Abschied vom Sechszylinder

Der Mercedes-AMG C 43 4matic adaptiert Formel-1-Technik

Sportliche Erscheinung: Der Mercedes-AMG C 43 4matic ist durch die vertikalen Streben am Kühlergrill auch für Laien leicht als besonderes Modell auszumachen.

Fahrer der neuen C‑Klasse von AMG haben künftig am Stammtisch wieder eine Menge zu erzählen. Denn zwischen der alten (W 205) und der neuen Generation (W 206) ist technisch viel passiert. Diskussionen dürfte einmal mehr der Schritt vom Sechs- zum Vierzylinder auslösen. Fachleute sprechen neudeutsch vom Downsizing, runter von drei auf jetzt zwei Liter Hubraum. Geschuldet ist dies in erster Linie dem Verbrauch, aber auch der Tatsache, dass Mercedes seinen betagten V6 (M 276) eh zum Alteisen schmeißt. Denn es gibt einen neu entwickelten und damit viel moderneren Reihensechszylinder. Der aber ist für die Plattform, auf der die C‑Klasse steht, nicht mehr vorgesehen.

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Stärkster Zweiliter-Vierzylinder der Welt

Ersatz soll der weltweit stärkste Zweiliter-Vierzylinder liefern, der jemals in einem Serienauto verbaut wurde. Intern nennt AMG das Powerpaket M 139. Seinen Dienst verrichtet das 400 PS starke Aggregat bereits im A 45 4matic, steckt dort quer im Bug. Für die C‑Klasse haben die Ingenieure den Motor um 90 Grad gedreht – und ihm gleichzeitig eine technische Besonderheit angeschraubt, einen elektrisch unterstützten Turbolader. „Abgeleitet haben unsere Techniker das Prinzip aus der Formel 1, wo diese Art der Aufladung schon seit Jahren eingesetzt wird“, sagt Projektleiter Damian Hampen.

Was bringt das Ganze nun? Gewöhnlich leiden Turbomotoren an einer Trägheit, dem sogenannten Turboloch, denn der Turbolader muss durch den Abgasstrom erst einmal auf Touren kommen, bevor die auf gleicher Achse liegende Turbine Druck aufbauen und in den Motor pusten kann. Mercedes hat jetzt zwischen beide Turbinen einen Minielektromotor gepackt, der das Verdichterrad vorab sehr schnell beschleunigen kann, mithin früher Druck aufbaut. Das Turboloch ist passé.

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Prägnant geschwungene Heckpartie: Der AMG C 43 4matic im Halbprofil.

Prägnant geschwungene Heckpartie: Der AMG C 43 4matic im Halbprofil.

Unsere erste Probefahrt bestätigte das. Der C 43 4matic spricht augenblicklich aufs Gaspedal an, erst recht, wenn der Fahrmodusschalter auf „Sport“ oder „Sport plus“ steht. Bis zu 500 Newtonmeter an Drehmoment und 300 kW/408 PS sind abrufbar und schicken die Mittelklasselimousine ganz nach AMG-Manier in nur 4,6 Sekunden von null auf 100 km/h. Auf der Autobahn schafft der C 43 4matic locker die Spitze von 250 km/h. Wer möchte, kann sich die maximale Geschwindigkeit auch auf 265 km/h freischalten lassen.

Die Idee eines elektrischen Turboladers ist nicht neu. Schon vor rund 20 Jahren beschäftigte sich Turbodyne Technologies damit – und hatte große Pläne. Doch Missmanagement und Finanzierungsprobleme trieben die US-Firma schon bald in die Pleite. Aus heutiger Sicht taugte die Turbodyne-Technik eh nicht viel, da noch keine 48-Volt-Komponenten am Markt verfügbar waren. Auch die Rechenleistung der Software war längst nicht so weit wie heute.

Leistung rauf, Verbrauch runter

Trotz der höheren Leistung im Vergleich zum Vorgängermodell soll der neue C 43 mit 8,7 Litern pro 100 Kilometer etwa 10 Prozent weniger verbrauchen. Gründe hierfür sind natürlich die zwei fehlenden Zylinder (weniger innere Reibung), aber auch die Möglichkeit, das Auto beim Gaswegnehmen „segeln“ zu lassen. Der Motor ist dann komplett abgeschaltet. Zudem verfügt der Vierzylinder über einen riemengetriebenen 48-Volt-Starter-Generator (RSG). Dieser liefert nicht nur zusätzliche zehn Kilowatt Leistung, sondern übernimmt auch die Start-Stopp-Funktion und hilft beim Anfahren.

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Mit auf den Weg gegeben haben die AMG-Entwickler dem C 43 4matic – wie die Modellbezeichnung bereits andeutet – einen Allradantrieb. Die Entscheidung fiel auf eine feste Auslegung von 31 Prozent vorn zu 69 Prozent hinten, ist also sehr heckbetont und lässt auf der Rennstrecke sicher den einen oder anderen Drift zu. Handlicher um die Kurven soll es mit der serienmäßigen Hinterachslenkung gehen. Sie ermöglicht außerdem ein engeres Rangieren. Alles zusammen macht den AMG C 43 zu einer äußerst soliden und souverän agierenden Hochleistungslimousine, die übrigens auch als Kombi erhältlich ist.

In diesem Fall ist der Begriff Multifunktionslenkrad einmal angebracht.

In diesem Fall ist der Begriff Multifunktionslenkrad einmal angebracht.

Design mit typischen AMG-Zutaten

Von außen dürfte selbst weniger autoaffinen Menschen auffallen, dass hier keine normale C‑Klasse um die Ecke biegt. Schon die vertikalen Streben im Grill deuten unmissverständlich auf AMG hin, ebenso die riesigen Lufteinlässe darunter. Für einen sportlicheren Auftritt sorgen zudem 20-Zoll-Räder und die AMG-typischen vier Endrohre am Heck. Ein wenig Rennsport-Feeling soll natürlich auch aufkommen, wenn man sich hinters Steuer setzt. Es gibt ein sogenanntes Performance-Dreispeichen-Lenkrad (Aufpreis bei Alcantara) mit den kleinen Drehreglern für Fahrmodi und Fahrwerkseinstellungen.

Und klar, auch Performance-Sitze muss ein AMG-Modell haben. Sie sind schalenförmiger gestaltet und wiegen ein Kilogramm weniger als die Seriensitze. Für weiteres Motorsport-Flair sorgen Dekorelemente in Karbon-Look und ein speziell konfigurierbares Cockpit. Eine der Darstellungen nennt sich sogar Track.

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Günstig war ein AMG-Modell nie. Leistung und Individualität wollen bezahlt sein. Letzteres gilt sogar so weit, dass der Motor eine Namensplatte mit dem Namen derjenigen Person bekommt, die das Aggregat zusammengeschraubt hat. Motto: One Man, one Engine. Bislang wurde dieses Prinzip nur bei den Achtzylindern angewandt. Der C 43 4matic startet bei 71.460 Euro, das T‑Modell (Kombi) kostet 1785 Euro mehr.

 

Mercedes-AMG C 43 4matic

Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner

Systemleistung: 300 kW/408 PS

Getriebe: 9-Gang-Automatikgetriebe

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Max. Drehmoment: 500 Nm

Antrieb: Allrad

Beschleunigung (0–100 km/h): 4,6 s

Höchstgeschwindigkeit: 265 km/h

Verbrauch: 8,7 l Super

CO₂-Emission: 196 g/km

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Leergewicht: 1765 kg

Kofferraum: 455 l

Länge/Breite/Höhe: 4,79/1,82/1,45 m

Preis: ab 71.460 Euro

 

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