Expertin verrät: Das muss gutes Spielzeug können

Ulm. Seit 1954 testet die Initiative "spiel gut e.V." mit Sitz in Ulm Spielzeug. Ihr Siegel ist bei Herstellern heiß begehrt – doch die Vergabe ist an strenge Kriterien geknüpft. Rund 2000 Produkt haben es dennoch auf die Liste der Inititative geschaft.

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Frau Palm-Walter, Sie testen und bewerten seit 30 Jahren Spielzeug. Was haben Sie gegen Barbie?

Gegen die Spielfigur an sich haben wir erst mal nichts.

Sie findet sich aber nicht auf der Empfehlungsliste Ihrer Initiative „spiel gut“.

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Weil wir etwas gegen das Weltbild haben, für das Barbie steht. Sie verkörpert eine Modelwelt, Schlankheitskult und Konsumverhalten. Deshalb haben wir sie auch gar nicht in unsere Tests aufgenommen.

Was macht für Sie ein gutes Spielzeug aus?

Dass es sicher ist, umweltverträglich, haltbar, und dass es für lange Zeit immer neue Spielmöglichkeiten bietet. Vor allem aber geht es uns darum, dass Spielzeug die Fantasie der Kinder anregt und ihnen Anregungen gibt, aktiv zu werden und sich selbst auszuprobieren, statt nur Vorgegebenes abzuarbeiten.

Also besser einen Grundbaukasten schenken statt ein bestimmtes Modell, das nachgebaut werden muss?

Zum Beispiel, ja.

Das sehen Kinder leider oft anders. Sind wir Erwachsenen da machtlos?

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Nein. Das ist auch eine Frage der Darstellung und der Alternativen, die man dem Kind lässt. In einer überbordenden Spielwarenabteilung wird es tatsächlich meist zu dem greifen, was sich blinkend, laut und bunt in den Vordergrund drängt. Aber ich würde gerade kleinere Kinder dorthin auch nicht mitnehmen, weil sie da überfordert sind.

Und wenn sich Kinder partout mit aller Macht das „Falsche“ wünschen?

Das bleibt natürlich die Entscheidung jedes Schenkenden. Und man kann auch mal pragmatisch sein, wenn sich die Kinder sonst zum Beispiel im Kindergarten ausgeschlossen fühlen. Aber ich wäre immer dagegen, gegen die eigenen Überzeugungen und Werte zu schenken. Ich habe selbst drei Kinder und drei Enkelkinder. Man muss nicht allem nachgeben. Und Schenken kann ja auch immer ein Anlass sein, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben, zu erklären, gemeinsam zu spielen.

Wie testet „spiel gut“ Spielzeug?

Zunächst testen Kinder für uns, in Horten, Kindergärten und Familien. Danach schauen sich unsere Experten das Spielzeug an, ein Team aus Ärzten, Biologen, Erziehern, Architekten und anderen.

Ihre Initiative testet seit 1954. Dennoch kommt Jahr für Jahr mehr schlechtes Spielzeug in die Läden.

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Ja, leider. Das ist schon frustrierend. Aber es zeigt andererseits, wie wichtig unsere Arbeit ist. Wir machen auf jeden Fall weiter.

Von Thorsten Fuchs/RND

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