeben noch mächtigen Frau klebten. Jetzt sind die Byrdes bleich wie Leichentücher, zitternd und in frischer Garderobe auf einer Gartenparty des gefährlichsten Mannes von Mexiko. Der ihnen von seinem unfassbaren Plan erzählt, auszusteigen, frei zu sein, sich samt seiner Familie sorglos in den USA bewegen zu können.

Das sollen die Byrdes gefälligst für ihn einfädeln, sollen sie auch der ihnen verbundenen FBI-Agentin Maya Miller (Jessica Frances Dukes) schmackhaft machen. Keine Gegenleistungen – keine Namen, keine Ware, keine Strafe. Der Mobster bietet nichts an. Von den vielen unmöglichen Dingen, die die Wyldes seit ihrer Ankunft in den Ozarks schafften, ist dies das Ding, das ihnen womöglich den Hals brechen wird und vielleicht – siehe Eingangsszene – schon gebrochen hat. Denn Navarro hat mit seinem Neffen Javi Elizondro (Alfonso Herrera) einen Erben, der des Onkels Sinn fürs Drastische hat und dazu ein jugendlicher Heißsporn ist.

„Ozark“ war 2017 einer von Netflix’ Überraschungshits

Bill Dubuques und Mark Williams’ „Ozark“ war 2017 einer der Überraschungshits von Netflix gewesen, eine Thrillerserie mit dunklem Witz, Esprit und Temperament, herausragend geschrieben, gespielt, inszeniert. Ein braver Mann und seine Familie geraten auf die schiefstmögliche Bahn, weil der Geschäftspartner und Freund des Finanzberaters Marty Byrde glaubte, ein mexikanisches Drogenkartell über den Löffel balbieren zu können.

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Einzig seinem Improvisationstalent verdankte Marty Byrde damals, am Leben zu bleiben. Sein Versprechen, am Lake of the Ozarks in Missouri Hunderte von Millionen Mafiagelder waschen zu können, erwies sich indes als nicht ganz so einfach einzulösen. Weil die vermeintlich dem Verbrechen abholden Hinterwäldler von Missouri eben doch gewiefte Typen und Frauen waren, die sich ihre eigenen krummen Geschäfte nicht von Zugereisten durchkreuzen lassen wollten. Kein Stück vom Kuchen – nirgends.

Unter der Beratung von FBI-Spezialisten und einem Hedgefondmanager entstand mit „Ozark“ (vorzugsweise in Georgia statt im Handlungsort Missouri) ein höchst vergnügliches Gangsterdrama, die in den bislang drei Staffeln gezeigten Methoden der Geldverschiebung gelten unter Expertinnen und Experten als glaubwürdig.

Aus einem gelösten Problem erwachsen den Byrdes fünf neue

Einfach mit der vierten Staffel „abzukürzen“ geht allerdings nicht. Wer bislang noch nicht mit der Story vertraut ist, der muss den langen Weg nehmen, und sich zunächst durch die drei Vorgängerstaffeln bingen. Was freilich höchst vergnüglich ist, denn im Bestreben, ihr kriminelles Reich zum Erblühen zu bringen, erwachsen den fleißigen Geldwäschern aus einem gelösten Problem – „Breaking Bad“ lässt grüßen – notorisch fünf neue.

Schon bald wurde Ehefrau Wendy die eigentliche Strippenzieherin der Familie, die – anders als der auf Deeskalation bedachte Marty – inzwischen bereit ist, Menschen im Zweifelsfall auch über die Klinge springen zu lassen. Sogar den eigenen Bruder (Tom Pelphrey), wie sich in der dritten Staffel zeigte.

Früchte des Zorns: Byrde-Spross Jonah wechselt die Seiten

Was den 14-jährigen Byrde-Spross Jonah jetzt zur Rebellion ruft. Er wechselt nach dem Tod des geliebten Onkels die Seiten und wird der Geldwäscher für die durchgeknallte Heroinfarmerin Darlene Snell (Lisa Emery), ihren unsteten jugendlichen Liebhaber Wyatt (Charlie Tahan) und die smarte Prekariatsschönheit Ruth (Emmypreisträgerin Julia Garner). Deren neuerliche Geschäfte entsichern den allmachtsseligen Mexikanern sofort die Schusswaffen. Im Geschäft mit den bewusstseinsverändernden Substanzen ist nur eine tote Konkurrenz eine gute Konkurrenz.

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Die Zahl der offiziell Vermissten steigt weiter. Der korrupte Sheriff Nix (Robert Treveiler) wird im Krematorium entsorgt, ein Chauffeur stirbt beim Versuch, Geld für sein Schweigen herauszuschlagen. Der einstige Cop und Privatdetektiv Mel (Adam Rothenberg, bekannt aus „Ripper Street“) taucht am schönen See auf und sucht im Auftrag ihres scheidungsbereiten Ehemanns hartnäckig nach der vermissten Helen.

Und der verschwundene Onkel Ben bringt die Byrdes ins Visier des unbestechlichen örtlichen Vertretungssheriffs. Zwischen Kartell, lokaler Drogenbaronin, FBI, käuflichen Politikerinnen und Politikern und einem Pharmaunternehmen, das nach knapp überstandenen Opioidklagen mithilfe der Byrdes zur Philanthropenfirma werden möchte, wirbelt Dubuques furiose Geschichte dem Finale entgegen.

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Eine FBI-Agentin gerät auf die Herdplatte des Teufels

Die Byrdes selbst glauben, über eine Stiftung samt honorabler Vorstandsmitglieder ihrem tugendarmen Treiben entkommen zu können. Leichter gesagt als getan, wenn auch die ehrenwerten Honoratioren unehrenhafte Gefallen von ihnen erbitten. Die FBI-Frau Maya gerät auf diesem Wege auf des Teufels heißeste Herdplatte.

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„Ozark 4“ hält in seiner ersten Hälfte das Niveau der Vorgängerstaffeln. Das Publikum ist im Nu wieder rundum moralkorrumpiert, betet für die Bösewichte und hofft, dass die Byrdes am Ende ihres brillanten Bredouillenhopsens ihren Neuanfang bekommen mögen. Da der sonst so unduldsame Omar Navarro diesmal überraschenderweise ein Deut duldsamer erscheint, liegt ein Happy End im Bereich des Möglichen.

Sicher ist das aber nicht, denn in den Ozarks sterben auch vermeintlich unverzichtbare Charaktere so plötzlich wie Lord Stark in „Game of Thrones“, auch wenn sie noch so lauthals versichern „stark wie ein Bär“ zu sein. Und der Van, wir haben’s nicht vergessen, liegt immer noch auf dem Dach.

„Ozark“, Staffel 4.1, sieben Folgen, von Bill Dubuque und Mark Williams, mit Jason Baeman, Laura Linney, Ruth Garner, Skylar Gaertner, Lisa Emery (ab 21. Januar bei Netflix)

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