Prozess um Kokainskandal

Drogendealer in Uniform: Münchner Polizist zu Gefängnisstrafe verurteilt

Der Angeklagte steht vor Prozessbeginn mit seinem Anwalt Stephan Tschaidse im Verhandlungssaal.

Der Angeklagte steht vor Prozessbeginn mit seinem Anwalt Stephan Tschaidse im Verhandlungssaal.

München. In einem Prozess um den Drogenskandal bei der Münchner Polizei ist ein 28-jähriger Beamter zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Amtsgericht München kam am Freitag zu der Überzeugung, dass der Polizist zwischen 2016 und 2017 in mehr als 50 Fällen Drogen erworben und mehrmals an Kollegen weiterverkauft hatte. Zudem hatte er seinen Dealer vor Ermittlungen des Rauschgiftdezernats gewarnt und sich so des Verrats von Dienstgeheimnissen schuldig gemacht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Anklage hatte unter anderem auf 69 Fälle des Erwerbs gelautet, von denen das Gericht nicht alle als bewiesen anerkannte. Die Staatsanwaltschaft warf dem inzwischen suspendierten Polizisten vor, er habe sich Kokain auf die Polizeiwache und zum Dienst auf das Oktoberfest liefern lassen. Auch wegen solcher Auswüchse warf Richterin Elisabeth Ehrl dem 28-Jährigen vor, er habe „das Vertrauen in Ihren Berufsstand erheblich erschüttert“.

Beim Prozessauftakt Anfang Februar hatte der Angeklagte ein Geständnis unter Tränen abgelegt. Er gab zu, dass das Kokain von einem Dealer kam, der in diesem und weiteren Verfahren als entscheidender Zeuge auftrat. Beim Weiterverkauf des Rauschgifts will der Beamte allerdings keinen Gewinn eingestrichen haben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Geständnis unter Tränen

Dass er mit Kokain in Kontakt kam, erklärte er so: „Es war ein Zusammenspiel aus riesengroßer Schwäche und meinem doch noch irgendwie jungen Alter.“ Mit seinen Taten habe er „Scheiß gebaut“. Auch bei seinem letzten Wort weinte der Angeklagte und entschuldigte sich, dass er „ungehemmt und rotzfrech“ mit Rauschgift umgegangen sei. Seine Taten seien ihm „unfassbar peinlich“. Er wolle nun Verantwortung für seine Familie tragen.

Die Anklage hatte eine Strafe von drei Jahren Haft gefordert. Der Rechtsstaat müsse wegen der besonderen Stellung der Polizei „seine Zähne zeigen“, sagte Staatsanwalt Jakob Schmidkonz. Die Verteidigung plädierte auf eine niedrigere Strafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden solle. Ihrer Darstellung zufolge seien in der Verhandlung weitaus weniger Drogenkäufe bewiesen worden.

Der Drogenskandal hatte das Polizeipräsidium München 2020 erschüttert. Die Staatsanwaltschaft führte 39 Ermittlungsverfahren gegen 37 Polizeibeamte. 15 Verfahren wurden eingestellt, in zwölf Fällen wurde nach Angaben von Sprecherin Anne Leiding ein Strafbefehl beantragt. Am vergangenen Dienstag war ein 27-jähriger Polizist wegen ähnlicher Vergehen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Insgesamt hat die Münchner Staatsanwaltschaft sechs Anklagen wegen des Rauschgiftskandals erhoben.

RND/dpa

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen