Bilanz der Polizei-Ermittlungsgruppe „Berg“: „Selbst erfahrenste Ermittelnde waren erschüttert“

Nordrhein-Westfalen, Köln: Uwe Jacob, Polizeipräsident von Köln (l-r), Michael Esser, Leiter der BAO Berg, und Markus Hartmann, Oberstaatsanwalt und Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen, sitzen bei einer Pressekonferenz auf dem Podium.

Nordrhein-Westfalen, Köln: Uwe Jacob, Polizeipräsident von Köln (l-r), Michael Esser, Leiter der BAO Berg, und Markus Hartmann, Oberstaatsanwalt und Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen, sitzen bei einer Pressekonferenz auf dem Podium.

Köln. Nur drei Monate alt war das jüngste Kind, das die Polizei-Ermittlungsgruppe „Berg“ aus einer Missbrauchssituation befreit hat. Das Baby sei von seinen Peinigern vergewaltigt worden, sagte am Mittwoch der Leiter der Ermittlungsgruppe, Michael Esser, in einer Pressekonferenz in Köln. Insgesamt seien im Rahmen der Ermittungen in den vergangenen beiden Jahren 65 Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 17 Jahren befreit worden. Die Mitglieder der Ermittlungsgruppe hätten „enormes Leid gesehen“, was zu psychischen Belastungen geführt habe, sagte Esser.

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Situationen teilweise „sehr surreal“

Die Situationen seien teilweise „sehr surreal“ gewesen, etwa wenn die Kinder nach der Trennung von den Missbrauchstätern geweint hätten. Zum Beispiel habe sich ein Mädchen in Aachen während einer Anhörung verzweifelt an ein Stofftier festgeklammert, das es von seinem Onkel geschenkt bekommen habe. „Die Tragik in dieser Aussage nahm uns alle mit, denn dieser Onkel war unser Tatverdächtiger, der ihr unbeschreibliches Leid angetan hatte“, heißt es in einem Bericht des Einsatzleiters. „Selbst die erfahrensten Ermittlerinnen und Ermittler waren über die Schwere des Missbrauchs erschüttert.“

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Der Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach beschreibt ein großes Geflecht von Verdächtigen, die sich im Netz über Kindesmissbrauch austauschten. Der Fall kam ins Rollen, als Ermittler im Herbst 2019 bei einem Vater in Bergisch Gladbach zu einer Durchsuchung anrückten. Über seine Kontakte kamen sie immer mehr Verdächtigen auf die Spur.

13 Verurteilungen in Nordrhein-Westfalen

In dem Zusammenhang hat es in Nordrhein-Westfalen mittlerweile 13 Verurteilungen gegeben. Insgesamt hätten in den vergangenen Jahren 15 „Kernverfahren“ aus der Arbeit der speziellen Polizei-Ermittlungsgruppe „Berg“ resultiert, sagte der Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW, Markus Hartmann, am Mittwoch in Köln. In 13 Fällen habe es gerichtliche Entscheidungen gegeben - bei denen insgesamt mehr als 80 Jahre Freiheitsstrafe verhängt worden seien. Zwei Angeklagte seien noch vor einem Urteilsspruch gestorben.

RND/dpa

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