Kampf gegen die Flammen

Großfeuer in Thüringen: Fehlendes Löschwasser keine Folge der Wetterlage

Flammenmeer mitten im Ort: Vermutlich nach einem Defekt in einer Tischlerei brach in Bothenheilingen (Unstrut-Hainich-Kreis) ein Großfeuer aus. Am Dienstagmittag waren die Brände bis auf kleine Glutnester gelöscht. Der zwischenzeitliche Ausfall des Löschwassers hatte seine Ursache nicht in Hitze und Trockenheit – so Kreisbrandinspektor Florian Krieg.

Flammenmeer mitten im Ort: Vermutlich nach einem Defekt in einer Tischlerei brach in Bothenheilingen (Unstrut-Hainich-Kreis) ein Großfeuer aus. Am Dienstagmittag waren die Brände bis auf kleine Glutnester gelöscht. Der zwischenzeitliche Ausfall des Löschwassers hatte seine Ursache nicht in Hitze und Trockenheit – so Kreisbrandinspektor Florian Krieg.

Die Einsatzkräfte haben das Feuer noch die ganze Nacht hindurch bis Dienstagmorgen um acht bekämpft, sagt Fränze Töpfer, Pressesprecherin der Landespolizeiinspektion Nordhausen, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Eine Gasflasche mit Acetylen, die am „zweiten Brandherd“ gefunden wurde, wird am Dienstagmittag noch in einem kleinen Wasserbassin gekühlt, müsse sich „leerblubbern“, so Töpfer. Damit niemand gefährdet werde, habe man die Anwohner im Umkreis von 100 Metern um das Grundstück evakuiert. Tags zuvor war in einem stattlichen Gehöft von 2500 Quadratmetern Grundfläche inmitten des schmucken 430-Seelen-Ortes Bothenheilingen im Unstrut-Hainich-Kreis ein Großfeuer ausgebrochen.

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Riesige Rauchwolken waren am Montag über dem kleinen Dorf in Thüringen gestanden. Es gab eine Explosion, wonach ein weiteres, rund 250 Meter entferntes Stallgebäude in Flammen aufging. Zeitweilig blieb das Löschwasser aus. Das Szenario rang dem Bothenheilinger Ortsbürgermeister André Hettenhausen gegenüber der Tageszeitung „Thüringer Allgemeine“ Worte der Erschütterung ab: „Es ist eine Katastrophe, sein eigenes Dorf abbrennen zu sehen“, wurde er am Montag zitiert.

Die Druckwelle der Explosion erfasste zwei Einsatzkräfte

Zwei verletzte Einsatzkräfte habe es bei dem Einsatz gegeben. „Eine andere Gasflasche war detoniert, die beiden Kameraden sind von der Druckwelle erfasst worden und kamen anschließend ins Krankenhaus“, berichtet der Kreisbrandinspektor des Unstrut-Hainich-Kreises, Florian Krieg, im Gespräch mit dem RND, „– einer ohne Befund, der andere mit einer Rippenfraktur.“ Den Transport der zweiten Flasche mit Acetylen hatten Bergungsspezialisten am Dienstag als zu riskant abgelehnt. So lässt man das Gas jetzt kontrolliert über das Überdruckventil entweichen.

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„Alles auf dem großen Hof ist bis auf die Grundmauern abgebrannt“, erklärt Töpfer, die zum Zeitpunkt des Gesprächs vor der Ruine in Bothenheilingen steht. „Bei dem anderen Gebäude ist die Scheune weg, das Wohngebäude immerhin in Mitleidenschaft gezogen – da muss man jetzt die Statik prüfen lassen.“ Die Kriminalpolizei habe schon am Montag mit ihrer Arbeit begonnen, wobei zunächst Zeugen befragt wurden.

Den Brandort selbst habe die Polizei aufgrund der herrschenden Hitze noch nicht näher inspizieren können. „Wir gehen davon aus, dass ein technischer Defekt in einer Tischlerei bei dem großen Hof das Feuer ausgelöst hat“, bestätigt die Polizeihauptkommissarin erste Vermutungen vom Vortag. Gesichert sei das aber nicht – „alles noch Konjunktiv“. Andere Brandursachen müssten erst noch ausgeschlossen werden. Auch lässt sich der Schaden einstweilig nur grob beziffern. „Mehrere Millionen“, ist sich Töpfer sicher.

Schlimmeres konnte verhindert werden

Das Dorf ist nicht abgebrannt, aber Schlimmeres hätte durchaus passieren können, darin sind sich Töpfer und Krieg einig. Krieg vermutet, ohne es bislang verifizieren zu können, dass Flugfeuer (handtellergroße Flammenfetzen, größer als der winzige Funkenflug) vom ursprünglichen Brandort den weiter entfernten Stall erreicht hat. Auf dieselbe Weise hätte es also noch andere Gebäude im Dorf treffen können, auch die Getreidefelder rund um den Ort hätten abbrennen können. „Und am zweiten Gebäude stand auch noch ein Propangastank.“ Der nicht explodierte – Glück im Unglück.

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Auch Krieg befindet sich während des Gesprächs in Bothenheilingen. Zur Mittagsstunde sind alle Löscharbeiten am kleineren Brandort beendet. Am großen Objekt, in dem das Feuer ausgebrochen war, werden aber immer noch kleine Nachlöscharbeiten durchgeführt. Ein Bagger schiebt Holzbalken und Fachwerk zusammen. Weil darin kleine Glutnester schwelen, die noch beseitigt werden müssen. 300 Einsatzkräfte waren in der Spitze vor Ort, sagt Krieg. Am Dienstagmittag sind es noch 38.

Durch das Feuer sind 15 Personen obdachlos geworden, eine Familie sei gerade im Urlaub, so Töpfer. „Es ist schon ein Spendenkonto eingerichtet worden – Geldspenden werden hier jetzt dringend gebraucht“, meint die Polizistin.

Der Löschwassermangel hatte nichts mit der Trockenheit zu tun

Die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung sei hervorragend gewesen, lobt Krieg – sowohl was die Versorgung der Einsatzkräfte mit Essen und Getränken durch Ortsansässige betrifft, als auch den Beistand von Landwirten, „die uns von allen Seiten Hilfe angeboten haben“. Mit Tankwagen rückten sie an, als kein Wasser mehr aus den öffentlichen Hydranten kam – mit Wasser aus Zisternen, Pools und privaten Teichen.

Kam der Löschwassermangel durch die derzeitige Trockenheit und Hitze zustande? „Das hat in diesem Fall nichts miteinander zu tun“, weiß Krieg, „das hätte genauso gut im Winter passieren können.“ Der Ort Bothenheilingen liege relativ hoch, der Hochbehälter könne nicht anhaltend das nötige Druckgefälle bringen. Die Wassermenge, die gebraucht wurde, um auch die umstehenden Gebäude gegen das Feuer zu sichern, war schlichtweg zu groß.

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