Tote Frau in Mehrfamilienhaus gefunden

Geiselnehmer stirbt nach Polizeieinsatz in Dresdner Einkaufszentrum – Geiseln unverletzt

Die Polizei hat die Altmarkt-Galerie nach einer Geiselnahme abgesperrt.

Die Polizei hat die Altmarkt-Galerie nach einer Geiselnahme abgesperrt.

Dresden. Dramatischer Großeinsatz im vorweihnachtlichen Dresden: Ein Mann hat am Samstagvormittag in einem Einkaufszentrum zwei Geiseln, eine Frau und ein Kind, genommen. Gegen Mittag überwältigen Einsatzkräfte den offenbar psychisch Kranken, der dabei schwer verletzt wird und später stirbt. Zuvor hatte er nach Erkenntnissen der Polizei seine Mutter getötet, auch in einem Bürogebäude, wo unter anderem ein Radiosender seinen Sitz hat, fallen Schüsse.

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Gegen 7.20 Uhr fand die Polizei am Samstagmorgen die leblose Mutter des Mannes in einem Mehrfamilienhaus im Dresdner Stadtteil Prohlis. Ein hinzugerufener Notarzt konnte nur noch deren Tod feststellen. Der 40-jährige Sohn ist laut Polizei tatverdächtig.

Schüsse bei Radio Dresden – Mitarbeiter unverletzt

Im Anschluss soll der Mann zu einem Bürogebäude gegangen sein, in dem auch der Sender „Radio Dresden“ seinen Sitz hat. Der Mann habe versucht, eine Tür zu zerstören und einzudringen, sagte der Geschäftsführer des Senders, Tino Utassy, der Deutschen Presse-Agentur. Nachdem es ihm nicht gelungen sei, in die Räume zu gelangen, habe er durch ein Loch in der Tür geschossen. „Die Mitarbeiter waren glücklicherweise so geistesgegenwärtig und sind dann durch einen zweiten Ausgang ausgerissen und geflohen“, sagte Utassy. Alle blieben nach Angaben des Senders unverletzt. Der Täter habe das Gebäude nach den Schüssen verlassen. Während der Tat hatte der Mann das neun Jahre alte Kind einer Bekannten dabei.

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Betroffen gewesen seien die Teams der Morningshows für Hitradio RTL und Radio Dresden. Der Mann habe am Samstagmorgen gegen 8.30 Uhr versucht, in die Studios einzudringen. Es sei schwerlich zu beschreiben, wie es den Mitarbeitern gehe. „Sie sagen, es geht ihnen gut, aber genau wissen wir es natürlich auch nicht. Wir werden natürlich alles machen, damit sie da die entsprechende Hilfe bekommen“, sagte Utassy.

Dritter Tatort war dann die Dresdner Altmarkt-Galerie, dort verschanzte der 40-Jährige sich im Büro eines dm-Marktes - er hatte das Kind und eine Mitarbeiterin (38) als Geiseln in seiner Gewalt. Anschließend rief der Mann den Notruf der Polizei, Beamte blieben ständig mit ihm in Kontakt. Als Polizisten Schüsse aus dem Büro hörten, öffneten Spezialkräfte der sächsischen Polizei gewaltsam eine Tür, es kam zu einem Schusswaffeneinsatz, bei dem der 40‑Jährige getötet wurde, wie die Polizei am Abend mitteilte. Bei dem Mann fanden die Einsatzkräfte eine scharfe Pistole. Die beiden Geiseln blieben äußerlich unverletzt.

Die Polizei evakuierte während des Einsatzes das Einkaufszentrum und angrenzende Bereiche. Mehrere Menschen kamen in einem Bus der Dresdner Verkehrsbetriebe unter und wurden dort betreut. Auch der berühmte Striezelmarkt blieb vorerst geschlossen - erst am frühen Nachmittag wurde er wieder geöffnet. Die Polizei bat wegen der Geiselnahme, die Dresdner Innenstadt zu meiden. Der Bereich rund um die Altmarkt-Galerie sei abgesperrt. Aufgrund des Polizeieinsatzes kam es in Dresden den ganzen Tag über zu Verkehrseinschränkungen.

„Wir gehen am ehesten von einer psychischen Erkrankung aus“

Zum Motiv des mutmaßlichen Täters erklärte ein Polizeisprecher, dass der Mann in seinem psychischen Verhalten sehr auffällig gewesen sei. „Wir gehen am ehesten von einer psychischen Erkrankung aus.“ Der Polizei sei ansonsten nichts offenkundig bekannt.

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Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. „Ich bin erleichtert, dass diese bedrohliche Situation beendet werden konnte. Ich danke allen beteiligten Einsatzkräften der sächsischen Polizei für ihr entschlossenes und umsichtiges Handeln“, schrieb Kretschmer am Samstag bei Twitter.

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Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) bedankte sich bei den Einsatzkräften. „Den Einsatzkräften danke ich für ihr schnelles und besonnenes Handeln, wodurch womöglich Schlimmeres verhindert werden konnte“, sagte er laut einer Mitteilung am Samstag. Er sei entsetzt über die Tat eines vermutlich psychisch verwirrten Einzeltäters und erleichtert darüber, dass die Polizei die beiden in der Gewalt des Täters befindlichen Personen angesichts der schwierigen Lage unverletzt befreien konnte.

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Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert zeigte sich betroffen und dankte ebenfalls den Einsatzkräften. „Diese Tat zeigt, wie zerbrechlich die vorweihnachtliche Besinnlichkeit und Unbeschwertheit sein kann“, sagte der FDP-Politiker.

RND/dpa/alx/seb

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