Ein Tag hält ein Viertel aller Rekorde

Immer mehr Hitzetage: Deutschlands Temperaturrekorde in sieben Grafiken

Die Zahl der Hitzetage hat in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. In diesem Jahr rollt bereits die zweite Welle mit außergewöhnlich hohen Temperaturen heran: Nach den heißen Tagen im Juni erwarten Meteorologen auch in der kommenden Woche Temperaturen bis zu 40 Grad. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und im westlichen Bayern soll es besonders heiß werden.

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Temperaturrekorde zwischen 18 und 41 Grad

Um diese Temperaturen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen, hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) für eine Datenauswertung des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) alle bis heute bestehenden Rekordwerte an den Messstationen in Deutschland ermittelt. Demnach stammt der längste bestehende Rekord aus dem Jahr 1928 mit 38,9 Grad im bayerischen Heinersreuth-Vollhof.

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Hoch Jürgen: Am Mittwoch 40 Grad in Deutschland?

Während der für die nächste Woche erwarteten Hitze kann nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Deutschland örtlich die 40-Grad-Marke überschritten werden.

Wenig überraschend wurde auf dem höchsten Berg Deutschlands die niedrigste Höchsttemperatur gemessen: Am 5. Juli 1957 stieg das Thermometer in 2965 Metern Höhe auf der Zugspitze auf 17,9 Grad. Den deutschlandweiten Rekord halten die beiden benachbarten Stationen in Duisburg-Baerl und Tönisvorst. Am 25. Juli 2019 wurden dort jeweils 41,2 Grad gemessen.

Damit haben die beiden Messstationen in Nordrhein-Westfalen vor drei Jahren das bayerische Kitzingen als Rekordhalter abgelöst. Am 7. Juli 2015 wurden dort 40,3 Grad gemessen. Am 25. Juli 2019 wurde dieser Deutschland-Rekord gleich an elf Stationen übertroffen. Insgesamt erreichten 139 Stationen an diesem Tag einen historischen Höchstwert, mehr als jede vierte in Deutschland.

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Insbesondere der Westen des Landes wurde davon erfasst, etwa Frankfurt am Main mit 40,1 Grad. Aber auch die Wetterstation Brocken mit 29,7 Grad und Ostenfeld (Rendsburg) in Schleswig-Holstein mit 33,8 Grad erreichten neue Höchstwerte. Einige Atomkraftwerke mussten vorübergehend abschalten, da das Kühlwasser aus den Flüssen zu warm wurde.

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Bis dahin wurden Werte von 40 Grad und mehr in Deutschland nur an einzelnen Tagen und räumlich begrenzt gemessen. Das erste Mal seit Beginn der Wetteraufzeichnungen trat vom 24. bis 26. Juli 2019 eine außergewöhnliche Hitzewelle mit Höchsttemperaturen von mehr als 40 Grad Celsius an drei aufeinanderfolgenden Tagen auf.

Zunächst galt eine in Lingen im Emsland gemessene Temperatur von 42,6 Grad als Hitzerekord. Ein Jahr später teilte der DWD jedoch mit, dass dieser Wert annulliert wird, da er aufgrund eines „Wärmestaus“ und damit fehlerhaft zustande gekommen sei. „Verantwortlich dafür sei die in den vergangenen Jahren deutlich gewachsene Vegetation in direkter östlicher Nachbarschaft der Station“, erklärte der DWD. Dieser Korrektur verdanken die Stationen Tönisvorst und Duisburg-Baerl ihren Eintrag in die Geschichtsbücher.

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Wahrscheinlich werden auch in diesem Jahr wieder einige Rekorde purzeln, womöglich schon in der kommenden Woche. Bereits der Juni 2022 brachte für 13 Stationen einen historischen Höchstwert. Cottbus erlebte am 19. Juni mit 39,2 Grad die wärmste Luft seit Beginn der Messungen. Auch Hoyerswerda, Dresden-Klotzsche und Schipkau-Klettwitz blieben nicht weit unter der 40-Grad-Marke. Dabei sind Rekordwerte im Juni eigentlich eine Seltenheit. Vor dem 8. Juni wurde sogar kein einziger der derzeit bestehenden Rekorde aufgestellt.

Wem es zu heiß wird, dem bleibt nur die Flucht in höher gelegene Regionen oder an die Küste. Auf dem 1490 Meter hohen Feldberg im Schwarzwald beispielsweise ist es noch nie wärmer als 27,4 Grad geworden. Wer ähnlich niedrige Temperaturen auf Höhe des Meeresspiegels sucht, wird unter den deutschen Messstationen nur auf dem unbemannten Feuerschiff (UFS) in der Deutschen Bucht östlich von Helgoland fündig: Dort stieg die Temperatur bisher nicht über 27,7 Grad. Eine Alternative auf dem Festland bietet der Leuchtturm in Kiel, wo noch nie eine Temperatur über 31,7 Grad gemessen wurde.

Die Zunahme der Hitzewellen ist laut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine direkte Folge der globalen Erwärmung. Dabei nehmen sowohl Intensität als auch Dauer und Häufigkeit dieser Phänomene zu. In Europa haben Hitzewellen drei- bis viermal schneller zugenommen als in den übrigen nördlichen mittleren Breitengraden wie etwa in den USA oder Kanada, so das Ergebnis einer Studie des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

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Häufigere und extremere Hitzewellen erwartet

Der rasche Anstieg hängt demnach wohl mit Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation zusammen: Große Windbänder in fünf bis zehn Kilometer Höhe, der sogenannte Jetstream, sind im Wandel begriffen. „Sommerliche Hitzewellen sind an sich kein neues Phänomen. Neu ist aber, dass extreme Hitzeereignisse in Europa in den letzten Jahren häufiger und intensiver aufgetreten sind. Man denke nur an die heißen und trockenen Sommer 2018, 2019, 2020 und die jüngsten Hitzewellen in Europa“, sagt Efi Rousi vom PIK. Die Klimawissenschaftlerin prognostiziert eine Fortsetzung dieses Trends: „Wir rechnen damit, dass das noch schlimmer wird.“

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