Mysteriöse Todesfälle

Mordserie an Homosexuellen in Bilbao: tödlicher Drogencocktail?

Die spanische Großstadt Bilbao. (Archivfoto)

Die spanische Großstadt Bilbao. (Archivfoto)

Madrid. Ein Richter in Bilbao hat am Samstag Untersuchungshaft für einen 25-jährigen Kolumbianer angeordnet, den die Polizei mit einer Reihe auffälliger Todesfälle in der baskischen Großstadt in Verbindung bringt. Der junge Mann hatte sich am Donnerstag der Polizei gestellt, nachdem in Spanien sein Foto und sein Name publik geworden waren. Er bestreitet alle Anschuldigungen.

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Der baskische Sicherheitsminister Josu Erkoreka hatte am Freitagabend einige wenige Details zu dem Fall bekannt gegeben, die Medien aber um „ausgesprochene Vorsicht“ bei der Berichterstattung gebeten. Es gebe „toxikologische Belege“, die den 25-Jährigen mit einem Mord in Zusammenhang bringen; außerdem sei er zweier versuchter Morde verdächtig. In drei weiteren Todesfällen werde eine mögliche Beteiligung des Kolumbianers untersucht.

Nach zuvor durchgesickerten Berichten soll die baskische Polizei seit Monaten dem Verdacht nachgehen, dass in Bilbao, der größten Stadt des Baskenlandes, ein Männermörder unterwegs war oder vielleicht noch ist. Sie habe acht Todesfälle untersucht, deren Umstände sie für ungewöhnlich hält. Auch ein Todesfall in Madrid und ein weiterer in Alicante passen ins Raster. Sollte sich die Mordserie bestätigen, wäre sie die opferreichste seit Jahrzehnten in Spanien. Noch aber ist sie nicht bestätigt.

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Polizei untersucht acht Todesfälle

Zwei Anzeigen hatten die Polizei offenbar auf den Verdacht gebracht, dass in Bilbao mehrere miteinander in Verbindung stehende Verbrechen begangen worden sein könnten. Am 18. Oktober vergangenen Jahres starb in seiner Wohnung in Bilbao ein 43-jähriger Klavierlehrer eines nicht gewaltsamen Todes. Eine Woche später meldete sich ein Bruder des Verstorbenen bei der Polizei und berichtete, dass nach dessen Tod sein Girokonto ausgeräumt worden sei. Es sah danach aus, als habe sich jemand seiner Bankdaten bemächtigt.

Zwei Monate später meldete ein Altstadtbewohner Bilbaos, dass er in seiner Wohnung von einem jungen Mann angegriffen worden sei. Sie hätten sich über eine Kontaktseite für schwule Männer kennengelernt; er habe den Jüngeren zu sich in die Wohnung eingeladen, wo dieser erst mit Küssen über ihn hergefallen sei, ihn dann aber zu würgen begonnen habe. Als der Angegriffene um Hilfe zu schreien begann, sei der Angreifer aus der Wohnung geflohen. Zurückgelassen habe er einen Rucksack mit seinen Papieren und einer Droge, die als Liquid Ecstasy bekannt ist.

Der Name der Droge ist irreführend – sie hat chemisch nichts mit Ecstasy zu tun –, aber sie brachte die Polizei auf eine Idee: Vielleicht gab es einen Täter, der seine Opfer mit Drogen so gefügig machte, dass sie ihm Zugang zu ihren Kontodaten gaben. Später könnte dieselbe Droge – Gamma-Hydroxybuttersäure, kurz GHB – mit Alkohol gemischt zum Tode geführt haben, ohne Spuren zu hinterlassen. GHB ist nach sechs bis acht Stunden nicht mehr im Blut nachweisbar.

Verdächtiger beteuert Unschuld

Das klingt wie eine Geschichte aus einem Kriminalroman. Aber offenbar fand die Polizei erst vier, dann insgesamt acht Fälle schwuler Männer, die in der Altstadt von Bilbao in den vergangenen Monaten unter – zumindest auf den zweiten Blick – auffälligen Umständen gestorben waren. Und als möglichen Täter nahm sie den Mann ins Visier, der im Dezember seinen Rucksack in der Wohnung seiner Netzbekanntschaft zurückgelassen hat. Das ist offenbar der Mann, der sich am Donnerstag freiwillig stellte und seine Unschuld beteuerte – und nun in Untersuchungshaft sitzt. Zu den durchgesickerten Informationen gehört, dass er schon einmal vor drei Jahren wegen Betrugsverdachts festgenommen worden sei.

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Aber ob er wirklich der gesuchte Männermörder ist, muss sich erst noch herausstellen – und auch, ob es in Bilbao tatsächlich eine Mordserie gegeben hat, wie die Polizei vermutet. So wie sich die Umstände der möglichen Taten zurzeit darstellen, wird es eine schwierige Aufklärungsarbeit.

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