Ein Kleid für die Ewigkeit

Sicherer Auftritt: Audrey Hepburn machte es 1961 in dem Film „Frühstück bei Tiffany“ vor, wie man das „kleine Schwarze“ am besten kombiniert.

Sicherer Auftritt: Audrey Hepburn machte es 1961 in dem Film „Frühstück bei Tiffany“ vor, wie man das „kleine Schwarze“ am besten kombiniert.

Hannover. Es war neu und wirkte fast ein bisschen zugeknöpft. Aber immerhin kam die modische Empfehlung von ganz oben: Am 1. Oktober 1926 veröffentlichte die US-amerikanische „Vogue“ den Entwurf eines ziemlich schlichten Kleides. Kniebedeckend, lange Ärmel, kein Ausschnitt, keine Taille. Und dann auch noch in schwarz, dieser Farbe, die eigentlich Witwen und Dienstmädchen vorbehalten war. Das Oberteil war vorne lose wie ein Blouson und im Rücken straff. Ein besonderer Hingucker waren die sich kreuzenden abgesteckten Falten.

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Kniebedeckend, lange Ärmel, kein Ausschnitt, keine Taille: Das erste „kleine Schwarze“ stammt von Coco Chanel.

Kniebedeckend, lange Ärmel, kein Ausschnitt, keine Taille: Das erste „kleine Schwarze“ stammt von Coco Chanel.

Der Entwurf stand für einen neuen Typ von Frau. Berufstätig, abenteuerlustig – emanzipiert. Die Mutter der mutigen Kreation war keine Geringere als Gabrielle „Coco“ Chanel. Der „Ford“ von Chanel, wie die „Vogue“-Redakteurinnen den Entwurf in Anlehnung an das ausschließlich in Schwarz ausgelieferte T-Model des gleichnamigen Autoherstellers nannten, „werde künftig alle Welt tragen.“ Die Modeexpertinnen behielten recht. Es war die Geburtsstunde eines zeitlosen Klassikers, des „little black dress“. Kurz: LBD. Wer das „little black dress“ von Chanel haben wollte, musste nach New York ins Luxuskaufhaus Saks an der Fifth Avenue. Wer sich so viel Luxus nicht leisten konnte, schneiderte sich selbst eins.

Jetzt hat das Auktionshaus Sotheby’s die Geschichte des „kleinen Schwarzen“ zum Anlass genommen, um am Dienstag, 3. Oktober, gleich 140 berühmte Entwürfe zu versteigern. Es handelt sich um Kreationen aus der Zeit zwischen 1921 und 2010. Die Kleider von Yves Saint Laurent, Jeanne Lanvin, Chanel und Helmut Lang stammen aus der Sammlung von Didier Ludot. Die von Sotheby’s geschätzten Preise für die edlen Stücke liegen zwischen 500 und 5000 Euro. Der Fashion-Experte Ludot betreibt in Paris nicht nur eines der wohl bekanntesten Modegeschäfte, sondern er hat auch das Buch „la petit robe noire“ geschrieben und verfügt über eine der größten Sammlungen des „kleinen Schwarzen“.

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Coco Chanel.

Coco Chanel.

Darunter befindet sich auch ein Exemplar von Hubert Givenchy. Wenn auch nicht das jenes legendäre Kleid, welches der Pariser Modeschöpfer 1961 eigens für Audrey Hepburn und ihren Auftritt in dem Film „Frühstück bei Tiffany“ entwarf. Hepburn trug dazu ein paar schlichte, weiße Perlenohrringe und das Outfit war perfekt. Im „kleinen Schwarzen“ vorn Givenchy wurde Hepburn zum Inbegriff für Eleganz. 2006 wurde der Klassiker von dem Londoner Auktionshaus Christies’s versteigert. Telefonanbieter sollen sich eine regelrechte Schlacht um das „little black dress“ aus dem berühmten Film geliefert haben. Schließlich wechselte das Cocktailkleid für schlappe 607 000 Euro den Besitzer – und erreichte damit den höchsten Preis, der je für ein Filmkostüm gezahlt wurde.

Dass das „little black dress“ die Mode verändert hat, ist unbestritten. Unklar ist bis heute allerdings, wer denn nun eigentlich der Erfinder des kleinen schwarzen Cocktailkleides ist. Coco Chanel und Givenchy reklamierten beide den Titel für sich. Doch selbst Karl Lagerfeld, seit den Achtzigerjahren Kreativdirektor bei Chanel, bezweifelt deren Urheberschaft. „Kleine schwarze Kleider tauchten zum ersten Mal zwischen 1918 und 1920 auf, und ich habe das Gefühl, dass sie auf die Trauerkleidung im Ersten Weltkrieg zurückgehen.“ Egal, wer es erfunden hat, der Witwenschick ist längst verflogen.

Von Nora Lysk/RND

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